Deutsches IVF-Register – Jahrbuch 2020 mit Sonderausgabe für ungewollt kinderlose Paare


Deutsches IVF-Register (D·I·R)®: Jahrbuch 2020 *

Der Weg zum Wunschkind ist für jedes sechste Paar nicht auf natürlichem Weg möglich, sondern mit medizinischer Hilfe verbunden. Oft führt dann der Weg in eines der gut 140 Kinderwunschzentren in Deutschland, also zur Beratung und Behandlung bei den Reproduktionsmedizinern und Reproduktionsbiologen. Dazu veröffentlicht das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® sein Jahrbuch.

Das Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers (D·I·R)® ist dabei nicht nur für die Reproduktionsmediziner und -biologen eine stets hochinteressante Lektüre und Wissenserweiterung. Es bietet auch betroffenen Paaren, die einen unerfüllten Kinderwunsch zu einem erfüllten Kinderwunsch machen möchten, wichtige Informationen, Erkenntnisse und Entscheidungshilfen.

Die aktuellen Zahlen und Daten über Kinderwunschbehandlungen in Deutschland liefert das Deutsche IVF-Register (D·I·R)®, indem es kontinuierlich Behandlungsdaten der Kinderwunschzentren auswertet. Demzufolge bietet das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® viele Informationen, Zahlen und Analysen auch in seinem Jahrbuch 2020. 134 Mitgliedszentren dokumentieren darin 116.306 Behandlungszyklen für das Jahr 2020, die damit verbundenen Methoden und deren Erfolgsaussichten. 21.588 Babys kamen 2019 mit Hilfe der Reproduktionsmedizin zur Welt.

Premiere des Deutschen IVF-Registers: Sonderausgabe für ungewollt kinderlose Paare, Patientinnen und Patientin sowie die Öffentlichkeit

Jahrbuch des Deutschen IVF-Registers für ungewollt kinderlose Paare, Patientinnen und Patientin sowie die Öffentlichkeit

Sonderausgabe des Deutschen IVF-Registers (D·I·R)® für ungewollt kinderlose Paare, Patientinnen und Patientin sowie die Öffentlichkeit *

Eine Premiere: In diesem Jahr findet sich erstmals eine Sonderausgabe als Auszug aus dem großen Jahrbuch 2020 des Deutschen IVF-Registers (D·I·R)®. Sie richtet sich an alle Paare mit einer ungewollten Kinderlosigkeit, an alle Paare, die aktuell in Kinderwunschbehandlung sind und auch allgemein an die interessierte Öffentlichkeit. In dieser Sonderausgabe wurden die wichtigsten Eckdaten und aktuell wichtige Themen zusammengefasst und vor allem mit leicht verständlichen Erklärungen und Kommentierungen versehen.

Das große D·I·R-Jahrbuch und seine Sonderausgabe finden sich hier: https://www.deutsches-ivf-register.de/jahrbuch.php. Oder hier direkt als pdf- Download die Sonderausgabe als Auszug aus dem D·I·R-Jahrbuch.

Drei dieser Sonderthemen aus diesem Jahrbuch uns seiner Sonderausgabe nehmen wir auch in diesem Beitrag auf.

Wie viele Behandlungszyklen auf dem Weg zum Wunschkind?

Wegweisend ist im neuen D·I·R Jahrbuch eine Untersuchung zur kumulativen Schwangerschaftsrate nach mehreren Embryotransfers, die aus frisch gewonnenen Eizellen nach Hormontherapie und/oder den daraus folgenden Embryotransfers nach Einfrieren ausgewertet wurde. Demnach kommt es nach einem ersten Embryotransfer in 34,5 Prozent der Behandlungen mit einem Transfer zu einer Schwangerschaft. Nach zwei Transfers erhöht sich diese bereits auf 52,4 Prozent und liegt bei 61,5 Prozent nach drei Behandlungen.

„Ein negativer Schwangerschaftstest nach einer ersten Kinderwunschbehandlung ist traurig, aber die Tatsache, dass nach vier Behandlungen zwei von drei Patientinnen schwanger sind, sollte Paaren Mut machen“, sagt Dr. med. Andreas-Tandler-Schneider, Berlin, Vorstandsmitglied des D·I·R. Eine wichtige Rolle nimmt dabei das Einfrieren, die Kryokonservierung, ein: „Das wird in Zukunft deutlich mehr werden. Viele Zyklen werden dann mit dem Einfrieren und anschließendem Auftauen von Eizellen, Vorkernstadien und Embryonen einhergehen “, sagt Dr. Tandler-Schneider. Für die betroffene Patientin bedeutet das, sie benötigt keine erneute Hormonstimulation oder Eizellentnahme. „Insofern ist es eine zusätzliche Chance, mit deutlich geringerem Aufwand“, ergänzt er. Bisher wird das Verfahren der Kryokonservierung (Einfrieren) nicht von den Krankenkassen übernommen. Die Datenlage des neuen D·I·R Jahrbuchs gibt Aufschluss darüber, dass die Schwangerschaftsrate nach dem ersten Transfer mit einem Auftauzyklus (33,2 Prozent) dem Frischzyklus (34,8 Prozent) vergleichbar ist.

Schwangerschafts- und Geburtenraten hängen sehr stark vom Alter der Frau ab

„Schwangerschafts- und Geburtenraten hängen natürlich auch vom Alter der Patientin ab.“, erklärt Dr. med. Ute Czeromin, Gelsenkirchen, die Vorstandsvorsitzende des D·I·R. Das Register verzeichnet 340.053 Kinder, die nach In-vitro-Fertilisationszyklen in Deutschland geboren wurden. Das entspricht zahlenmäßig den Einwohnern einer Stadt wie Bielefeld oder Wuppertal.

Seit 2017 steigt das Alter der Kinderwunschpatientinnen kontinuierlich an. Es liegt aktuell bei 35,6 Jahren. Das mittlere Alter der Partner liegt stabil bei 38,5 Jahren. Auch der Anteil der Patientinnen, die älter als 40 Jahre sind, nimmt stetig zu. „Die größte Gruppe unserer Patientinnen ist zwischen 35 und 39 Jahren alt. Während die 35-jährigen einen Schwangerschaftsrate von 38,8 Prozent und eine Geburtenrate von 30 Prozent haben, sinkt sie bei Frauen ab 40 Jahren deutlich. Die Schwangerschaftsrate liegt dann bei 18,9 Prozent und die der Geburten bei 10,6 Prozent“, sagt Dr. Czeromin. Bei Patientinnen mit und über 45 Jahren kam es lediglich noch zu fünf Geburten in ganz Deutschland.

„Wir schließen aus diesen Daten, dass die Kinderwunschbehandlung auch unter Nutzung von Maßnahmen der Fortpflanzungsmedizin zeitnah stattfinden und mit der Realisierung des Kinderwunsches nicht zu lange gewartet werden sollte“, stellt sie fest. „Wenn sich der Kinderwunsch auf natürlichem Weg nach einem Jahr nicht erfüllt, sollte das Paar überlegen, eine Beratung in einem Kinderwunschzentrum in Anspruch zu nehmen.“

Risiken der Mehrlingsschwangerschaften mindern: Was auch die Patienten-Paare wissen sollten

Die Ziele der Kinderwunschmedizin sind eigentlich einfach: „Wir möchten ein gesundes Kind einer gesunden Mutter“, sagt Prof. Dr. med. Jan-Steffen Krüssel, Düsseldorf, Vorstand des Deutschen IVF-Registers. Dazu wollen die Reproduktionsmediziner die Mehrlingsschwangerschaften auch durch eine bessere Aufklärung der Paare deutlich reduzieren. Denn: Häufig resultieren aus Kinderwunschbehandlungen Mehrlingsschwangerschaften mit entsprechenden Frühgeburten, die Kinder und Mütter belasten. Während es sich bei sechs von zehn Zwillingsgeburten um Frühgeburten handelt, sind es bei Drillingen nahezu alle Geburten. Zum Vergleich: bei Einlingsgeburten ist nur eines von zehn Babys zu früh geboren.

Die Beispiele von Kinderwunschbehandlungen in Schweden und den Niederlanden zeigen, dass Zwillinge oder Drillinge nicht unbedingt Ergebnis der Reproduktionsmedizin sein müssen. Dort führt die vornehmlich praktizierte Rückgabe von eben nur einem Embryo (in der Fachsprache „Single Embryo Transfer“ oder kurz „SET“) dazu, dass weniger als fünf Prozent der künstlichen Befruchtungen in einer Mehrlingsschwangerschaft münden. „Ein Aspekt, auf den wir in unseren Beratungen von Paaren mit Kinderwunsch selbstverständlich hinweisen“, sagt Prof. Krüssel.

Zwar sei die Schwangerschaftsrate nach der Rückgabe von einem Embryo an die Patientin mit 39 Prozent geringer als nach zwei Embryonen mit 48 Prozent. „Diese Rate führt aber eben auch zu einer Mehrlingsrate von 33 Prozent bei Frauen unter 35 Jahren“, stellt er klar. Verbunden damit sei ein sehr viel schwieriger Schwangerschaftsverlauf, oftmals eine sehr viel frühere Einweisung in ein Krankenhaus und ein sehr hoher Anteil an Frühgeburten. All diese Risiken stellen eine vermeidbare Belastung für Kinder und Eltern dar!

Detaillierte Auswertungen im aktuellen D·I·R® Jahrbuch weisen die Altersgruppe der Patientinnen zwischen 35 und 39 Jahren sowie die Gruppe der ab 40-jährigen gesondert aus. Auch bei Frauen ab 40 Jahren ist das Mehrlingsrisiko um das 16-fache erhöht. Prof. Krüssel: „Uns zeigt das, dass gerade auch bei Patientinnen höheren Alters, die eben auch ein höheres Risiko für Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck oder Diabetes aufweisen, Mehrlingsgeburten vermieden werden sollten“.

Weil Paare trotzdem häufig auf Nummer sicher gehen möchten und sich bessere Erfolge erhoffen, wenn sie sich zwei Embryonen statt einem übertragen lassen, wollen die Kinderwunschzentren weiter aufklären. „Aus unserer Sicht wäre es sinnvoll nahezu allen Patientinnen nur einen Embryo zu transferieren“, sagt Prof. Krüssel. Für weitere Eizellen oder überzählige Embryonen käme das Einfrieren (die Kyrokonservierung) in Frage. „Dazu wäre eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes, das die regelhafte Entwicklung von mehreren Embryonen eindeutig erlaubt, als auch die Übernahme von Kosten für die Konservierung und des anschließenden Kyrotransfers seitens der Krankenkassen wünschenswert“, erklärt er.

* Bildquellen: Deutsche IVF-Register (D·I·R)®, www.deutsches-ivf-register.de

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