Erstmals mehr als 20.000 Babys in einem Jahr: Deutsches IVF-Register – Jahrbuch 2016


Deutsches IVF-Register - Jahrbuch 2016 - apotheken-wissen.de

Deutsches IVF-Register (D·I·R), Titelseite Jahrbuch 2016. Modifizierter Nachdruck aus J Reproduktionsmed Endokrinol 2017; 14 (6)

Über das Deutsche IVF-Register: Die Öffentlichkeit fordert Information und Transparenz im Hinblick auf Diagnostik und Behandlungen auf dem sensiblen Gebiet der Kinderwunschmedizin. Diese Forderung ist berechtigt. Nur mit einer zuverlässigen und kontinuierlichen Auswertung der Behandlungsergebnisse  möglichst vieler Kinderwunschzentren, wie sie das Deutsche IVF-Register leistet, kann dieser Forderung gefolgt werden. Darüber hinaus dient diese Auswertung wissenschaftlichen Erkenntnissen und damit verbunden Verbesserungen der medizinischen Versorgung und Ergebnisse. Aber auch bei der Beratung und letztlich der Entscheidungsfindung der ungewollt kinderlosen Paare sind die Auswertungen des Deutschen IVF-Registers von elementarer Bedeutung.

Mit der Auswertung der Behandlungen und ihrer Ergebnisse aus nahezu allen deutschen Kinderwunschzentren stellt das Deutsches IVF-Register (D·I·R)® einen einzigartigen Datenschatz dar, der mittlerweile über 1,6 Millionen Behandlungen und über 250.000 geborene Kinder in Deutschland enthält. Nachfolgend aktuelle Informationen aus dem D·I·R-Jahrbuch für das Jahr 2016:

Erstmals mehr als 20.000 Babys nach künstlicher Befruchtung in einem Jahr

Erstmals in der Geschichte der künstlichen Befruchtung in Deutschland wurden nach Behandlungen, die im Jahr 2015 begonnen, mehr als 20.000 Kinder nach einer Befruchtung im Reagenzglas geboren.

Geborene Kinder - Deutsches IVF-Register, Jahrbuch 2016 - apotheken-wissen.de

Jahrbuch 2016 des Deutschen IVF-Registers (D·I·R), Modifizierter Nachdruck aus J Reproduktionsmed Endokrinol 2017; 14 (6), Auszug aus Seite 41

Diese Zahl präsentierte das Deutsche IVF-Register (D·I·R)® auf dem 7. Kongress des Dachverbandes Reproduktionsbiologie und -medizin am 09.12.2017 in München. Im Deutschen IVF-Register werden seit 1982 die Behandlungen und Resultate aus nahezu allen Kinderwunschzentren in Deutschland auf freiwilliger Basis zusammengeführt und ausgewertet. In die Resultate für das D·I·R Jahrbuch 2016 konnten die Ergebnisse von 128 Zentren einbezogen werden.

Mehr als 100.000 Behandlungen wurden in Deutschland im Jahr 2016 durchgeführt, um Eizellen zu gewinnen bzw. Embryonen in die Gebärmutter einzusetzen. Insgesamt wurden fast 65.000 Frauen behandelt. Bei mehr als 25% der Behandlungen wurde im Jahr 2016 die Eizelle bzw. der Embryo aus dem tiefgefrorenen Zustand aufgetaut und eingesetzt. Die Chancen für eine Schwangerschaft lagen in diesen Fällen bei 27% und bei über 32%, wenn ein frischer Embryo direkt nach der Zeugung außerhalb des Körpers verwendet wurde. Drei von vier Schwangerschaften (73%) mündeten in eine Geburt. Aber in jeder fünften Schwangerschaft kam es zu einer Fehlgeburt. Die Chancen, nach einer künstlichen Befruchtung ein Kind zu bekommen, waren nach wie vor stark abhängig vom Alter der Mutter: Bei einer 35-jährigen Frau lagen sie bei 27% pro Embryonen-Transfer, bei einer 40Jährigen bei 15% und bei einer 44-jährigen Frau nur noch bei gut 3%.

Hier finden Sie die Internetpräsenz des Deutschen IVF-Registers (D·I·R)® bzw. hier geht es direkt zum D·I·R-Jahrbuch 2016.

Aktuelles Schwerpunktthema des Deutschen IVF-Registers: Weniger ist mehr

Ein wichtiger Faktor, um nach einer Befruchtung die Chance auf eine geglückte Schwangerschaft zu erhöhen, ist die Zahl der übertragenen Embryonen und ihre Gesundheit, Robustheit und Vitalität. Wird nur ein einzelner, gesunder, vitaler Embryo übertragen, so ist Chance für die Geburt eines gesunden, reifen Kindes höher als nach der Implantation von zwei oder gar von drei Embryonen. Nach der Einpflanzung von zwei Embryonen ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Schwangerschaft eintritt, zwar etwas höher als nach der Implantation eines einzelnen Embryos. Aber es treten häufiger Mehrlingsschwangerschaften und Komplikationen in der Schwangerschaft auf einschließlich Frühgeburten, die das Risiko für Anpassungsstörungen, Atemwegsprobleme und auch Hirnblutungen bei den Babys erhöhen.

Bessere Erfolge könnten bei bereits vielen Patientinnen erzielt werden, wenn zwar nach der Hormonbehandlung und Punktion so viele Eizellen wie möglich entnommen werden, dann aber nur ein einzelner Embryo in die Gebärmutter eingesetzt würde. Es muss sich dabei aber um einen Embryo handeln, der sich nach mehreren Teilungszyklen als vital und gesund erweist. Wäre diese Maßnahme erfolglos, so könnte noch auf weitere eingefrorene Embryonen zurückgegriffen werden. Doch das Embryonenschutzgesetz verbietet generell die regelhafte Erzeugung überzähliger Embryonen. Deshalb werden bis heute im Vergleich zum Ausland durch die Kinderwunschbehandlung weiterhin unnötig viele Zwillingsschwangerschaften erzeugt: Nur in etwa 20% wird ein einzelner Embryo eingesetzt, in etwas mehr als 70% zwei. Im Ausland, in dem Kinderwunschzentren ohne diese gesetzliche Einschränkung arbeiten können, liegen die Raten bereits bei über 30% für einen Ein-Embryo-Transfer, bei 55% für einen Transfer von zwei Embryonen.

Seit mehr als 10 Jahren fordern die behandelnden Ärzte die Schaffung eines „Fortpflanzungsmedizingesetzes“ statt des rückständigen und veralteten „Embryonenschutzgesetzes“ – diese Forderung wurde erneut im Oktober 2017 durch die Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – erhoben.

Würde das Embryonenschutzgesetz in diesem Punkt überarbeitet, so könnte die Rate an gesunden Einzelkindern, die nach künstlicher Befruchtung geboren werden, deutlich verbessert und die Zahl der Fehl- und Frühgeburten verringert werden. Schwangerschaften aus zwei oder drei transferierten Embryonen erhöhen das Risiko für Mutter und Kind, ohne dabei bei vielen Patientinnen die Chancen zu verbessern.

Das D·I·R-Jahrbuch 2016 kurzgefasst: die Ergebnisse der Jahre 2015 und 2016

  • Im Jahr 2016 wurden in 134 Zentren Kinderwunschpaare behandelt. 128 Zentren konnten ihre Daten in diese Auswertung einspeisen.
  • Weltweit sind bisher mehr als 7 Millionen Kinder nach den Maßnahmen der IVF (In-vitro-Fertilisation) und der ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion) geboren.
  • Für das Jahr 2016 sind mehr als 100.000 Zyklen zur Eizellgewinnung bzw. zum Embryotransfer erfasst worden. Mehr als ein Viertel dieser Zyklen finden mittlerweile nach Einfrieren im Auftauzyklus statt.
  • 18.198 Schwangerschaften entstanden im Frischzyklus, 6.636 Schwangerschaften im Auftauzyklus.
  • Nach Transfers im Jahre 2015 wurden insgesamt 20.949 Kinder geboren. Dieses sind noch einmal nahezu 1.000 Kinder mehr als 2014 (19.979).
  • Fast 3% aller lebend geborenen Kinder des Jahres 2015 wurden nach einer Befruchtung außerhalb des Körpers geboren, d. h. in einer großen Schulklasse sitzt statistisch ein Kind, das sein Leben einer künstlichen Befruchtung verdankt*.
  • Die Schwangerschaftsrate betrug bei einem Frisch-Embryotransfer im Jahre 2016 32,3%, bei einem Transfer im Auftauzyklus 27%.
  • 73,2% der Schwangerschaften führten zur Geburt. Dies entspricht einer Baby Take Home-Rate pro Transfer von 23,5% und pro Behandlung von 20%.
  • Die Fehlgeburtenrate lag – wie in den Vorjahren – bei 20%.
  • Von lediglich 5% der Schwangerschaften 2015 wissen wir noch kein Ergebnis.
  • Die Schwangerschaftsraten für eine 35-Jährige liegen bei 36% pro Embryotransfer. Eine 40-jährige Patientin hat mit einer Schwangerschaftsrate von 25% pro Embryotransfer zu rechnen.
  • Die altersabhängige Reduktion zeigt sich insbesondere auch bei den Geburtenraten, die bei einer 35-jäh- rigen Patientin bei 27% liegen, bei einer 40-jährigen Patientin bei 15% und bei einer 44-jährigen Patientin lediglich bei 3,2% pro Embryotransfer.
  • Insgesamt ist die Anzahl der Embryonen pro Transfer rückläufig. Im Jahre 2016 lag sie bei 1,88 Embryonen im Schnitt. Die Schwangerschaftsrate ist nicht niedriger, wenn 2 statt 3 Embryonen transferiert werden.
  • Im gleichen Maß, wie die Eizellqualität abnimmt, steigt die Fehlgeburtenrate altersabhängig an. Insbesondere ab dem 40. Geburtstag enden über 32% der Schwangerschaften in einer Fehlgeburt, ab dem 44. Geburts-tag sogar mehr als die Hälfte.
  • Das Durchschnittsalter der Frauen, die in Deutschland eine extrakorporale Befruchtung durchführen lassen, ist noch einmal leicht gestiegen und liegt im Jahre 2016 bei 35,5 Jahren (2015: 35,2 Jahre).
  • Das Durchschnittsalter der Männer hat sich von 2015 auf 2016 nicht verändert und liegt stabil bei 38,7 Jahren.
  • Auch im internationalen Vergleich ist die Kinderwunschbehandlung in Deutschland sehr erfolgreich. Die Herausforderung liegt in einer Absenkung der transferierten Embryonen im Rahmen des Embryonenschutz- gesetzes und des Deutschen Mittelweges, um den Anteil der Mehrlinge zu reduzieren.
    Siehe auch Schwerpunktthema Seite 15 und Assistierte Reproduktionsmedizin in Deutschland und Europa Seite 18.
  • Komplikationen sind sehr selten, eine schwere Überstimulation tritt in 0,2 % der Fälle auf.
  • Die Kinderlosenquote des Jahrgangs 1967, also derjenigen, die mittlerweile 50 Jahre alt sind, liegt in Deutsch- land bei 20,8%. Das durchschnittliche Alter der Mutter beim ersten Kind lag 2015 bei 29,5 Jahren. Die end- gültige Kinderlosenquote in Deutschland ist in den letzten Jahren nicht weiter angestiegen. Zuvor hatte sie kontinuierlich zugenommen und sich von 11% bei den 1937 geborenen Frauen auf 21% beim Jahrgang 1967 nahezu verdoppelt (Quelle Destatis 2015).
  • In diesen Bundesländern werden Kinderwunschpaare zusätzlich vom jeweiligen Bundesland und nochmals
    in gleicher Höhe vom Bund finanziell unterstützt: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Niedersachsen und Berlin. Folgende Bundesländer bereiten solche Förderprogramme gerade vor: Hessen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen.
    *) Vergleichsquelle Destatis 2015: 737.575 lebend geborene Kinder

Was ist wichtig für die Patientenpaare?

  • die Beratung und Aufklärung über alle Möglichkeiten der modernen Fortpflanzungsmedizin,
  • die Folgen des Alters auf die Entwicklung der natürlichen Fruchtbarkeit zu kennen,
  • zu wissen, welche Therapiemöglichkeiten es in Deutschland gibt, aber vor allem
  • sich als Paar gegenseitig zu unterstützen und nicht zu schnell aufzugeben.

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