Kuhmilchallergie – Auslöser, Symptome, Diagnose und Behandlung


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In manchen Fällen können Milchprodukte das Gegenteil von gesund sein *

Etwa zwei bis drei Prozent der Bevölkerung leiden unter der sogenannten Kuhmilchallergie, auch Milcheiweißallergie genannt. Am häufigsten Betroffen sind Babys und Kleinkinder unter drei Jahren, bei Erwachsenen tritt sie kaum auf. Besteht der Verdacht auf eine Kuhmilchallergie, empfiehlt es zunächst, für die nächsten zwei bis vier Wochen ein Ernährungstagebuch zu führen, um den Übeltäter zu isolieren. Auf diese Weise kann ein Arzt besser beurteilen, inwiefern eine solche Allergie in Betracht kommt, um weitere Maßnahmen treffen zu können.

Und Achtung: Obwohl es ca. 20.000 neue Fälle jeder Jahr in Deutschland gibt, ist diese Allergie kaum bekannt und wird vielfach mit einer Laktoseintoleranz verwechselt. Das bedeutet auch, dass bis zu 90 Prozent aller Fälle nicht oder nicht richtig diagnostiziert werden.

Was ist eine Kuhmilchallergie?

Bei einer Kuhmilchallergie (KMA) verursacht das Eiweiß in der Kuhmilch allergische Reaktionen wie Nesselsucht, Bauchschmerzen, Müdigkeit, Asthma oder auch Durchfall. Die Betroffenen reagieren ebenfalls allergisch auf die Milch anderer Säugetiere wie Stuten oder Ziegen. In diesem Fall handelt es sich um eine Überreaktion des körpereigenen Immunsystems und richtet sich gegen eigentlich harmlose Stoffe, die vom Immunsystem allerdings als Gefahr eingeschätzt und bekämpft werden. Die betroffene Person ist gegen diese besonderen Stoffe (Allergene) sensibilisiert. Je früher ein Baby oder Kleinkind mit Kuhmilch gefüttert wird, desto größer ist die Gefahr einer auftretenden Kuhmilchallergie, da der Darm bei Neugeborenen noch besonders durchlässig und empfindlich ist. In den meisten Fällen verschwinden diese Allergien wieder, bevor das Kind das dritte Lebensjahr erreicht.

Symptome und Behandlung

Der Verlauf der Kuhmilchallergie kann in zwei Typen aufgeteilt werden: den Soforttyp (Typ I) und den Spättyp (Typ IV). Wie der Name bereits verrät, zeigen diese beiden Typen die Geschwindigkeit auf, in der die Symptome im Anschluss an den Verzehr auftreten. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um den Soforttyp.

Im Falle des Soforttyps geht man von Atembeschwerden, Kehlkopfschwellungen, Husten, Nesselsucht, Juckreiz, Schwellungen im Mundraum, Übelkeit bzw. Durchfall und in seltenen, sehr schweren Fällen, auch von einem anaphylaktischen Schock aus, die innerhalb von zwei Stunden auftreten.

Anders verhält es sich beim sogenannten Spättyp. Hierbei kann es mehr als zwei Stunden, bis hin zu Tagen dauern, bis die Symptome in Form von Neurodermitis, Verstopfung, chronischem Husten, asthmaähnlichen Anfällen oder auch Entzündungen der Speiseröhre oder des Darms auftreten können.

Die Diagnose einer Kuhmilchallergie obliegt idealerweise einem Kinderarzt mit der Spezialisierung auf Allergien. Dieser wird wahrscheinlich zuallererst eine 14 – 28 tägige kuhmilchfreie Ernährung empfehlen um andere Ursachen auszuschließen. Im Anschluss wird anhand eines Pricktests bzw. einer Antikörperbestimmung ermittelt, inwiefern es sich wirklich um eine Kuhmilchallergie handelt. Beim sogenannten Pricktest wird die oberste Hautschicht leicht angeritzt und anschließend die Allergen – Lösung mit den Auslösern der Kuhmilchallergie auf die entsprechenden Stellen aufgetragen. Nach 5 – 60 Minuten wird eine eventuelle allergische Reaktion erkennbar. Bestätigt wird die Diagnose noch durch einen direkten Provokationstest, bei dem die Kuhmilch unter ärztlicher Aufsicht vom Patienten eingenommen wird.

Da die Allergie in den meisten Fällen vor dem dritten Lebensjahr wieder verschwindet, ist es sinnvoll, die kinderärztlichen Tests im Zeitabstand von einem bis zwei Jahren erneut durchzuführen. Wird der Verdacht auf eine Kuhmilchallergie bestätigt, besteht die beste Behandlung darin, auf Milchprodukte völlig zu verzichten. Werden dem Körper keine der enthaltenen Eiweiße zugeführt, entfallen in der Regel auch die Symptome. Im akuten Fall ist eine medikamentöse Behandlung mit Antihistaminika wie zum Beispiel Cetirizin möglich.

Welche Lebensmittel sollte ein Allergiker meiden, bzw. worauf ist zu achten?

Bei einem Säugling ist Stillen, möglichst die ersten 6 Monate, das beste Mittel gegen Allergien. Als Alternative kann mit hypoallergener Säuglingsmilch gefüttert werden. Die Wohnung sollte unbedingt rauchfrei gehalten werden, um eine Allergie nicht zu begünstigen. Auch Katzen in der Nähe können einen Auslöser für Allergien darstellen. Es sollte außerdem vermieden werden, Kuhmilch zu früh in den Ernährungsplan aufzunehmen. Im Zweifelsfall wird erhitzte Milch in Backprodukten eher vertragen und begünstigt dadurch zusätzlich die Stärkung gegen Kuhmilchproteine.

In jedem Fall sollten Betroffene von Kuhmilchallergien neben Milcheiweiß, Molke, Kasein und tierischem Eiweiß auch Milchprodukte wie Kondens- und Buttermilch, Joghurt, Quark, Roh- und Magermilch, Käse und auch Voll- bzw. H-Milch meiden.

Risiko und Vorbelastung

Generell ist es besser, einmal mehr den Kinderarzt aufzusuchen, um sich Rat zu holen, da Symptome wie die der Kuhmilchallergie nicht immer sofort einwandfrei festzustellen sind. Häufig gehören dazu die Beschwerden, die gerade bei Neugeborenen nicht unüblich sind, wie Blähungen, Dreimonatskoliken oder auch vermehrter Milchschorf. Auch vollgestillte Kinder sind nicht immer vor Allergien gefeit, da sie unter Umständen auf die Eiweiße in der Muttermilch reagieren. Allerdings ist das Risiko, an einer Kuhmilchallergie zu erkranken, in den Fällen höher, in denen die Eltern oder Geschwister bereits an einer solchen Allergie leiden. Vor allem Kinder, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht haben, sind einem hohen Allergierisiko ausgesetzt. Eine rauchfreie Umgebung sollte in jedem Fall Grundvoraussetzung sein, um die Gesundheit des Kindes sicherzustellen.

Aktuelles Inhaltsverzeichnis - Nahrungsmittelintoleranzen von A bis Z

 

Diese Übersichtsseite gibt erste Informationen und Grundlagen zum Thema Nahrungsmittelintoleranz / Lebensmittelintoleranz. Sie erläutert die Symptome, die Ursachen, stellt die vornehmlichen Verursacher, die Diagnosemöglichkeiten und Therapie dar ..... mehr dazu in diesem Bericht

 

  • Erdnuss-Allergie

Sind bereits Kinder von einer Nuss-Allergie betroffen, ist das Allergen der Erdnuss der Übeltäter, im Gegensatz von Allergien, die im Erwachsenenalter auftreten und auf die Baumnuss zurückzuführen sind. Siehe dazu das Kapitel "Was tun, wenn die Nuss-Allergie bereits im Kindesalter auftritt?" in unserem Beitrag über die Nuss-Allergie.

 

Fast alle Obstsorten und Gemüsesorten enthalten Fruchtzucker, die sogenannte Fruktose. Der Fruchtzucker wird im Normalfall vom Dünndarm aufgenommen und weitergeleitet. Wenn diese Aufnahme gestört oder blockiert ist (durch eine Fehlfunktion des für den Fruchtzuckertransport zuständigen Proteins GLUT-5), wird der Fruchtzucker weiter in den Dickdarm geleitet und verursacht dort Schmerzen, Blähungen und Durchfall. In westlichen Ländern liegt der Anteil der von Fruchtzuckerunverträglichkeit betroffenen Personen bei 30%! ... mehr dazu in diesem Bericht

 

Histamine sind biogene Amine, die bei wichtigen Körperfunktionen wie Regulierung des Bludrucks, Produktion von Magensäure, oder den Darmbewegungen eine Rolle spielen. Überschüssige oder verbrauchte Histamine werden mit Hilfe eines bestimmten Enzyms (Diamonioxidase (DAO)) abgebaut. Bei einer Histaminunverträglichkeit liegt im Körper ein Missverhältnis zwischen Aufnahme und Abbau der Histamine vor. ... mehr dazu in diesem Bericht

 

  • Hühnerei-Allergie

Eine Hühnereiunverträglichkeit ist bei Jugendlichen und Erwachsenen eher selten, häufiger bei Säuglingen und Kleinkinder bis zum 2. oder 3. Lebensjahr. Die Proteine des Hühnereis (sowohl im Eigelb als auch im Eiweiß, wenn auch in jeweils unterschiedlichen Anteilen) wirken hier allergen.

 

Kuhmilch ist in der Regel nach der Muttermilch ein Hauptbestandteil der ersten Zufütterung. Und somit ist Kuhmilch auch das erste Fremdeiweiß, mit dem der Körper in Berührung kommt. Von daher sind besonders Säuglinge und Kleinkinder betroffen - jedoch mit einer guten Chance, dass sie die Kuhmilchunverträglichkeit mit den Jahren verflüchtigt. Aber: Milch und Milchprodukte gehören vor diesem Hintergrund zu den allergenträchtigsten Nahrungsmitteln. ..... mehr dazu in diesem Bericht

 

Bei der Laktoseintoleranz handelt sich um eine allergene Reaktion auf den Milchzucker. Mit dem umgangssprachlichen Milchzucker ist die Laktose bzw. noch genauer: es sind die Kohlehydrate in der Milch gemeint. Durch das Verdauuungsenzym Laktase werden die Kohlehydrate zunächst aufgspaltet, denn dann erst können sie über die Darmschleimhaut aufgenommen werden. Erfolgt dieser Vorgang nur mangelhaft oder gar nicht vergären die Kohlehydrate im Darm mit den unangenehmen Folgen von Völlegefühl, Krämpfen und Blähungen. ..... mehr dazu in diesem Bericht

 

Nüsse sind eigentlich "gut": durch ihren hohen Gehalt an Eiweiß, Vitaminen, Mineral- und Ballaststoffen (Eisen, Kalium, Magnesium, Phosphor) unterstützen sie zum Beispiel die Nervenfunktionen oder helfen durch ihren hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren dabei, den Cholesterinwert natürlich zu senken. Aber: die Nuss-Allergie gehört gleichzeitig zu den häufigeren Nahrungsmittelintoleranzen, vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen in Verbindung mit einer Pollenallergie (Kreuzallergie). ..... mehr dazu in diesem Bericht

 

Soja (Sojaeiweiß) kann in Lezithin, Emulgatoren, Bindemitteln, pflanzlichem Eiweiß und Fett, Stabilisatoren etc. enthalten sein. Sie werden häufig in der nahrungsmittelherstellenden Industrie und in der Lebensmitteltechnik sowie zunehmend als Fleischersatz eingesetzt - und kommen somit vor allem als verstecke Allergene in Nahrungsmitteln vor. Die Sojabohne ist weltweit als Grundnahrungsmittel die wichtigste Hülsenfrucht und ist ein recht preiswert zu erzeugender Nährstoff. Somit steigt die Sojaverwendung stetig an. ..... mehr dazu in diesem Bericht

 

  • Sorbitunverträglichkeit

In vielen industriell hergestellten Lebensmitteln wird Sorbit eingesetzt. Sorbit dient als Zuckerersatzstoff und ist als Lebensmittelzusatzstoff E 420 gekennzeichnet. Sorbit steht somit bei Lebensmitteln für Diabetiker und vor allem bei den Diät-, den "Light"- und den "Zuckerfrei"-Lebensmitteln ganz hoch im Kurs! Ebenso ist Sorbit in manchen Obstsorten (Aprikosen, Pflaumen, Pfirsichen) enthalten. Bei Menschen, die an einer Sorbitunverträglichkeit / Sorbit-Intoleranz leiden, kann das Sorbit im Dünndarm nicht aufgenommen werden.

 

  • Weizen-Allergie

Eine Weizen-Allergie wird durch unterschiedliche Eiweißbestandteile im Weizen (Albumin, Globulin, Klebereiweiß) ausgelöst. Vor allem im Bäckerhandwerk ist die Weizen-Allergie weit verbreitet, denn der umfangreiche dortige Einsatz von Weizenmehl wirkt durch Einatmen bereits allergen - deshalb wird bei der Weizen-Allergie auch von einem "Bäckerasthma" gesprochen.

 

Die Zöliakie oder Glutenunverträglichkeit führt zu einer fortwährenden, chronischen Entzündung der Dünndarmschleimhaut und beeinträchtigt somit die eigentliche Funktion des Dünndarms. Zu den glutenhaltigen Getreidesorten gehören: Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Grünkern, Dinkel und verwandte Getreidearten und Urkornarten wie Kamut oder Einkorn sowie alle daraus hergestellten Produkte (Brot, Brötchen, Gebäck, Kuchen etc.) ..... mehr dazu in diesem Bericht

* Bildquelle: Dmytro Sukharevskyy / fotolia.com

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