Ein schmaler Grat: Sucht erkennen und damit umgehen


Sucht erkennen und damit umgehen - apotheken-wissen.de

Suchtkranke befinden sich oft in einer Abwärtsspirale, aus der sie sich oft nur mit Hilfe befreien können. *

„Das kann gar nicht sein“ oder „uns passiert sowas nicht“, sind die Annahmen, die entweder gegenüber Dritten geäußert werden oder einem selbst durch den Kopf spuken, wenn es darum geht, zu erkennen, dass ein Angehöriger Suchtverhalten zeigt.

Suchtverhalten zu erkennen und damit umzugehen ist ein schmaler Grat, für den zu beschreiten es keine Pauschallösung gibt. Der erste Schritt auf dem Weg muss die Erkenntnis sein, doch woran lässt sich Suchtverhalten eigentlich erkennen?

Die Indizien und Begleiterscheinungen sind häufig nur vage

Kaum ein Süchtiger hängt sich eine Schiefertafel um den Hals, auf der steht: „Ich bin süchtig.“ Stattdessen kann eine Sucht bereits sehr lange vorliegen, bevor Angehörige Indizien auf eine Suchterkrankung wahrnehmen und reagieren können.

Mögliche Indizien für eine Suchterkrankung könnten diese sein:

  • Das Verhalten des vermutlich Suchtkranken verändert sich drastisch. Einstige Interessen werden vernachlässigt. Häufig lässt sich das „alte Leben“ auch nicht aufrechterhalten – zu sehr wird das Leben durch die Sucht und von den Entzugserscheinungen bestimmt. Ein Rückzug aus dem gewohnten sozialen Lebensumfeld ist typisch – einerseits um nicht enttarnt zu werden, andererseits, weil die Droge ein normales Leben buchstäblich zu Nichte macht.
  • Der Wunsch nach einem Suchtmittel wird zwanghaft. Die Menge, die konsumiert wird, ist ebenso unkontrollierbar wie die Konsumdauer. Anstatt die Kontrolle zurückzuerlangen, bildet der Körper eine sogenannte Toleranz aus: Da sich der Körper an die Droge gewöhnt, steigert sich das Verlangen oder vielmehr das Maß, in dem die Droge konsumiert wird.
  • Der Kontrollverlust kann sich auch als Folgeverhalten darstellen, beispielsweise dann, wenn ein Alkoholkranker betrunken ist und in diesem Zustand nicht mehr weiß, was er tut. Ein pathologischer Spieler beispielsweise würde ohne Ende weiterzocken – auch wenn längst kein Geld mehr dafür da ist.

Negative Randerscheinungen werden in Kauf genommen. Das können bei jungen Menschen schlechte Noten in der Schule sein und bei Erwachsenen der Verlust des Arbeitsplatzes. Auch direkte Folgen des Konsums eines Suchtmittels sind für Suchtkranke häufig irrelevant. So gibt es Raucher, die trotz oder gar mit Raucherbein rauchen und Alkoholiker, die trotz Leberzirrhose weitertrinken.

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Zuzusehen, wie ein geliebter Mensch immer weiter in die Sucht rutscht, ist für Angehörige nur schwerlich auszuhalten. Dennoch ist es der falsche Weg, den Suchtkranken die Verantwortung für ihr eigenes Leben abzunehmen. Wichtig sind Hilfe und Unterstützung. **

Darüber hinaus könnten psychische und körperliche Indizien auf eine Suchterkrankung hinweisen. Konzentrationsstörungen, Ungepflegtheit, Schlafstörungen, Unruhe, Händezittern und häufige Schweißausbrüche könnten ein Anzeichen für eine Suchterkrankung sein, könnten aber auch schwerwiegende psychische Probleme deutlich machen.

Von der Idee zur Hilfestellung

Der Weg von der Annahme, dass ein Angehöriger süchtig ist bis hin zu konkreten Hilfsmaßnahmen, die dem Betroffenen den Weg aus der Sucht zeigen können, ist schmal und steinig.

Diejenigen, die eben diesen steinigen Weg beschreiten wollen, brauchen viel Durchhaltevermögen und Kraft, um diesen Weg zu verfolgen. Auch wenn ihre Hilfestellung für gesunde Menschen verständlich erscheint, so können Appelle, Bitten und Drohungen oftmals buchstäblich verhallen. Als „Helfender“ werden viele als Bedrohung oder gar als Feind wahrgenommen. In der Welt des Suchtkranken möchten die Helfenden schließlich genau an der Stelle anpacken, an der ein Suchtmittel die Suchterkrankung ausgelöst hat. Für den Kranken selbst ist das Suchtmittel hingegen längst zum Lebensbestandteil wenn nicht gar Lebensmittelpunkt geworden.

Das Resultat sind Enttäuschungen, (falsche) Versprechungen und Kränkungen, wenn das Suchtmittel Wirkung zeigt, das Wesen verändert und die Wahrnehmung schmälert. Viele Angehörige kommen langfristig betrachtet an ihre Grenzen, verlieren die Hoffnung und lähmen ihr Verhalten damit selbst.

Der bessere Weg im Umgang mit Suchtkranken ist hingegen ein Anderer:

  • Selbsthilfegruppen gibt es nicht nur für Suchtkranke, sondern auch für deren Angehörige. Eben dort gibt es wie im Suchtportal auch versierte Tipps und Ratschläge im Umgang mit Suchtkranken. Darüber hinaus wird das Gefühl gestärkt, nicht allein auf weiter Flur mit der Herausforderung zu sein, dass ein Angehöriger erkrankt ist.
  • Wer als Angehöriger aufhört, das Suchtverhalten zu verheimlichen und (oft fernab jeglicher Vernunft) dem Angehörigen eine falschverstandene Hilfestellung zu leisten, ist dem Betroffenen wirklich eine Hilfe. Schuldgefühle sind nicht hilfreich. Auch die Abkehr vom eigenen Leben macht nur wenig Sinn, sonst schliddern betroffene schnell in eine Art Co-Abhängigkeit.

Sinn und Zweck jeglicher Form von Hilfe muss es sein, dem Suchtkranken die Verantwortung für sein Leben wieder näher zu bringen.

Es geht nicht darum, Verantwortung abzunehmen und Hilfe „überzustülpen“, stattdessen geht es darum, eine Anleitung zu geben, wie der Suchtkranke – durch Profis der Materie und einen entsprechend Entzug wieder zu sich selbst zurückfindet und die Kontrolle über sein Leben zurückerlangt.

Das Thema Sucht ist keine unbekannte Größe

Allein auf weiter Flur muss sich hingegen kein Angehöriger fühlen, denn: Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) verfolgt mehrere Programme und Aktivitäten rund um die Suchtprävention. Dabei geht es vornehmlich um eine Präventivleistung, die verhindern soll, dass Menschen süchtig werden.

* Bildquelle: pixabay.com © Free-Photos (CC0 Public Domain)
** Bildquelle: unsplash.com © Youssef naddam (CC0 Public Domain
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