Vom Assistenzarzt bis zum Ärztlichen Direktor: Die Hierarchie in Krankenhäusern


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Ärzte-Teams und Hierarchien in Krankenhäusern, auch für Patienten wichtig zu wissen *

Wer ein Krankenhaus von außen betrachtet, wird kaum erkennen, dass es sich auch bei diesen Institutionen um Unternehmen mit einer klaren Hierarchie handelt. Umso interessanter ist es, einmal den Vorhang zu lüften und genauer nachzusehen. Wenngleich ein allgemeingültiger Standard für Klinik-Hierarchien in Deutschland fehlt, zeigt sich dennoch ein grundsätzlicher Rahmen. Zusätzlich zu den hier gezeigten Positionen kann es also noch weitere geben. Ein Ausflug in die Rangordnung von oben nach unten:

Ärztlicher Direktor: Die höchste Position

Um ärztlicher Direktor werden zu können, muss ein Arzt zunächst als Chefarzt tätig gewesen sein. Der Aufstieg folgt meist nach einiger Berufserfahrung und ist in vielen Häusern an die Reputation des Arztes geknüpft. Die Aufgabe des ärztlichen Direktors ist groß und verantwortungsvoll. Er nämlich leitet das gesamte Haus und ist dabei vorrangig mit dem Management beschäftigt. Ärztliche Direktoren befassen sich folglich mit Aspekten wie

  • der Personalführung,
  • der Planung des Personals,
  • Mitarbeiterschulungen,
  • Bewerbungsprozessen
  • und wirtschaftlichen Entscheidungen.

Da Ärzte in dieser Position nicht immer ausreichend wirtschaftliches Know-how mitbringen, arbeiten sie für gewöhnlich im Team mit einem Geschäftsführer. Beide teilen sich dann das Aufgabenfeld, wobei sich der ärztliche Direktor verstärkt auf Medizin und Personal konzentriert. Er ist beispielsweise der Entscheider, wenn es um neue Arbeitskräfte und deren Aufnahme in die Klinik geht.

Im Schnitt verdient ein ärztlicher Direktor etwa 149.000 Euro jährlich. Somit liegt sein Gehalt bisweilen unter dem des Chefarztes. Wie genau sich das Einkommen gestaltet, ist jedoch stark von der Art der Einrichtung und ihrer Größe abhängig.

Chefarzt: Viel Verantwortung, hohes Gehalt

Der Chefarzt ist in der Hierarchie lediglich dem ärztlichen Direktor unterstellt. Aus diesem Grund beschäftigt auch er sich bereits mit einigen leitenden Funktionen und muss sich im Hinblick auf administrative Aufgaben weiterbilden. Als Führungskraft und Manager trägt der Chefarzt Sorge für die fachliche Leitung der Ärzteschaft und ist daher Dreh- und Angelpunkt, wenn es um personelle, medizinische und verwalterische Aspekte geht. Medizinische Tätigkeiten nehmen in seinem Arbeitsalltag nur noch etwa 30 Prozent der gesamten Zeit ein.

Die hohe Verantwortung schlägt sich auch im Gehalt des Chefarztes nieder. Er verdient durchschnittlich 285.000 Euro pro Jahr. Diese Position zu erlangen, ist allerdings schwer und wer es einmal geschafft hat, muss mit vielen Arbeitsstunden und unbezahlten Überstunden rechnen.

Leitender Oberarzt: Fast schon ganz oben

Aus einem Oberarzt kann im Laufe der Karriere ein leitender Oberarzt werden.

Er ist als Vertreter des Chefarztes eine wichtige Person innerhalb der Hierarchie und befasst sich sowohl mit medizinischen als auch mit administrativen Aufgaben. Zur Entlastung des Chefarztes übernimmt der leitende Oberarzt zeitweilig dessen Tätigkeiten. Heutzutage sind deshalb auch leitende Oberärzte gefragt, was den Umgang mit Digitalisierung im Gesundheitswesen betrifft. Das kann zur Doppelbelastung werden und ist zweifellos für jene Mediziner der richtige Schritt, die sich viel Verantwortung wünschen und bereit sind, hart dafür zu arbeiten.

Ein leitender Oberarzt verdient laut praktischArzt etwa 108.000 Euro jährlich. Festgelegt wird das im Rahmen von Tarif- und Entgeltgruppen. Hinzu kommen in aller Regel weitere Zulagen, die sich von Klinik zu Klinik unterscheiden können.

Oberarzt: Führungskompetenz ist gefragt

Eine ebenfalls leitende Funktion nimmt der Oberarzt in einer Klinik ein. Er ist stets ein Facharzt und widmet sich in seinem Fachbereich Aufgaben rund um dessen Führung. Somit befindet sich der Oberarzt in der Hierarchie zwischen den Fach- und Chefärzten, wobei ihm auch die Assistenzärzte unterstellt sind. Die Position des Oberarztes steht für viele Mediziner nach Jahren gesammelter Berufserfahrung an. Fachärzte, die den Arbeitgeber wechseln, tun dies häufig im Hinblick auf einen möglichen Aufstieg. In der Klinik sind Oberärzte unter anderem für

  • Visiten,
  • anspruchsvolle Behandlungen,
  • die Ausbildung der Assistenzärzte,
  • wirtschaftliche Planungstätigkeiten
  • und die Kontrolle medizinischer sowie hygienischer Abläufe zuständig.

Ein Oberarzt verdient im Schnitt etwa 131.000 Euro pro Jahr. Aspekte wie Betriebszugehörigkeit, Fachbereich und Größe sowie Standort der Einrichtung können jedoch für erheblich höhere Einkommen sorgen.

Facharzt: Nur mit Spezialisierung

Die Weiterbildung zum Facharzt steht schon während der Assistenzarzt-Karriere an. Nur mit ihrem Abschluss ist es den Medizinern möglich, im Betrieb weiter aufzusteigen. Fachärzte sind, wie es die Bezeichnung bereits verrät, Spezialisten auf ihrem individuellen Fachgebiet. Sie tragen in der Klinik Sorge für die korrekte Behandlung und Versorgung von Patienten, deren Indikation in ihren Fachbereich fällt. Folglich gibt es in den Abteilungen eines Krankenhauses nicht nur einen Facharzt, sondern gleich mehrere, die sich gegenseitig ergänzen.

Das durchschnittliche Gehalt eines Facharztes liegt bei rund 84.000 Euro jährlich. Doch auch hier sind deutliche Schwankungen möglich, die sich in Abhängigkeit vom persönlichen Fachgebiet und den sonstigen Einflussfaktoren zeigen.

Assistenzarzt: Die Einstiegsposition

Die erste Station nach Medizinstudium und Approbation ist die Position des Assistenzarztes. Hier können sich die jungen Ärzte zunächst für eine Fachrichtung entscheiden und sich im Rahmen der damit verbundenen Aspekte ausbilden lassen. Sobald der Assistenzarzt seine Ausbildung abgeschlossen hat, wird er zum Facharzt. Das wiederum dauert mehrere Jahre, in denen Mediziner besonders viel lernen. Theoretisch ist es auch möglich, als Facharzt eine eigene Praxis zu eröffnen und den Weg in die Selbständigkeit zu wagen. Laut Bundesärztekammer wird das immer nötiger, um dem Ärztemangel in der Bundesrepublik zu begegnen.

Mit durchschnittlich 76.000 Euro jährlich verdienen Assistenzärzte in der Hierarchie am schlechtesten. Das Einstiegsgehalt variiert dabei je nach Tarifvertrag, wobei kommunale Krankenhäuser weniger zahlen als Unikliniken oder private Einrichtungen.

* Bildquelle: © FotolEdhar – Fotolia.com

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