Katheterablation bei Herzrhythmusstörungen


Bei anhaltenden Herzrhythmusstörungen ist die Katheterablation oft die Lösung *

Das menschliche Herz ist ca. 300 Gramm schwer und umfangreiches Transportsystem ein wahres Wunderwerk bekannt, da es unermüdlich das Blut durch den Körper pumpt und im Idealfall keine Sekunde stillsteht. Es kennt keine Pause und schlägt normalerweise in einem gleichmäßigen Rhythmus, der je nach Lage und Belastung mal schneller und mal langsamer werden kann, sich jedoch ansonsten nicht ändert. Doch was ist, wenn dieses präzise Uhrwerk doch einmal aus dem Rhythmus kommt und wesentlich schneller schlägt als es sein sollte?

Herzrhythmusstörungen und Katheterablation allgemein

Herzrhythmusstörungen können vielerlei Ursachen und Auswirkungen haben und sind dabei teilweise nicht nur sehr unangenehm, sondern können auch lebensgefährlich sein. Im Normalfall wird zuallererst versucht diese Störungen mit Medikamenten in den Griff zu bekommen, gelingt dies jedoch nicht und halten die Beschwerden an, kann eine sogenannte Katheterablation die Lösung bringen. Dieses Verfahren wird seit den 80er Jahren angewandt. Seitdem hat die Technik stetig Fortschritte gemacht so dass ein solcher Eingriff heutzutage zahlreich und routiniert durchgeführt wird und die betroffenen Patienten in den meisten Fällen dauerhaft von den Beschwerden befreit werden können.

Was sind Herzrhythmusstörungen und welche Arten gibt es?

Im Durchschnitt beträgt die Herzfrequenz bei einem gesunden Menschen 60 bis 100 Schläge pro Minute, dies kann jedoch variieren. Beispielsweise liegt der Puls bei Sportlern oft unter 60 Schlägen, wohingegen bei Babys eine höhere Pulsfrequenz normal ist. Liegt der Puls jedoch außerhalb dieser Ausnahmen bei über 100 Schlägen pro Minute spricht man von einer sogenannten Tachykardie, ein Puls von unter 60 bei normal trainierten Menschen wird dagegen als Bradydardie bezeichnet.

Schlägt das Herz dagegen unregelmäßig ist dies unter dem Begriff Arrhythmie bekannt, plötzlich auftretende Extraschläge werden entsprechend als Extrasystolen bezeichnet. Die Katheterablation kommt bei solchen Formen der Herzrhythmusstörung zum Einsatz, bei denen die Herzfrequenz durch verschiedene Ursachen extrem gesteigert wird. Man spricht in diesen Fällen von Herzrasen. Dieser Eingriff wird minimal invasiv durchgeführt – die Verödung der ursächlichen Punkte zur Beseitigung der Ursachen für die verschiedenen Tachykardien verursacht dementsprechend nur eine minimale Narbenbildung.

Welche Ursachen für das Herzrasen gibt es?

Generell liegt die Ursache für Herzrasen darin, dass sich die normale Herzfrequenz durch verschiedene Formen von elektrischen Impulsen bzw. durch eine Störung dieser Impulse verändert. Dieses kann in folgenden Formen auftreten, bei denen die Ablation zum Tragen kommt:

  • Das sogenannte Wolff-Parkinson-White-Syndrom (WPW-Syndrom), bei dem eine angeborene Leitungsbahn einen Kurzschluss zwischen den Vorhöfen und Kammern auslöst.
  • Die AV-Knoten-Reentry-Tachykardie, bei der eine überzählige, langsamere Leitungsbahn dafür sorgt, dass die elektrischen Impulse im AV-Knoten kreisen und somit das Herzrasen auslösen.
  • Vorhofflattern, bei dem eine kreisförmige Erregung im rechten Vorhof des Herzens stattfindet.
  • Vorhofflimmern, dessen Ursachen in elektrischen Impulsen liegen, die aus den Lungenvenen heraus stattfinden.

All diese Formen der Tachykardie können durch die Katheterablation behandelt werden. Die Heilungschancen liegen hier je nach Form des Auslösers zwischen 70 und 95 Prozent, die einzige Ausnahme besteht bei einem chronischem Vorhofflimmern: hier liegt die Erfolgschance bei etwas über 50 Prozent. In diesem Fall sollte die Ablation daher nur als letzter Ausweg in Betracht gezogen werden.

Wie läuft ein solcher Eingriff ab?

Die Katheterablation wird im Normalfall unter Vollnarkose durchgeführt. Hierbei wird eine Hohlvene im Leistenbereich punktiert, durch die der Arzt zwei bis sechs Elektrodenkatheter bis in den rechten Vorhof des Herzens vorschiebt. Im Fall, dass die Ursachen der zu behandelnden Herzrhythmusstörung nicht in der rechten, sondern in der linken Herzhälfte liegen, muss hierbei zusätzlich die Wand zwischen den beiden Vorhöfen durchstochen werden.

Mithilfe von Röntgenaufnahmen sowie einem speziellen Navigationsgerät wird nun die betreffende Stelle ermittelt, an der die Ursache für die Beschwerden liegt. Unter Zuhilfenahme eines speziellen Ablationskatheters, dessen Katheterspitze starke Hitze an das Gewebe aussendet, wird der betreffende Punkt durch einen kurzen Hochfrequenzstrom verödet. Hierdurch soll die Leitung falscher Impulse verhindert und dafür gesorgt werden, dass das Herz von nun an wieder regelmäßig schlägt und damit die entsprechenden Beschwerden zukünftig ausbleiben. Im Anschluss an die eigentliche Prozedur wird geprüft, ob die betreffenden Herzrhythmusstörungen noch ausgelöst werden. Ist dies nicht der Fall, werden die Katheter entfernt und die punktierte Stelle an der Leiste durch einen Druckverband fixiert.

Regeneration und Heilung

Nach dem Eingriff ist es wichtig, dass der Patient erst einmal 4-6 Stunden ruhig liegt, bis der Druckverband gelöst werden kann. Zur Überwachung werden zusätzlich noch ein EKG sowie ein Ultraschall durchgeführt, um eventuelle Komplikationen wie einen Perikarderguss (Ansammlung von Flüssigkeit im Herzbeutel) auszuschließen. Es folgt im Normalfall ein 24- bis 48stündiger Krankenhausaufenthalt zur Beobachtung. Hiernach sollten körperliche Anstrengungen noch für einige Tage vermieden werden. In der Regel ist der Patient schnell wieder einsatzfähig, sollte lediglich noch darauf achten, dass die Punktionswunde gut verheilen kann.

Eine Einschränkung, an die sich die meisten Patienten erst gewöhnen müssen, ist ein Gefühl des „Rumpelns“, da die früher auslösenden Zwischenschläge des Herzens nach wie vor auftreten. Jedoch bleibt dabei das Auslösen des Herzrasens aus. Im Normalfall kann davon ausgegangen werden, dass die Beschwerden nach einer Ablation dauerhaft ausbleiben. In Ausnahmen kann es allerdings vorkommen, dass sich die verödeten Leitungsbahnen wieder soweit regenerieren, dass die Beschwerden erneut auftreten. In diesen Fällen muss der Vorgang noch einmal wiederholt werden.

* Bildquelle: Buecherwurm_65 / Pixabay.com

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