Bandscheibenvorfall konservativ behandeln – Teil 1


apotheken-wissen.de: Bandscheibenvorfall konservativ behandeln

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Eine Bandscheibenvorfall-Behandlung, die den Bandscheibenvorfall konservativ – also ohne eine Operation –  behandelt und heilt? Der Kosmonaut Sergei Krikaljow befand sich 1991/1992 insgesamt 311 Tage in der Raumstation Mir. Nach seiner Landung auf der Erde wurde bei medizinischen Tests festgestellt, dass er ca. 10 cm größer war, als bei seinem Start in die Schwerelosigkeit. Die Fasern der Bandscheibe hatten eine andere Funktion und haben sich dementsprechend und selbstständig umgebaut, um statt der Druckbelastung auf der Erde nun der Zugbelastung der Schwerelosigkeit entgegenzuwirken. Seither weiß man, dass sich Bandscheiben so anpassen, wie sie benutzt werden.

Mit unserem Experten für Physiotherapie, Jens Weber, möchten wir auf dieser Erkenntnis aufsetzen und berichten, dass und wie ein Bandscheibenvorfall konservativ behandelt und vollständig geheilt werden kann.

Bandscheibenvorfall-Behandlung: Situation heute

Für die Therapie von Rückenproblemen hat die Erkenntnis, dass sich die Bandscheiben mit Blick auf ihre Belastung und ihre Funktion umbauen können, die Konsequenz: statt Ruhe und Stufenbettlagerung sollte Bewegung verordnet werden. Über 95 % aller Patienten mit Rückenproblematiken können sofort mit gezielten Übungen beginnen. Leider wird in Schule und Alltag versäumt, rückengerechtes Verhalten zu trainieren und so bleibt meist nur der (spätere) Weg in die Arztpraxis. Statt gezielt eine Heilung der geschädigten Struktur einzuleiten, können und werden viele Ärzte aufgrund gesetzlicher Bestimmungen nur noch auf standardisierte Behandlungsschemata zurückgreifen. Dabei ist es dann das vorrangige Ziel, den Schmerz zu beseitigen.

Hat ein Patient erst einmal das Stigma Rückenpatient zu sein, verfolgt ihn dies oft ein Leben lang. Bei jedem weiteren Arztbesuch taucht dann der Begriff LWS-Syndrom, Bandscheibenprotrusion oder ähnliches auf, auch wenn der akute Vorfall bereits 20 Jahre oder länger zurückliegt. Bei einem erlittenen Muskelfaserriss spricht nach einem Jahr keiner mehr darüber, da bekannt ist, dass dieser wieder vollständig und ohne eine spätere Beeinträchtigung ausheilt. Nach drei Wochen ist ein Muskel wieder leistungsfähig und die Gefahr, erneut zu reißen, ist so groß wie vor der Verletzung. Genauso verhält es sich bei einem Bandscheibenvorfall, nur dass dabei die Regenerationszeit bei einer geregelten Therapie 300 bis 500 Tage dauert.

Bandscheibenvorfall-Behandlung: der konservative Ansatz

Jahrzehntelange Erfahrungen in der Behandlung von Rückenproblematiken raten, die Patienten zu beruhigen, aufzuklären und zu gezielter Bewegung anzuleiten. Die volle Belastbarkeit wird nach etwa 300 bis 500 Tagen wieder hergestellt sein – die Rückenproblematik ist geheilt.

Trotz dieses Wissens hat ein Patient mit einer Diagnose Bandscheibenvorfall Probleme beim Wechsel von einer gesetzlichen Krankenkasse in eine Privatversicherung. Er wird diesen Wechsel nur mit hohen Aufschlägen oder dem Ausschluss einer Behandlung abschließen können.

Wann ist eine konservative Bandscheibenvorfall-Behandlung nicht möglich?

Für eine geregelte Therapie ist wichtig, ob bei einer Fehlbelastung durch eine „falsche Bewegung“ unmittelbar ein stechender Schmerz auftritt, der mit einer Bewegungseinschränkung einhergeht. Falls dazu auch ein Ausfall des Fußhebers innerhalb einer Stunde auftritt muss sofort ein Arzt aufgesucht werden, da es sich hier um ein mechanisches Problem handelt, welches unverzüglich beseitigt werden muss. Ein mechanisches Problem mit Lähmungserscheinungen des Fußhebers, der Blase oder des Mastdarms muss innerhalb von 72 Stunden beseitigt werden, sonst kann es zu einer dauerhaften Schädigung dieser Funktion führen. Glücklicherweise tritt ein solches von Lähmungserscheinungen begleitetes mechanisches Problem nur in weniger als 4 Prozent der akuten Bandscheibenvorfälle auf.

Auch knöcherne Einengungen des Wirbelkanals, Wirbelgleiten oder eine Stenose muss speziell abgeklärt und das weitere Vorgehen dann individuell gestaltet werden.

Bandscheibenvorfall: Ursprung und Ausgangslage

Alle anderen Rückenproblematiken sind durch gezieltes Training positiv zu beeinflussen. Tatsächlich entstehen sie durch einen schlechten Trainingszustand für das, was man machen möchte. Im Sport bezeichnet man dies als Superkompensation. Unser Körper passt sich innerhalb von vier Wochen dem an, was wir von ihm fordern.  Bei überwiegend sitzender Tätigkeit ist unser Körper optimal auf Sitzen eingestellt. Dank der hervorragenden Entwicklung der Büromöbel, die mit mehrfach prämierten Gütesiegeln werben und auf die Bandscheiben schonenden Eigenschaften hinweisen, passiert im Büro nichts – wir trainieren 8 bis 12 Stunden zu sitzen, lediglich kurz unterbrochen durch den Gang zur Pause oder zur Toilette. Auch der Nachhauseweg wird überwiegend sitzend gestaltet, ebenso wie der Feierabend häufig sitzend vor dem Fernseher verbracht wird.

Das körperliche Gleichgewicht ist hauptsächlich auf Sitzen ausgerichtet und befindet sich auf einem äußerst geringen Niveau. In diesem Zustand kann bereits eine kleine Unachtsamkeit oder eine ungewohnt heftige körperliche Bewegung eine schwerwiegende Schädigung des Bandscheibengewebes hervorrufen. Dies geschieht außerhalb des Arbeitsplatzes gerne bei Sport, Haus- oder Gartenarbeit und somit sind Rückenproblematiken keine Angelegenheiten der Berufsgenossenschaften. Denn: Die Berufsgenossenschaften übernehmen ja nur berufsbedingte Erkrankungen, auch wenn bspw. im Büro oftmals die Ursache liegt (aber eben nicht der akute Auslöser).

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Unser Experte zum Thema Physiotherapie: Jens Weber

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Themenexperte Physiotherapie: Jens Weber

Jens Weber, Jahrgang 1959, ist Leiter und Kopf der Praxis für Physiotherapie GmbH im Therapiehaus am Bunten Garten in Mönchengladbach. Sein Werdegang führte ihn von der Ausbildung in der Universitätsklinik Düsseldorf über die Physiotherapie in einer orthopädischen Fachpraxis und die therapeutische Leitung eines ambulanten Rehazentrums bis zur eigenen Praxis für Physiotherapie im Jahr 2003. Neben sportphysiotherapeutischen Betreuungen in der Handballbundesliga, der Deutschen Eishockeyliga und der Volleyballbundesliga sind vor allem folgende Fortbildungen hervorzuheben: Sportphysiotherapie des VPT und DosB, nichtoperative Orthopädie der Extremitäten und der Wirbelsäule, MLD, PNF, CMD, Medizinische Trainingstherapie, Rückenschullehrer, Osteoporose Trainer, Gangschule nach Rencho los Amigos (LA), Sport Physical Therapist (IAS Unsiversity, LA), Bobat Konzept, Akupunktur TCM DIU, Tuina TCM DIU.

Kontakt: www.prinzen-weber.de

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* Bildquelle: Schnitt durch die Strukturen der Wirbelsäule (links), Bandscheibenvorfall (rechts); Wikipedia / debivort, Lizenz: Creative Commons by-sa 3.0 deKurz

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Ein Kommentar zu “Bandscheibenvorfall konservativ behandeln – Teil 1

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