Hausarzt oder Facharzt / Privatarzt?


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Wann zum Hausarzt, wann und wohin zum Facharzt? *

In Ärztekreisen und Patientenkreisen wird immer wieder von Hausärzten und Fachärzten gesprochen. Verwirrend dabei: Viele Hausärzte haben eine Facharztausbildung. Wie kann ich mich informieren, wann gehe ich eher zum Hausarzt, wann gehe ich eher oder direkt zum Facharzt, wie und wo finde ich den passenden Facharzt? Unter anderem ist die Facharztsuche eine immer wieder gern gestellte Frage, auf die wir mit diesem Beitrag einige Antworten geben möchten.

Ärzte in Deutschland

Die Bundesärztekammer zählte Ende 2012 insgesamt knapp 350.000 berufstätige Ärzte in Deutschland. 2011 waren es ca. 57.000 Hausärzte und 65.000 Fachärzte im sogenannten ambulanten Bereich, also ohne die Ärzte in Krankenhäusern, Körperschaften und anderen Bereichen. Trotz lukrativer Angebote aus dem Ausland steigt die Zahl der in Deutschland tätigen Ärzte Jahr für Jahr an, dennoch stellt die Bundesärztekammer einen weiterhin bestehenden Ärztemangel in Deutschland fest. Dies ist sicher sehr differenziert zu betrachten: die allgemeine ärztliche Versorgung und die Facharztsuche in ländlichen Gebieten ist dringend wieder auszubauen, aber auch in den städtischen Gebieten sind nicht alle (fach-)ärztlichen Bereiche so besetzt, dass Patienten nach einer Facharztsuche ohne lange Wartezeiten einen Termin bekommen können.

Der Hausarzt

Zu den Hausärzten gehören bspw. die Ärzte für Allgemeinmedizin, in einer Allgemeinmedizin- oder Hausarztpraxis tätige Internisten, Kinderärzte und Praktische Ärzte. Dabei sind nur die letztgenannten Praktischen Ärzte solche, die keine dem allgemeinen Medizinstudium nachfolgende, zusätzliche Facharztausbildung durchlaufen haben.

Oder anders herum gesagt: Die meisten Hausärzte haben heutzutage eine zusätzliche Facharztausbildung, so dass auch hier die Facharztsuche erfolgreich sein kann und sich die Frage Hausarzt oder Facharzt vielleicht kann nicht so konkret stellen muss. Man fasst dennoch alle vorgenannten Arztgruppen unter den Begriff Hausarzt zusammen, denn sie sichern die hausärztliche / allgemeine Versorgung. Für den Patienten ist der Hausarzt oft die erste und durchaus auch richtige Anlaufstelle, denn hier liegt normalerweise die kompletteste Krankenakte des Patienten und damit der umfassendste Überblick über seine bisherige Krankengeschichte.

Der Facharzt

Nach dem allgemeinen / regulären Studium der Medizin haben Fachärzte eine mehrjährige fachspezifische Fortbildung durchlaufen. Diese Fortbildung zum Facharzt endet mit entsprechend fachspezifischen Abschlussprüfungen. Unmittelbar danach kann der Arzt eine Stelle als Assistenzarzt antreten. Nach mehrjähriger beruflicher Tätigkeit und einer erfolgreich bestandenen Abschlussprüfung kann sich der Arzt als Facharzt niederlassen. Wer Facharzt für Allgemeinmedizin werden will, muss im Gegensatz zu den anderen Kollegen mehrere Gebiete gut kennen lernen. Dazu gehören zum Beispiel die innere Medizin und die Chirurgie.

Facharztsuche: Wie finde ich den richtigen Facharzt?

Bis Ende 2012 war es so geregelt, dass vor einem Facharztbesuch der Hausarzt zu konsultieren war. Der Hausarzt stellte dann ggf. eine Überweisung zu einem Facharzt aus. Seit 2013 ist nicht nur die Praxisgebühr wieder weggefallen, sondern auch der vorherige Hausarztbesuch und eine verpflichtende Überweisung durch ihn an den Facharzt. Einige Ausnahmen bleiben jedoch, wie die Kassenärztliche Bundesvereinigung festhält: „Grundsätzlich hat der Patient die freie Arztwahl. Eine Überweisung wird jedoch dann notwendig sein, wenn er sich in Hausarztverträge eingeschrieben hat. Dann verpflichtet er sich nämlich, immer zuerst seinen Hausarzt als ‚Lotsen im System‘ aufzusuchen.“ Darüber hinaus brauchen Kassenpatienten für spezialisierte Fachärzte wie Radiologen weiterhin eine Überweisung.

Hausarzt oder Facharzt? Privatärzte in Deutschland suchen: Auf der Suche nach einem, nach dem richtigen, nach einem guten Facharzt kann man folgende Dinge berücksichtigen:

– Fragen Sie in Ihrem Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis nach guten Erfahrungen und Empfehlungen
– Nutzen Sie das Internet zur Recherche, bspw. bei der Bundesärztekammer, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Krankenkassen oder nutzen Sie medizinische Kompetenznetzwerke (Facharzt suchen).

Die Facharztbereiche

Im Jahr 2011 wurden ca. 11.500 neue Fachärzte anerkannt – und das in knapp 80 verschiedenen Fachrichtungen! Zugegeben: die vielen Facharztbereiche machen die Facharztsuche vielleicht nicht einfacher. Aber sie lohnt sich, denn je mehr Bereiche, desto mehr Spezialisten. Die Facharztbereiche  sind hier einmal nachfolgend in der absteigenden Reihenfolge ihrer Anzahl im Jahr 2011 genannt:
Innere Medizin, Anästhesiologie, Orthopädie und Unfallchirurgie, Allgemeinmedizin, Kinder- und Jugendmedizin, Psychiatrie und Psychotherapie, Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Innere und Allgemeinmedizin (Hausarzt), Neurologie, Chirurgie, Radiologie, Urologie, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Viszeralchirurgie, Haut- und Geschlechtskrankheiten, Arbeitsmedizin, Kinder- und Jugendpsychiatrie und –psychosomatische Medizin, Innere Medizin und SP Kardiologie, Gefäßchirurgie, Neurochirurgie, Orthopädie, Allgemeine Chirurgie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, Innere Medizin und Kardiologie, Physikalische und Rehabilitative Medizin, Diagnostische Radiologie, Innere Medizin und SP Gastroenterologie, Herzchirurgie, Pathologie, Frauenheilkunde, Strahlentherapie, Nervenheilkunde, Nuklearmedizin, Innere Medizin und SP Nephrologie, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Psychotherapeutische Medizin, Laboratoriumsmedizin, Kinderchirurgie, Plastische Chirurgie, Innere Medizin und Gastroenterologie, Plastische und Ästhetische Chirurgie, Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Thoraxchirurgie, Innere Medizin und Nephrologie, Innere Medizin und SP Hämatologie und Onkologie, Innere Medizin und SP Pneumologie, Innere Medizin und Pneumologie, Öffentliches Gesundheitswesen, Mikrobiologie, Virologie und Infektionsepidemiologie, Innere Medizin und SP gesamte Innere Medizin, Transfusionsmedizin, Innere Medizin und Geriatrie, Allgemeinchirurgie, Humangenetik, Innere Medizin und SP Rheumatologie, Innere Medizin und Angiologie, Rechtsmedizin, Innere Medizin und Endokrinolpgie u. Diabetologie, Innere Medizin und Rheumatologie, Hygiene und Umweltmedizin, Innere Medizin u. SP Endokrinologoie und Diabetologie, Psychiatrie, Sprach-, Stimm- und kindliche Hörstörung, Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie, Klinische Pharmakologie, Anatomie, Neuropathologie, Pharmakologie und Toxikologie, Phoniatrie und Pädaudiologie, Innere Medizin und SP Angiologie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Physiologie, Kinderheilkunde, Kieferchirurgie, Anästhesiologie und Intensivtherapie, Innere Medizin und Infektiologie.

* Bildquelle: © DOC RABE Media – Fotolia.com

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10 Kommentare zu “Hausarzt oder Facharzt / Privatarzt?

  1. Dies ist wirklich eine gute Frage. Ich denke Hausarzt ist oft die erste Anlaufstelle. Ich habe auch lange gedacht dass ein Internist auch ein Hausarzt sei, dabei ist es auch eine spezielle Fachrichtung. Dass es 80 verschiedene Fachrichtungen gibt wusste ich überhaupt nicht! Vielen Dank für den informativen Artikel!

  2. Gut zu wissen, dass Fachärzte wie zum Beispiel ein Internist nach dem regulären Studium der Medizin eine mehrjährige fachspezifische Fortbildung durchlaufen. Ich suche nach einem Arzt, der alle Kassen abdeckt. Danke für den Tipp, dass ich als Kassenpatient für einen Facharzt immer eine Überweisung brauche.

  3. Vielen Dank für den Beitrag zur Arztsuche! Ich bin oft selbst hin und her gerissen bei der Frage, ob man einen Facharzt aufsuchen oder erst zum Hausarzt gehen sollte. Gut zu wissen, dass ein Facharzt für Allgemeinmedizin mehrere Gebiete gut kennen muss, wie zum Beispiel die Arbeit, die ein Arzt für innere Medizin verrichtet.

  4. Ich möchte mehr über Proktochirurgie erfahren. Ich denke, es ist das einzig Vernünftige, den bestmöglichen Experten zu finden. Für so etwas braucht man einen Facharzt.

  5. Ich bin gestern beim Joggen im Wald über eine Wurzel gestolpert und auf mein Knie gestürzt. Seither habe ich heftige Schmerzen und mein Knie ist geschwollen und ich kann es nicht belasten. Gut zu wissen, dass ich seit 2012 keine Überweisung mehr vom Hausarzt brauche, sondern direkt zu einem Facharzt für Unfallchirurgie gehen kann.

  6. Dietrich Bachmann 7. April 2020 um 19:49 - antworten

    Diese Frage ist gut zu achten. Danke für den Artikel und die Beiträge. Also der Facharzt kennt sich spezifisch mit innerer Medizin und der Chirurgie aus. Heißt das, man soll direkt zum Facharzt gehen, wenn er denkt, er braucht möglicherweise eine Operation? Oder geht man erst zum Hausarzt und dann bekommt er einen Termin beim Facharzt? Natürlich wenn man im Notfall ist, geht er sofort zum Unfallarzt, das weiß jeder. Ich habe einen guten Unfallarzt, den wir schon mal als Familie verwendet haben.

  7. Ein Freund hat mir vor kurzem über den Unterschied zwischen Fachärzten und Hausärzten gefragt, aber ich weiß nicht viel darüber. Deswegen bin ich froh, dass ich diesen Beitrag gefunden habe. Das ist gut zu wissen, dass nur Fachärzten mit innerer Medizin arbeiten.

  8. Danke, dass Sie diesen Beitrag zum Thema Hausarzt oder Facharzt mit uns teilen. Für meine Beschwerde werde ich vielleicht eher einen Facharzt brauchen. Super, dass man keine Überweisung mehr braucht!

  9. Die Erklärung, wann ich zum Hausarzt und wann ich besser zum Facharzt gehen sollte. Ich wusste gar nicht, dass man mittlerweile auch ohne Überweisung direkt zu den meisten Fachärzten gehen kann. Auch war mir neu, dass Fachärzte für Allgemeinmedizin im Gegensatz zu ihren Kollegen mehrere Gebiete wie die innere Medizin und Chirurgie beherrschen müssen. Danke für diese Aufklärung!

  10. Zu aller erst gehe ich immer zu meinem Hausarzt, denn der kennt meine Gesundheitsakte am besten. Außerdem kennt dieser schon einige Fachärzte, die er mir empfehlen kann. Bei präzisen Facharzt-Bereichen gehe ich auch einfach gleich zum Facharzt, um Zeit zu sparen.

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