Das Reiterhosen-Syndrom (Lipödem)


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Lipödem: woher das Reiterhosen-Syndrom seinen Namen hat *

In der Umgangssprache wird es Reiterhosen-Syndrom genannt, in der medizinischen Fachsprache nennt man diese Krankheit ein Lipödem. Beim Reiterhosen-Syndrom handelt es sich um eine symmetrische Fettverteilungsstörung an Beinen und Armen.

Im Gegensatz zu einer einfachen Fettleibigkeit zeichnet sich das Reiterhosen-Syndrom unter anderem durch einen sehr unangenehmen Druckschmerz in den betroffenen Körperbereichen aus. Mehrere 10.000 Menschen in Deutschland leiden an dieser Krankheit. apotheken-wissen.de beschreibt hier die Ursachen, die einfache Diagnose und die beiden vornehmlichen Therapieformen des Reiterhosen-Syndroms.

Ursachen des Reiterhosen-Syndroms

Ein Reiterhosen-Syndrom beginnt schleichend und betrifft ausschließlich Frauen. Meistens ist es an bestimmte Lebensphasen gekoppelt, beispielsweise im Zuge der Pubertät, einer Schwangerschaft oder der Menopause. In diesen Phasen erlebt die Frau eine weitreichende hormonelle Umstellung. Insofern ist davon auszugehen, dass die Ursachen und Auslöser eines Reiterhosen-Syndrom einen hormonell bedingten Hintergrund haben. Bei dieser – wenn auch sehr konkreten – Mutmaßung bleibt es bis heute jedoch, denn die tatsächliche und spezifische hormonelle Ursache ist bisher unentdeckt.

Man nimmt an, dass das Verhältnis von Lymphbildung und Lymphtransport in den Lympfgefäßen eine hormonell bedingte Schieflage bekommt und somit nicht mehr reibungslos funktioniert. Bei einem Reiterhosen-Syndrom erweitert sich das Fettgewebe und überfordert damit die Kapazitäten des Lymphsystems.

Symptome und Diagnose des Reiterhosen-Syndroms

Durch die Überforderung des Lymphsystems ist ein Lymphstau vorprogrammiert und sendet seine Signale. Der Lymphstau wird vor allem durch geschwollene Beine sichtbar. Es tritt ein enormer Druckschmerz auf, der gemeinsam mit der nun entstandenden sehr unproportionalen Körperform auch große psychische Belastungen hervorruft. Da Diäten oder Sport und Bewegung keine Auswirkungen darauf haben, den Lymphstau auszulösen, beginnt in der Regel ein vorhersehbarer und sehr langer Leidens- und Therapieweg für die betroffenen Frauen.

Das Reiterhosen-Syndrom oder Lipödem ist nicht zu verwechseln mit einem Lymphödem! Ein Lymphödem entsteht zumeist durch verletzte Lymphgefäße, zum Beispiel aufgrund eines Unfalls oder besipielsweise durch eine Brustamputation.

Wie erkenne ich das Reiterhosen-Syndrom, also ein Lipödem? Bei einem Lipödem lässt sich die Hautfalte auf den Zehenrücken mit Daumen und Zeigefinger abheben. Man nennt dies das Stemmer-Zeichen – und das Stemmer-Zeichen ist bei einem Lymphödem negativ, soll heißen: es gelingt nicht.

Therapie des Reiterhosen-Syndroms

Ein Reiterhosen-Syndrom / ein Lipödem kennt zwei Thearpieformen, die ebenso unterschiedlich sind wie die Sicht der Krankenkassen und ihre Erstattungen. Zum Einsatz können die konservative oder die operative Therapie kommen:

  • Bei der konservativen Therapie des Reiterhosen-Syndroms wird durch einen Lymphdrainage-Therapeuten eine sogenannte „Komplexe Physikalische Entstauungstherapie“ angewandt, die kurz KPE genannt wird. Eine KPE bedeutet regelmäßige Lymphdrainagen, unterstützt durch das dauerhafte Tragen von Kompressionsstrümpfen. Durch die Drainagen und Strümpfe wird versucht, dass Fettgewebe quasi auszupressen. Ein vorstellbar schwieriger und langwieriger Vorgang, denn eine KPE ist nur dann von Besserung gekrönt, wenn sie zwei- bis dreimal pro Woche durchgeführt wird. Und wir sprechen hier bewusst „nur“ von Besserung, da auf diesem Wege das Lipödem in der Regel nicht vollständig verschwindet. Es wächst ständig nach und bedarf somit nicht selten einer lebenslangen Behandlung. Die konservative Therapie eines Reiterhosen-Syndroms wird normalerweise von den Krankenkassen trotz der Therapiedauer übernommen.
  • Bei der operativen Therapie des Reiterhosen-Syndroms bedeutet die medizine Indikation, eine Liposuktion durchführen zu lassen, die sogenannte Tumeszenz-Lokalanästhasie. Die Fettzellen werden mittels eines Wasserstrahls mit Lokalanästhesie-Anteil und stumpfen Kanülen schonend aus dem Fettgewebsverband abgesaugt. Diese Methode gilt, ausgeführt von einem erfahrenen Spezialisten, als gewebeschonend und komplikationsarm. Durch diesen operativen Eingriff gewinnen viele Patientinnen recht rasch ihre Lebensqualität zurück, denn ebenso wird dadurch der Druckschmerz sehr rasch und deutlich verringert als auch das Ausehen der Beine und damit die Körperform deutlich verbessert. Jedoch: die Liposuktion wird üblicherweise nicht durch die Krankenkassen übernommen – somit können für die Patientin Kosten in Höhe eines fünfstelligen Eurobetrags entstehen.

Literatur zum Thema Lipödem / Reiterhosen-Syndrom

* Bildquelle: Wikipedia, gemeinfrei

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