Kann Liebeskummer eine klinische Depression verursachen?


Depressionen wegen Liebeskummer - apotheken-wissen.de

Liebeskummer muss nicht, aber kann zu Depressionen führen *

Nahezu alle Menschen erleben in ihrem Leben und in ihren Beziehungen eine Trennung durch einen Partner / eine Partnerin, mit dem oder mit der er lieber weiterhin in einer Beziehung stünde. Man meint damit die Situation einer zurückgewiesenen, unerfüllbaren oder sich nicht mehr erfüllenden Liebe. Insofern sind Liebeskummer, Herzeleid und Trennungsschmerzen nicht wirklich etwas außergewöhnliches. Diese Symptome und Syndrome schlagen aber je nach Mensch sehr individuell und unterschiedlich zu: sie reichen von harmlos und kurzandauernd bis hin zu einem lang anhaltenden Zustand, ggf. mit schweren körperlichen oder psychischen Erkrankungen, Stalking, Suizid oder Mord. apotheken-wissen.de nimmt in diesem Gesundheitsbeitrag mögliche Zusammenhänge zwischen Liebeskummer und klinischen Depressionen unter die Lupe, was man dazu wissen sollte und welche Behandlungsmethoden es dafür gibt.

Liebeskummer und Depressionen in der Psychologie

Befragt man die psychologische Fachliteratur, wird dort „Liebeskummer“ bisher nicht als auslösender Faktor für Depressionen genannt, auch wenn die Symptome sich verblüffend ähneln können:

  • depressive Stimmung und Traurigkeit, sowie Freud- und Interesselosigkeit
  • Antriebs-, Schlaf- und Konzentrationsstörungen
  • Schuldgefühle und Wut gegen sich selbst
  • Gefühle innerer Leere und Sinnlosigkeit, sowie Hoffnungslosigkeit und Zukunftsangst
  • Verlust der Libido
  • Störung des Essverhaltens (Appetitlosigkeit oder „Fresssucht“)
  • tiefe Verzweiflung bis hin zu Suizidgedanken
  • u.v.m.

Aber auch wenn Liebeskummer in der Fachliteratur nicht ausdrücklich als depressionsauslösend geführt wird, zählen „einschneidende Änderungen und bedeutende Stressfaktoren wie der Tod oder Verlust eines geliebten Menschen oder der Verlust der Arbeitsstelle“ zu den Ereignissen, die Depressionen verursachen können. Und diese Definition trifft laut Ole Andersen (von beraterteam.info) recht genau auch auf Liebeskummer oder Trennungsschmerz zu.

Trennungsschmerz ist wichtig

Nun ist es zunächst völlig normal, dass insbesondere die oder der Verlassene nach dem Ende einer Beziehung trauert und sich verunsichert, ja deprimiert fühlt. In der Regel durchläuft der Trennungsschmerz mehrere Phasen, die zwischen einigen Tagen und mehreren Wochen dauern können, an deren Ende jedoch die Einsicht steht, dass ein Leben auch ohne den verlorenen Partner möglich ist. Oftmals ergänzt um die befreiende Erfahrung, neugewonnener bzw. neu entdeckter Freiheit, Freunde, Hobbys oder Interessen.

Die normalen Reaktionen von Trauer, Verzweiflung oder Wut nach einer Trennung nicht nur zuzulassen, sondern aktiv als Transformationshilfen zu nutzen, ist für die tatsächliche Überwindung des Trennungsschmerzes essentiell wichtig. Zu einem Heilungsprozess nach einer Trennung gehören vor allem die Erfahrung, mit sich selbst zurecht zu kommen, die Konzentration auf eigene Bedürfnisse, sowie die Antwort auf die Frage, ob man die verlorene Beziehung tatsächlich zurück haben möchte.

Setzt man hier zu früh zum Beispiel mit einer medikamentösen Behandlung mit stimmungsaufhellenden Medikamenten an, wird die Chance auf echte „Veränderungen durch Arbeit an sich selbst“ vergeben. Probleme werden zugedeckt, statt erlöst und treten so oder ähnlich meist in der nächsten Beziehung wieder auf.

Wann wird aus Trennungsschmerz eine klinische Depression?

Wenn aus Liebeskummer eine klinische Depression wird - apotheken-wissen.de

Wenn aus Liebeskummer eine klinische Depression wird … **

Um der Frage nachzugehen, ob aus einem normalen Liebeskummer eine klinische und damit behandlungswürdige Depression entstehen kann, wurden unter anderem Gehirnscanner-Aufnahmen von verlassenen Menschen ausgewertet, die ganz ähnlich wie bei an Depression erkrankten Patienten einen stark empfundenen psychischen Leidensdruck zeigten. Psychologen sehen darin eine mögliche Erklärung, dass Depressionen sehr wohl durch Liebeskummer ausgelöst werden können.

Wo ist also die Grenze zwischen normalem Trennungsschmerz und klinischer Depression?

In der psychotherapeutischen Praxis wird dazu unter anderem der Zeitfaktor herangezogen: Sobald der Zustand depressiver Symptome nach einer Trennung länger als 6-8 Wochen anhält, sollte eine psychotherapeutische oder medikamentöse Behandlung wie bei einer Depression angedacht werden. Neben der Dauer wird auch die Schwere der Symptome beachtet: Inwieweit sie mit Beruf, Essen, Schlafen oder sonstigen Aktivitäten des normalen Lebens in Konflikt geraten. Und selbstverständlich zählen Todessehnsüchte oder Selbstmordgedanken zu eindeutigen Warnsignalen, die auf eine klinische Depression und nicht mehr nur auf normalen Liebeskummer hindeuten.

Wie kann eine liebeskummerbedingte Depression behandelt werden?

Sobald nach den vorgenannten Definitionen bzw. Symptomen von einer „echten“ Depression ausgegangen werden muss, sollte eine adäquate Behandlung erfolgen – in erster Linie psychotherapeutisch, in schweren Fällen ergänzend auch medikamentös.

Oft können Therapeuten Patienten mit liebeskummerbedingten Depressionen bereits mit Hilfe von gesprächstherapeutischen Ansätzen durch ihren Kummer begleiten. Sobald dabei das akute Anfangsstadium überwunden ist, kann begonnen werden, die Gründe für das Scheitern der Beziehung zu hinterfragen und Punkte zu erarbeiten, die in zukünftigen Beziehungen anders gemacht werden könnten.

Erst wenn diese Maßnahmen auch nach Wochen nicht zu einer Besserung führen, sollten Patienten auch medikamentös behandelt werden.

* Bildquelle: © drubig-photo / fotolia.com
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