Chronische Darmverstopfung: Ursachen und Hilfe


Chronische Darmverstopfung

Wann spricht man von einer chronischen Verstopfung? Was kann – auch präventiv – helfen? *

Wer unter Verstopfung (Obstipation) leidet, kann höchstens alle drei bis vier Tage Stuhl absetzen, der dazu noch hart ist. [1] Bei circa zehn bis 15 Prozent der Erwachsenen in Deutschland ist die Verstopfung chronisch. [2] Dabei gibt es zwei Formen: Bei der sekundären ist die Verstopfung das Symptom einer zugrundeliegenden Erkrankung. Auslöser der primären (habituellen) — das heißt mit dem Lebensstil zusammenhängende — Obstipation ist höchstwahrscheinlich eine Kombination aus mehreren Faktoren wie Bewegungsmangel oder ballaststoffarmer Kost. Doch warum ist Pressen auf der Toilette der falsche Weg und was hilft stattdessen bei chronischer Darmverstopfung?

Wann ist eine Verstopfung chronisch?

Mediziner verstehen darunter Probleme bei der Stuhlentleerung, die seit mindestens drei Monaten vorhanden sind. [3] Außerdem müssen mindestens zwei der folgenden Beschwerden beim Patienten auftreten [3]:

  • Um Stuhl abzusetzen, wird stark gepresst.
  • Der Kot ist sehr hart.
  • Auch nach dem Toilettengang bleibt ein Gefühl der unvollständigen Darmentleerung.
  • Es liegt eine sogenannte subjektive Obstruktion vor– eine Art „Sperregefühl“ beim Versuch, Stuhl abzusetzen –, oder
  • die Betroffenen müssen bei mehr als einem Viertel der Stuhlentleerungen nachhelfen, beispielsweise mit den Fingern, oder
  • sie haben weniger als drei Stuhlgänge wöchentlich. [3]

Bitte geben Sie dem Drang, stark zu pressen, nicht nach, da dadurch ein Hämorrhoidalleiden entstehen kann. Pressen kann den Druck innerhalb des Bauchraums erhöhen, was den venösen Abfluss aus den Hämorrhoiden (Gefäßpolster im Afterkanal) behindert und die Schwellkörper daraufhin krankhaft anschwellen lässt. Vergrößerte Hämorrhoiden können – je nach Schweregrad – vielfältige Symptome hervorrufen, beispielsweise Jucken und Brennen im Afterbereich, Nässen oder Schleimabsonderung.

Sobald Analbeschwerden auftreten, ist der Allgemeinarzt ein guter erster Ansprechpartner. Er überweist Sie gegebenenfalls an einen Proktologen, der auf Erkrankungen des Analbereichs sowie Enddarms spezialisiert ist. Falls Sie Hämorrhoiden behandeln lassen müssen, gibt es viele Möglichkeiten wie Cremes und Salben, Veröden oder eine Lasertherapie.

Mögliche Ursachen im Überblick

Es gibt zahlreiche Gründe, die zu einer chronischen Verstopfung führen können.

Dazu zählen unter anderem

  • organische Ursachen: Zum Beispiel kann es infolge von Darmentzündungen zu einer Darmenge kommen, die den Entleerungsprozess stört.
  • neurologische (das Nervensystem betreffende) Ursachen: Bei der Erkrankung Parkinson beispielsweise müssen Betroffene mitunter Medikamente gegen das typische Zittern einnehmen, die als Nebenwirkung jedoch die Darmbewegung hemmen können.
  • in seltenen Fällen Erkrankungen, die dem Fachgebiet der Endokrinologie (Lehre von den Hormonen) zugehörig sind: Auch bei einer Schilddrüsenunterfunktion, bei der ein Mangel an bestimmten Schilddrüsenhormonen vorliegt, ist die Darmtätigkeit vermindert.
  • anatomische Veränderungen: Als Beispiel wäre hier ein instabiler Beckenboden zu nennen. Senkt sich dieser aufgrund einer Beckenbodenschwäche ab, kann sich dies auch auf den Enddarm in Form einer Engstelle auswirken, was wiederum den Stuhlabgang behindert.
  • bestimmte Arzneimittel: Beruhigungs- und harntreibende Medikamente oder starke Schmerzmittel (Opioide) können Verstopfung als unerwünschte Nebenwirkung mit sich bringen.
  • Bettlägerigkeit: Bewegung unterstützt die natürlichen, wellenartigen Darmbewegungen. Diese sogenannte Peristaltik ist nötig, um den Speisebrei durch den Darm zu transportieren. Sind Personen bettlägerig, wird der Darm träge, Verstopfung kann die Folge sein.

Häufig jedoch ist eine chronische Darmverstopfung bedingt durch negative Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Diese zeigen sich unter anderem durch Bewegungs- oder Flüssigkeitsmangel sowie ballaststoffarmen und einseitigen Speisen. Zu den Ursachen für chronische Darmverstopfung, an die man womöglich nicht sofort denkt, gehört auch ein veränderter Tag-Nacht-Rhythmus wie ihn beispielsweise Schichtarbeiter kennen. Wird dem Körper zu unüblichen Zeiten Essen zugeführt, reagiert dieser mitunter mit Beschwerden im Magen-Darm-Bereich, eben auch mit Verstopfung. Denn nachts arbeitet unsere Verdauung beispielsweise nur auf Sparflamme.

Was hilft bei chronischer Darmverstopfung?

Eines vorweg: Liegt eine Grunderkrankung wie eine Schilddrüsenunterfunktion vor, die die Verdauungsprobleme auslöst, gilt es, die Behandlung dieser in den Fokus zu stellen.

Ist die Verstopfung hingegen nach ärztlicher Diagnose weder auf die Einnahme bestimmter Medikamente noch auf eine zugrundeliegende Krankheit zurückzuführen, bietet sich in einem ersten Schritt eine Ernährungsumstellung an. Neben einer ausreichenden Flüssigkeitsmenge von mindestens zwei Litern täglich (bei Erwachsenen), ist eine ballaststoffreiche Kost wichtig. [4] Ballaststoffe helfen, den Nahrungsbrei aufquellen zu lassen, wodurch sich die Darmpassage beschleunigt. Reich an diesen pflanzlichen Faserstoffen sind beispielsweise Hülsenfrüchte, Kohlarten sowie Weizenkleie und Leinsamen. Meiden Sie hingegen Lebensmittel, die stopfend wirken wie Bananen oder Weißmehlprodukte. Anregend für die Verdauung wirken Sauermilchprodukte wie Buttermilch und Kefir. Wer möchte, kann es auch mit einigen getrockneten Pflaumen oder Feigen probieren, die abends in ein Glas Wasser eingelegt und am nächsten Tag verzehrt werden. [4]

Als Hausmittel sind feucht-warme Bauchauflagen hilfreich. Wärme entspannt die Darmmuskulatur. Legen Sie ein ausgewrungenes, körperwarmes Handtuch auf den Bauch. Darauf kommt eine Wärmflasche sowie ein trockenes Handtuch. Die Anwendungsdauer beträgt zehn bis 15 Minuten. [4]

Die Darmtätigkeit kann auch angekurbelt werden durch ein Glas lauwarmes Wasser, Grapefruit- oder Orangensaft, das morgens getrunken wird. [5] Doch rechnen Sie bitte nicht mit einem sofortigen Wirkungseintritt. Geben Sie Ihren Körper dafür einige Tage Zeit. [5]

Genauso, wie wir unsere Mahlzeiten in Ruhe einnehmen sollten, braucht auch der Toilettengang Zeit und sollte ohne Hektik erledigt werden können. Suchen Sie möglichst bald eine Toilette auf, sobald Sie Stuhldrang verspüren — zögern Sie also den Gang zum „stillen Örtchen“ nicht hinaus.

Spricht der Patient auf all diese Maßnahmen nicht an, kann der behandelnde Arzt hinsichtlich der Einnahme von medikamentösen Stuhlregulatoren oder Abführmitteln (Laxanzien) beraten.

Verweise:

[1] Flemmer, Andrea: Magen- und Darmerkrankungen natürlich behandeln. Einfache Therapien, die wirklich helfen. Hannover : Schlütersche Verlagsgesellschaft. 2011. S. 99.

[2] Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.: Was tun bei chronischer Verstopfung? URL: https://www.dge.de/presse/pm/was-tun-bei-chronischer-verstopfung/ (07.10.2019).

[3] Barmherzige Brüder Krankenhaus Regensburg: Chronische Verstopfung. URL: https://www.barmherzige-regensburg.de/enddarmzentrum/unser-behandlungsangebot/chronische-verstopfung.html (07.10.2019).

[4] Lauster, Martina (Hrsg.) et. al.: Pflege heute. Lehrbuch für Pflegeberufe. München : Elsevier. 62014. S. 474.

[5] Khaschei, Kirsten: Magen und Darm. Beschwerden heilen, lindern, vermeiden. Berlin: Stiftung Warentest, 2013. S. 77.

* Bildquelle: nastya_gepp / pixabay.com

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