Verursacht Viagra Hautkrebs?


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Viagra steht im Verdacht, das Melanom-Wachstum zu fördern *

Bereits seit einigen Jahren wird ein Zusammenhang zwischen der regelmäßigen Einnahme von Viagra und Hautkrebs diskutiert. Eine Langzeitstudie der Vereinigten Staaten von Amerika, die 15.000 Männer beobachtete, ergab 2014 den dringlichen Verdacht auf eine krebsfördernde Wirkung. 2015 kamen schwedische Wissenschaftler, die etwa 24.000 Männer untersuchten, zu einem ähnlichen Ergebnis. Im Verdacht, das Tumorwachstum zu fördern, steht der Botenstoff cGMP. Seit 2013 wird an der Universität Tübingen Forschung bezüglich des cGMP-Signalwegs, in den Viagra eingreift, betrieben.

Viagra und cGMP

Viagra ist ein Potenzmittel und wird zur Behandlung von Erektionsproblemen eingenommen. Sein 
Wirkstoff ist das Sildenafil. Bei Sildenafil handelt es sich um einen Phosphodiesterase-V-Hemmer (PDE-5-Hemmer). Die Phosphodiesterase ist ein Enzym, das die Spaltung von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) zu Guanosinmonophosphat (GMP) katalysiert. Wird diese Spaltung durch Sildenafil unterbunden, reichert sich cGMP an und stellt unter anderem die Blutgefäße weit. In der Folge strömt vermehrt Blut in die Schwellkörper des Penis, wodurch die Ausbildung einer Erektion erleichtert wird. Ähnliche Medikamente sind Cialis und Levitra.

Studie ermittelt Zusammenhang

Die Tübinger Forschergruppe untersuchte die Rolle von cGMP in Melanom-Zellen von Mäusen und Menschen mittels biochemischen Assays und „real-time monitoring“ (Beobachtung der Zellen). Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die cGMP-Signalkaskade gelegt: Über cGMP wird die sogenannte cGMP-abhängige Kinase aktiviert. Eine Kinase startet andere Enyzme per Phosphorylierung, sodass eine ganze Kaskade von Zellvorgängen abläuft. Es konnte festgestellt werden, dass Melanome bei verstärkter Aktivität dieser Kaskade sowohl schneller wachsen als sich auch schneller ausbreiten.

Die Ergebnisse der Studie legen einen Zusammenhang zwischen erhöhter Aktivität von cGMP und dem Wachstum von bösartigen Melanomen nahe, sind aber nicht beweisend. Denn Männer, die Viagra einnehmen, besuchen auch häufiger Solarien und reisen häufiger in den Süden. Durch diesen Lebensstil erleiden die Männer häufiger einen Sonnenbrand. UV-Licht und Sonnenbrände sind Risikofaktoren für die Entwicklung von Malignen Melanomen. Dass die alleinige Einnahme von Viagra oder verwandten Medikamenten bereits ausreichend ist, um an schwarzem Hautkrebs zu erkranken, ist unwahrscheinlich.

Zwei Dinge stehen jedoch fest: Seit der Einführung von Viagra ist bekannt, dass der PDE-5-Hemmer
die Aktivität von cGMP erhöht. Hierauf gründet sich sein Wirkprinzip. Weiterhin ist bestätigt,
dass die cGMP-abhängige Kinase (ein Enzym, das kaskadenartig andere Enzyme aktiviert) Wachstum und Ausbreitung von Melanom-Zellen fördert. Durch die Erhöhung der cGMP-Spiegel nach Einnahme von Viagra wird die Aktivität der abhängigen Kinase gesteigert. Über diesen Mechanismus ergibt sich
die Verbindung zwischen Viagra und schwarzem Hautkrebs.

Sollte Viagra nicht mehr eingenommen werden?

Derzeit besteht noch keine Notwendigkeit, gänzlich vom Gebrauch von Viagra abzuraten. Männer, die ein erhöhtes Risiko für schwarzen Hautkrebs aufweisen oder bereits an einem solchen erkrankt sind, sollten Viagra allerdings mit Vorsicht gebrauchen und in Anbetracht der Studie die Nutzung des Potenzmittels überdenken. Sicherer wäre es, wenn Melanom-Patienten kein Viagra einnehmen würden. Betroffene Männer sollten die Verwendung des Potenzmittels zuvor mit ihrem Arzt besprechen.

Risikofaktoren für das Maligne Melanom (schwarzer Hautkrebs) sind unter anderem:

  • heller Hauttyp
  • häufige Sonnenbrände
  • viele Muttermale
  • Naevus flammeus („Feuermal„)
  • Maligne Melanome bei Verwandten

Ab dem 35. Lebensjahr können Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchungen beim Hautarzt wahrgenommen werden. Unabhängig von den persönlichen Risikofaktoren sollte auf ausreichenden UV-Schutz und die Vermeidung von Sonnenbränden geachtet werden.

Exkurs: Viagra und Krebs

Die Wirkung von Sildenafil (Viagra) auf Krebs wurde in der Vergangenheit ebenso auf dessen Nützlichkeit untersucht: Eine
Studie, erschienen im Journal Oncotarget, konnte aufzeigen, dass
die Kombination des Zytostatikums Doxorubicin mit Sildenafil zu einem verbesserten Ansprechen bei Prostata-Krebs führte. Durch die Zugabe von Sildenafil starben mehr Krebszellen. Da Doxorubicin zahlreiche Nebenwirkungen (insbesondere Schädigung des Herzens und des Knochenmarks) verursacht, ist es im Sinne der Forschung, die Behandlung zu optimieren und die Dosis von Doxorubicin zu vermindern. Die Zugabe von Sildenafil könnte eine solche Einsparung ermöglichen. Weitere Studien werden benötigt.
Gleichermaßen soll sich Sildenafil günstig bei Darmtumoren auswirken und deren Fortschreiten
bremsen.

* Bildquelle: 121doc Schweiz

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