Rauchstopp – Wie reagieren Körper und Geist?


Tipps zum Rauchstopp von apotheken-wissen.de

Rauchstopp und Gewichtszunahme?

Vom Raucher zum Nichtraucher … Der Jahreswechsel ist ein typisches Datum für neue, gute, bessere Vorsätze – und selbst Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte den Rauchstopp als ein solches Beispiel in ihrer Neujahrsansprache 2014. apotheken-wissen.de behandelte das Thema mit den Schwerpunkten „Mittel und Hilfe zur Raucherentwöhnung“ bereits in einem seiner ersten Gesundheitsratgeber: Rauchen aufgeben – Schluss mit Nikotin.

Im jetzigen Gesundheitsratgeber wollen wir uns damit beschäftigen, welche Phasen der Körper nach der letzten Zigarette durchläuft, welche Besserungen er wann erfährt und wann die bekannten Risiken koronarer Herzkrankheiten, Schlaganfall oder Krebs sinken. Vor allem aber und statt an Schlaganfall, Herzinfarkt oder Krebs zu denken: vielen liegt die Gewichtszunahme als „gleich sichtbares Risiko“ viel näher und nährt den Gedanken, dem Rauchstopp vielleicht doch noch abzusagen. Deshalb auch hierzu einige Informationen.

Rauchstopp und der lange Weg zur körperlichen Regeneration

Ja, der Weg vom Rauchstopp und damit vom Raucher zum Nichtraucher ist nicht nur gefühlt ein langer Weg. Oftmals ist es bereits ein langer Weg, bis der Rauchstopp-Entschluss so feststeht, dass man ihn auch wider von Rückfälligkeiten durchhält und umsetzt. Betrachtet man alle Phasen einer erfolgreichen körperlichen Regeneration, sind es sogar bis zu 15 Jahre, bis ein Rauchstopp einen Raucher in einen echten Nichtraucher verwandelt hat.

Die langen Phasen der Regeneration nach dem Rauchstopp:

  • Nach 20 Minuten: Bereits nach 20 Minuten sinken die Herzschlagfrequenz und der Blutdruck
  • Nach 12 Stunden: das Kohlenmonoxid, das im Blut des Rauchers ein stets überdurchschnittlichen Wert hat, sinkt auf das normale Niveau eines Nichtrauchers
  • Nach 2 bis 12 Wochen: Der Kreislauf stabilisiert sich nun zunehmend, ebenso und spürbar hat sich die Lungenfunktion verbessert. Dies bemerkt der ehemalige Raucher auch im Alltag beim Sport oder bei Alltäglichkeiten wie beim Treppensteigen. Auch die Geschmackssinne (schmecken und riechen) sind nun wieder unbeeinflusst und erweitern spürbar das Empfinden des ehemaligen Rauchers. Da Lungenfunktion und Geschmackssinne deutlich spürbar sind, sollten sie auch als Lob für das bisher Durchgestandene angenommen werden und Motivation sein, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen!
  • Nach 1 bis 9 Monaten: In dieser Zeit regenerieren sich vor allem die Bronchien und die Lunge. Husten und Atemnot nehmen ab, die Flimmerhärchen in den Bronchien (Zillen) können wieder mehr Schleim in den hals transportieren und sorgen so zum einen für die Reinigung der Lunge und zum anderen für ein abnehmendes Infektionsrisiko.
  • Nach 1 Jahr: Erst jetzt, nach einem Jahr, beginnen die Regenerationsphasen des Körper, die die langfristigen Risiken betreffen. Beispielsweise hat sich nun das bei einem Raucher deutlich überhöhte Risiko, an einer schwerwiegenden koronaren Herzkrankheit zu erkranken (koronare Herzkrankheit: Erkrankungen des Herzens aufgrund verengter Herzkranzgefäße), halbiert.
  • Nach 2 bis 5 Jahren: Das Raucher-Risiko Schlaganfall hat sich auf das Risiko reduziert, das auch ein Nichtraucher hat.
  • Nach 5 Jahren: Das Krebsrisiko, das vor allem bei einem Raucher auch den Mund, den Rachen und die Speiseröhre betrifft, hat sich nun halbiert.
  • Nach 10 Jahren: Jetzt erst haben sich die Krebsrisiken bei der Lunge halbiert und auch die Risiken für Kehlkopf und Bauchspeicheldrüse sind merklich gesunken.
  • Nach 15 Jahren: Erst jetzt haben sich Risiko und Gefahr, an einer koronaren Herzkrankheit (siehe oben) zu erkranken, auf das Niveau gesenkt, das auch ein Nichtraucher hat.

Unser Fazit: Schrecken Sie vor diesem langen Weg nicht zurück! Schon in den ersten Phasen der Regeneration sind – trotz aller Nikotin-Entzugserscheinungen, Umgewöhnungen und Versuchungen – erkennbare und spürbare Verbesserungen der Lebensqualität so deutlich, dass sie Ansporn sein sollten. Auch an die wenig und nicht sofort spürbaren Verbesserungen in Sachen Risiken koronarer Herzerkrankungen, Schlaganfall und Krebs darf dennoch (und lobend) gedacht werden. Und last but not least, wenn man sich die gesamte Regenerationsdauer von bis zu 15 Jahren anschaut: wer eher beginnt, hat sie eher hinter sich gebracht!

Die Sache mit dem Gewicht nach dem Rauchstopp

Um eines vorweg zu sagen: Vielen gilt die (wahrscheinliche) Gewichtszunahme als zusätzliches Alibi, um den Plan eines Rauchstopps zu torpedieren und ihn gar nicht erst zur Umsetzung kommen zu lassen. Jedem muss aber eigentlich klar sein, dass die Lebensqualität eines Nichtrauchers und sein deutlich niedrigeres Risiko, an koronaren Herzerkrankungen, Schlaganfall und Krebs zu erkranken, weit gewichtiger sein muss als ein paar Pfunde oder Kilos mehr bzw. als den dagegen aufzunehmenden „Kampf“.

Zum Hintergrund der Gewichtszunahme: Vordergründig und plausibel ist, dass das Stoffwechselgift Nikotin eine sehr anregende Wirkung auf den Stoffwechsel hat. Entzieht man dem Körper das Nikotin bzw. enthält man es ihm, dann senkt sich die Stoffwechseltätigkeit, wodurch der Körper eine recht umfangreiche Umstellung umzusetzen hat. Der Kalorienverbrauch nimmt ab, das Gewicht und die „Pölsterchen“ nehmen zu. Eine französische Klinik-Studie kommt durchaus zu diesen Resultaten, wobei sie „ohne Gegenwehr“ gegen das zusätzliche Gewicht nicht ganz so dramatisch ist, wie es der Volksmund gerne darstellt. Zunächst einmal die gute Nachricht aus dieser Studie: 20% der Ex-Raucher nehmen im ersten Monat nicht zu, sondern sogar ab! Nach einem Jahr sind es immerhin noch 13%, die leichter statt schwerer im Vergleich zur Zeit als Raucher sind. Zugegebenermaßen: es ist nur jeder Fünfte bzw. gar jeder Zehnte, der diese Konstellation aufweist. Alle anderen haben nach dem Rauchstopp folgende Durchschnittswerte: nach einem Monat plus 1 Kilogramm, nach einem Jahr nahezu bei plus 5 Kilogramm. Auch wenn es 14% der Ex-Raucher in dieser Studie nach einem Jahr dann auch über die plus 10 Kilogramm geschafft haben, wollen wir ehrlich sein: all dies sind keine Gründe, einen Rauchstopp hinauszuzögern oder auszusetzen! Und niemand sagt ja auch, dass man nichts gegen diese Gewichtszunahme tun kann oder sollte. Der klassische Ansatz ist dabei: die Zeit, die man für das Rauchen gebraucht hat, sollte man in Sport und Bewegung investieren. Zwei bis drei Stunden Sport und Bewegung pro Woche reichen dabei, das Gewicht dort zu halten, wo es auch beim Rauchstopp war. Eine also nicht nur gewichtshaltende, sondern eine insgesamt sehr gute Investition in die eigene Gesundheit und für die Chance auf ein deutlich längeres Leben!

Buchtipps zur Raucherentwöhnung

* Bildquelle: © Ljupco Smokovski – Fotolia.com

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