Hyperhidrose: wenn man übermäßig schwitzt


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Was ist eine Hyperhidrose und was hilft gegen das übermäßige Schwitzen? *

Ca. 1-2% der Menschen in Deutschland leiden unter der Krankheit Hyperhidrose, also an einem übermäßigem Schwitzen. Dabei wissen nicht nur die Saunagänger, dass Schwitzen eigentlich gesund ist. Die Schweißbildung ist eine wichtige Funktion, denn durch die Verdunstung auf der Haut regelt sie die Körpertemperatur – sowohl auf der Haut als auch im Köperinneren. Demzufolge schwitzen wir bei Abruf erhöhter Leistungen wie Aufregung oder körperlichen  Anstrengung mehr: der Körper reagiert auf die abgerufene Leistung, egal ob sie psychisch oder physisch bedingt ist, mit Kühlung. Bei Betroffenen der Hyperhidrose (Namensgebung aus dem griechischen ὑπέρ (hypér) „noch mehr, über, über … hinaus“ und aus dem griechischen ἱδρώς (hidrós) „Wasser, Schweiß“) liegt eine übermäßige Schweißproduktion vor, auch wenn sie keinerlei geistigen oder körperlichen Anstrengungen ausgesetzt sind.

Basiswissen über die Hyperhidrose

Die meisten Schweißdrüsen finden sich beim Menschen an den Handflächen, den Fußsohlen, in den Achseln und auf der Stirn. Das Schwitzen dient als Regulator der Körpertemperatur auf der Haut und auch im Inneren des Körpers. Jeder weiß und hat es bereits erfahren, dass wir bei einem erhöhten Energieverbrauch des Körpers zu schwitzen beginnen. Dabei meint Energieverbrauch nicht allein körperliche Anstrengen bei Arbeit oder Sport, sondern auch geistigen oder emotionalem Stress, bspw. vor einer Prüfung oder ausgelöst durch eine Situation, die uns als unangenehm oder gefährlich erscheint. Schweiß enthält hauptsächlich Wasser, dazu noch Mineralstoffe wie Kalzium und Magnesium sowie körpereigene Abwehrstoffe.

Andere Drüsen scheiden ein eher fetthaltiges Sekret aus, das unangenehm zu riechen beginnt, wenn es auf Bakterien an der Hautoberfläche trifft. Unabhängig ob mit oder ohne einen unangenehmen Geruch: Eine übermäßige Schweißbildung belastet den Betroffenen und ist von ihm auch nicht steuerbar, sprich eingrenzbar. Denn für die Schweißbildung ist das vegetative Nervensystem zuständig, das sie über die Fasern des sympathischen Nervengeflechts und den Nervenbotenstoff Acetylcholin steuert.

Hintergründe und Folgen der Hyperhidrose

Die Schweißbildung ist also nicht wirklich direkt steuerbar, ein übermäßiges Schwitzen sorgt für eine Belastung des Hyperhidrose-Betroffenen.

Denn die Auswirkungen einer Hyperhidrose sind für den Betroffenen selbst und seine Umgebung spür- und erlebbar – und vor allem seine Wirkung in seiner Umgebung belastet den an Hyperhidrose Erkrankten. Da die Menschen sozusagen von Hause aus unterschiedlich Schwitzen, können die Ursachen für ein übermäßiges Schwitzen vielfältiger Natur sein und vielfältige Gründe haben. Wissenschaftlich gesehen wird das übermäßige Schwitzen übrigens dann erreicht, wenn in einer Achselhöhle mehr als 100mg Schweiß in einem Zeitraum von fünf Minuten abgegeben werden. Man unterscheidet zwei Arten der Hyperhidrose:

Die primäre Hyperhidrose ist angeboren, beginnt bereits im Kindes- oder Jugendalter, tritt mindestens einmal pro Woche, unvorhersehbar und vor allem temperaturunabhängig auf, ist nicht willentlich kontrollierbar, kennt während des Schlafens kein vermehrtes Schwitzen und kennt ähnliche Fälle in der Familie. Die primäre Hyperhidrose ist noch wenig erforscht, somit auch ihre Therapiemöglichkeiten.

Die sekundäre Hyperhidrose ist eine generell gesteigerte Schweißproduktion und kann verschiedene Ursachen haben. Diese sollte dementsprechend mit einem Arzt abgeklärt werden. Mögliche Gründe können eine hormonell bedingte Hyperhidrose sein, die Wechseljahre bei einer Frau, eine Schilddrüsenüberfunktion, eine Hypophysenunterfunktion, unerwünschte Arzneimittelwirkungen, eine Unterzuckerung, chronische Infekte, Störungen im Herz- Kreislaufsystem, Übergewicht oder neurologische oder psychische Störungen.

Als Sonderform der Hyperhidrose gilt der Nachtschweiß, also ein übermäßiges Schwitzen nur während des Schlafens. Ein Anzeichen dafür ist, dass der Schlaf in seiner Qualität deutlich beeinträchtigt wird. Auch hier sollte man einen Arzt konsultieren.

Was tun gegen eine Hyperhidrose?

Vorausgesetzt, dass die Hyperhidrose nicht Symptom und Folge einer (anderen) Erkrankung ist – was zunächst abgeklärt werden sollte – können folgende Tipps helfen, das übermäßige Schwitzen einzudämmen:

  • Bei Übergewicht kann durch eine Gewichtsreduzierung auch die Schweißbildung vermindert werden.
  • Vorsicht und/oder Verzicht auf scharfe Gewürze, Alkohol und Kaffee.
  • Unterwäsche und Strümpfe aus Baumwolle, täglich zu wechseln.
  • Luftdurchlässige Schuhe bevorzugen und nach dem Tragen gut auslüften lassen. Sportschuhe sollten nicht im Alltag getragen werden.
  • Stress und psychische Belastungen möglichst vermeiden oder sie mit Entspannungsübungen eingrenzen.
  • Deodorants können Schweißgeruch verhindern, sind also eher „kosmetischer“ Natur und täglich anzuwenden.
  • Antiperspiranzien oder auch Antitranspirant genannt: Diese Mittel verengen die Schweißdrüsengänge und reduzieren somit tatsächlich die Schweißbildung. Sie werden vor dem Schlafengehen dünn aufgetragen, anfänglich täglich, danach nur noch ein- bis zweimal wöchentlich. Erhältlich sind zudem spezielle Antitranspirantien jeweils für Achseln, Hände und Füße.
  • Bäder oder Salben mit Gerbstoffen können die Schweißabsonderung mindern, hier sollte man sich vom Apotheker beraten lassen.
  • Verschreibungspflichtige Anticholinergika blockieren die Wirkung des Acetylcholins, also eines der Nervenbotenstoffe.
  • Das Nervengift Botulinum-Toxin („Botox“) glättet nicht nur Falten, sondern kann punktuell auch übermäßiges Schwitzen eindämmen. Dazu ist ein erfahrener Arzt notwendig.
  • Eine Gleichstrom-Behandlung (Iontophorese) muss in regelmäßigen Sitzungen über einen längeren Zeitraum erfolgen. Auch dieses Verfahren sollte nur mit einem erfahrenen Arzt durchgeführt werden.
  • Last but not least und durchaus als ultima ratio kommen auch Operationen in Frage, bei denen bspw. im Bereich der Achselhöhlen Schweißdrüsen über einen Hauteinschnitt entfernt werden oder eine operative Manipulation der für das Schwitzen wichtigen Nerven versucht wird. Zu den Chancen und Risiken solcher Eingriffe sowie zur Kostenübernahme durch Krankenkassen muss man sich vom Arzt sehr gut beraten lassen.

* Bildquelle: © Kitty – Fotolia.com

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