Hashimoto Syndrom – Wenn sich die Schilddrüse gegen das eigene Gewebe zur Wehr setzt


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Über die Diagnose und das Leben mit der Autoimmunkrankeit Hashimoto *

Sie betrifft zwei bis dreimal mehr Frauen als Männer, wobei die Erforschung der eigentlichen Ursachen gerade noch in den Kinderschuhen steckt: das Hashimoto Syndrom / die Hashimoto Krankheit, auch als Hashimoto-Thyreoiditis bekannt. Es handelt sich hierbei um eine sogenannte Autoimmunerkrankung, bei der sich das Immunsystem fälschlicherweise auf das Gewebe der Schilddrüse stürzt, dieses angreift und nach und nach zerstört. Leider sind die Symptome anfangs so untypisch, dass sie nicht sofort erkannt, vielmehr sogar beispielsweise als Wechseljahresbeschwerden fehlgedeutet werden können. In Deutschland leiden etwa zehn Millionen Menschen an der chronischen Autoimmunerkrankung. Ihren Namen erhielt die Krankheit durch die Entdeckung im Jahr 1912 des japanischen Arztes Hakaru Hashimoto, der sie erstmals beschrieb.

Symptome des Hashimoto Syndroms

Die Schilddrüse reguliert durch ihre Hormone den Energie-Stoffwechsel im Körper. Im Anfangsstadium der Krankheit kann sich eine Überfunktion der Schilddrüse bilden, diese ist allerdings nicht von Dauer. Grund hierfür ist eine große Menge an Schilddrüsenhormonen, die zu diesem Zeitpunkt durch die Entzündung der Schilddrüse in das Blut abgegeben werden. Zu den Begleitsymptomen der Schilddrüsenüberfunktion gehören unter anderem Schwitzen, Zittern, Herzklopfen, Haarausfall sowie übermäßiger Gewichtsverlust.

Im Laufe der Zeit werden jedoch immer weniger Schilddrüsenhormone an das Blut abgegeben bis die Produktion komplett eingestellt wird und sich erste Symptome einer Schilddrüsenunterfunktion zeigen. Zu diesen gehören beispielsweise Verstopfung, Schwellungen im Gesicht, Heiserkeit, Gewichtszunahme, Müdigkeit und Abgeschlagenheit, trockenes Haar sowie bei Frauen auch Störungen des Monatszyklus. In einigen Fällen kann das Hashimoto-Syndrom auch dazu führen, dass der Kinderwunsch unerfüllt bleibt.

Schwierig: Erkennen und Diagnose eines Hashimoto Syndroms

Da die Symptome nicht unbedingt immer sofort einer Erkrankung der Schilddrüse zugeordnet werden können, sollten die oben genannten typischen Symptome möglichst bei der Diagnose berücksichtigt und mit einer Schilddrüsenunterfunktion / mit einem Hashimoto Syndrom in Verbindung gebracht werden. Der behandelnde Arzt wird den Patienten zunächst ausführlich zu seiner Krankengeschichte befragen und die Schilddrüse abtasten. Im Anschluss erfolgt ein Bluttest, der dazu dient, die Antikörper zu bestimmen sowie Hormonveränderungen festzustellen.

Der sogenannte TSH-Wert soll hierbei Aufschluss über die aktuelle Hormonsituation geben, oft wird außerdem ein erhöhter Cholesterinwert festgestellt. Größe und Struktur der Schilddrüse werden anhand einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ermittelt. In verschiedenen Fällen wird zusätzlich die Entnahme einer Gewebeprobe aus den Organen benötigt, um andere Krankheiten auszuschließen, jedoch reichen die bisherigen Tests in den meisten Fällen aus, um die Diagnose zu festigen.

Wie sehen die Therapiemöglichkeiten und Prognosen aus?

Wurde die Diagnose Hashimoto Syndrom anhand der Untersuchungen bestätigt gilt es, den Haushalt an Schilddrüsenhormonen durch die Einnahme von Medikamenten wiederherzustellen. Da die Krankheit leider nicht heilbar ist, gehört diese Medikation für die Patienten fortan lebenslang zum täglichen Prozedere, jedoch gelingt es den meisten Betroffenen bei durchgehender planmäßiger Einnahme dieser Tabletten, ein völlig normales Leben zu führen. Allerdings sollte es nicht versäumt werden, regelmäßige Blutuntersuchungen sowie halbjährliche Ultraschallkontrollen zur Beobachtung des durchführen zu lassen.

Nebenwirkungen sind im Normalfall nicht zu erwarten. In der Regel wird hier das Schilddrüsenhormon Levothyroxin (L-Thyroxin) verschrieben. Wichtig ist zu wissen, dass durch die Einnahme der Tabletten der Hormonspiegel ausgeglichen wird, die Autoimmunerkrankung Hashimoto Syndrom jedoch bleibt bestehen. Es kann daher vorkommen, dass Beschwerden auftauchen, obwohl hormonell alles in Ordnung ist. Die Beseitigung dieser Beschwerden sollte individuell mit dem Hausarzt abgesprochen werden.

Welche Möglichkeiten gibt es, trotz Hashimoto schlank zu bleiben?

Da es sich beim Hashimoto Syndrom um eine chronische und langfristige Unterfunktion der Schilddrüse handelt und diese mit einer unwillkürlichen Gewichtszunahme einher geht, bedarf es einer strengen Diät, um auch mit der Krankheit das Gewicht halten zu können. Bei der sogenannten Hashimoto – Diät geht es darum, mithilfe einer Kombination aus streng kontrollierter Ernährung und Bewegung die Menge an Energie auszugleichen, die Hashimotopatienten weniger verbrennen. Auch folgt aus dem Hashimoto Syndrom, dass mehr Fett und Kohlehydrate im Körper gespeichert wird mit einer entsprechenden Gewichtszunahme der Betroffenen. Erschwert wird die Mission Ernährung zusätzlich dadurch, dass jede Diät zusätzlichen Stress bedeutet – etwas, das Patienten mit Hormonstörungen gar nicht gebrauchen können.

Der Schlüssel für eine möglichst stressfreie Ernährung besteht in einer langfristigen und schrittweisen Ernährungsumstellung, idealerweise in Kombination mit gezielten Trainingseinheiten, beispielsweise Krafttraining und Ausdauertraining. Auch das Einplanen von regelmäßigen Mahlzeiten kann sehr hilfreich sein, um weiteren Stress zu vermeiden und bewusster zu essen. Auf süße Lebensmittel und Getränke sollte möglichst verzichtet werden, da sie den Blutzuckerspiegel in die Höhe treiben. In Kohlarten wie Grün- oder Rosenkohl sind belastende Enzyme enthalten, diese sollten ebenfalls vermieden werden. Statt auf Kohlenhydrate sollte gezielt auf Eiweiß gesetzt werden. Es wird empfohlen, dazu viel Wasser oder Tee zu trinken. Da Ernährung und Medikation streng aufeinander abgestimmt werden müssen, sollte die Planung möglichst in Absprache mit dem Hausarzt erfolgen.

* Bildquelle: © satyrenko – Fotolia.com

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