Hirnschrittmacher oder Tiefe Hirnstimulation


apotheken-wissen.de: 3D-Animation des Gehirns

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Der Begriff Hirnschrittmacher leitet sich vielleicht vom weitaus bekannteren Herzschrittmacher ab, der eigentliche Fachbegriff für den Hirnschrittmacher ist die Tiefe Hirnstimulation.

Aber der Hirnschrittmacher arbeitet im Grunde genommen ähnlich dem Herzschrittmacher, wenn auch weit komplexer: er stimuliert die fehlfunktionierenden Bereiche im Gehirn, so dass sie wieder regulär(er) arbeiten.

Und der Hirnschrittmacher ist keineswegs neu: er wurde bei Parkinson-Patienten bereits  Anfang der 90er Jahre sehr erfolgreich eingesetzt.

Hirnschrittmacher Anwendungsbereiche

Ein Hirnschrittmacher wird vor allem gegen Parkinson, Essentielle Tremor (Zittern), Dystonie (Verkrampfungen), Rigor (Steifigkeit) oder Bradykinese (Bewegungsarmut) erfolgreich eingesetzt. Da es in Deutschland allein ca. 250.000 Parkinson-Patienten derzeit gibt, wundert die Zahl von derzeit nur wenigen hundert Hirnschrittmachern, die pro Jahr in Deutschland implantiert werden.

Weitere Anwendungsbereiche werden derzeit erforscht und erprobt: Patienten können hoffen, die an Alzheimer, Epilepsie, Depressionen, Zwangsstörungen, Cluster-Kopfschmerzen oder unter dem Tourette-Syndrom leiden.

Zweifelsohne: Ein Patient, der durch einen Hirnschrittmacher von seinen Symptomen in Teilen oder gar weitestgehend befreit wird, erfährt einen ungemeinen Quantensprung in Sachen Lebensqualität!

Hirnschrittmacher: Aufbau und Implantation


Bei einem Hirnschrittmacher handelt es sich um eine oder mehrere lange, dünne Elektroden. Der Neurochirurg setzt diese Elektroden mit höchster Präzision in die betroffenen Bereiche des Gehirns. Die elektrische Stimulation dieser Bereiche erfolgt über diese Elektroden, die mittels unter der Haut verlegten Kabeln mit einem impulsgebenden Steuergerät verbunden sind. Dies befindet sich dann im Brust- oder Bauchbereich und damit können die Impulse variiert oder auch ganz abgeschaltet werden. Je nach Stromfrequenz kann der Gehirnbereich dann aktiviert oder deaktiviert werden. Bei jungen Hirnschrittmacher-Generationen sind diese Steuergeräte mittlerweile wiederaufladbar, die Verbindungskabel dehnbar und vor allem: es können mehrere Bereiche des Gehirns gleichzeitig und in unterschiedlicher Stärke stimuliert werden.

Hirnschrittmacher: Erfolge und Nebenwirkungen

Bei mittlerweile weltweit knapp 100.000 eingesetzten Hirnschrittmachern sind die Erfolge im Allgemeinen und beim Parkinson-Tremor im Besonderen durch viele Studien in den letzten Jahren sehr eindeutig belegt. Die stimulierten Gehirnbereiche und Gehirnzellen verändern sich nicht – auch nicht bei einer bereits sehr lang dauernden Stimulation. Erstaunlich, aber diesen Umstand auch belegend: wird der Hirnschrittmacher abgestellt, treten die ursprünglichen Symptome wieder auf.

Da sich die Gerhirnbereiche durch einen Hirnschrittmacher nicht verändern: ein weiterer Vorteil dieser Therapie ist, dass sie vollkommen reversibel ist, sobald der Hirnschrittmacher wieder entfernt wurde.

Wie generell jeder operative Eingriff ist vor allem die Platzierung der Elektroden im Gehirn nicht gefahrlos. Dank moderner, computer- und GPS-unterstützter Operationstechniken ist aber auch der Weg der Elektroden des Hirnschrittmachers durch das Gehirn bis zu den betroffen Gehirnbereichen sehr sicher geworden.

Psychische Nebenwirkungen durch die Stimulationen sind allerdings auch berichtet worden: dazu zählen Persönlichkeitsstörungen, kognitive Verschlechterungen, Depressionen, Störung der Sprechmotorik oder Hypomanie.

Kann ein Hirnschrittmacher nicht mehr?

Bereits seit 2006 kennt der Nationale Ethikrat das Thema Hirnschrittmacher. Die Therapieerfolge durch die externe „Manipulation“ des Gehirns bzw. einzelner Teile durch den Hirnschrittmacher sind eindeutig, doch einmal weitergedacht: Kann man denn nicht nur ein krankes Gehirn heilen, sondern auch ein gesundes Gehirn verbessern? Werden wir dann alle dauerglücklich, denkstärker, gedächtnisfähiger, leistungsstärker – oder werden wir skrupelloser, aggressiver, berechenbarer oder gar steuerbar? Das sogenannte Neuro-Enhancement, sprich eine externe und manipulative Verbesserung eben auch der „normalen“ Hirnfunktion, ist bereits in der kontroversen Diskussion und wird es auch sicher noch lange bleiben.

Bildquelle:
*: Polygon data are from BodyParts3D, Wikipedia, Polygon data were generated by Life Science Databases (LSDB), Lizenz: Ministry of Education, Culture, Sports, and Technology (MEXT) Integreated Database Project unter Creative Commons Attribution-Share Alike 2.1 Japan-Lizenz.

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