Behandlungsfehler: Anzahl, Bereiche, Anlaufstellen


Ärztliche Behandlungsfehler vor allem bei Operationen - apotheken-wissen.de

Beschwerden über Behandlungsfehler vor allem nach Operationen *

Ärztliche Kunstfehler und Behandlungsfehler: ein aus mehreren Gesichtspunkten heraus sehr sensibles Thema. Die Bundesärztekammer veröffentlichte, dass die Anzahl der Beschwerden über Kunstfehler und misslungene Behandlungen im Jahr 2012 um knapp 10% gestiegen sind. Das hört sich zunächst einmal nach einer nicht guten Entwicklung an. Insgesamt aber relativieren sich die Zahlen, denn man muss sie im Zusammenhang sehen – auch wenn jeder einzelne Fall im sensiblen Thema menschliche Gesundheit ein Fall zu viel ist. apotheken-wissen.de gibt in diesem Gesundheitsbeitrag Auskunft über das Thema Kunstfehler und Behandlungsfehler und gibt Tipps, was im Falle eines Beschwerdeverdachts getan werden kann.

Statistischer Hintergrund zu Behandlungsfehlern

12.000 Beschwerdefälle gingen für 2012 bei der Bundesärztekammer als eine der möglichen Stellen, an die man sich im Falle eines Verdachts auf einen Behandlungsfehler wenden kann, ein. Über 7.000 dieser Fälle wurden bearbeitet und abgeschlossen – und ja: bei einem knappen Drittel der abgeschlossenen Fälle und somit bei ca. 2.300 Fällen in Deutschland lautete das Ergebnis, dass ein Behandlungsfehler vorliegt, von denen knapp 1.900 Fälle eine Entschädigung für den Patienten nach sich zogen. Bei ca. 80 Patienten führte ein Behandlungsfehler zum Tod. Weitere gut 30.000 Beschwerdefälle gibt es bei den anderen Stellen (siehe unten), an die man sich wenden kann. Die Behandlungsfehler-Quote aus den Zahlen der Bundesärztekammer zugrunde legend und auf die anderen Stellen angewendet und aufaddiert: man kann von ca. 9.000 anerkannten Behandlungsfehlern in Deutschland im Jahr 2012 ausgehen.

Hier muss jedoch zurecht das erste „Aber“ gesetzt werden: die Bundesärztekammer verweist auf über 550 Millionen Behandlungen in Kliniken (ca. 18 Millionen) und Praxen (ca. 540 Millionen). Demzufolge ist die Behandlungsfehler-Rate von 0,001% bei 9.000 anerkannten Behandlungsfehlern und über 550 Millionen Behandlungen  verschwindend klein und spricht für den hohen ärztlichen / medizinischen Standard und die hohe Qualität in Deutschland. Auch wenn – und das sei ausdrücklich hinzugesagt – jeder einzelne und vor allem jeder vermeidbar gewesene Behandlungsfehler für den Betroffenen schwerwiegend und in jedem Fall und immer ein Behandlungsfehler zu viel ist. Schließlich geht es um eines der sensibelsten Themen in unserer Gesellschaft: der Wiederherstellung und dem Erhalt der Gesundheit.

Behandlungsfehler: welche sind wo die Spitzenreiter?

Bleiben wir bei den Statistiken der Bundesärztekammer: in Kliniken betreffen die Behandlungsfehler am häufigsten die Chirurgie und Orthopädie, gefolgt von der Inneren Medizin und der Gynäkologie. In den Praxen der niedergelassenen Ärzte liegen die meisten Fälle ebenfalls bei den chirurgischen Eingriffen, hier aber gefolgt von den Hausärzten, Augenärzten und den Internisten.

Welche Behandlungen ziehen die meisten anerkannten Behandlungsfehler nach sich? Führend sind die Behandlungen von Verschleißerscheinungen bei Knien und Hüften (Kniegelenksarthrosen, Hüftgelenksarthrosen) und den Behandlungen von Brüchen der Unterarme, Unterschenkel und Sprunggelenke. In Zahlen bedeutet dies, wieder bezogen auf die Auswertungen der Bundesärztekammer und bezogen auf Behandlungen in Krankenhäusern:

  • Unterschenkel- und Sprunggelenksfrakturen: 70 anerkannte Behandlungsfehler resultierten aus über 140.000 Behandlungen
  • Kniegelenksarthrose: 65 anerkannte Behandlungsfehler resultierten aus über 200.000 Behandlungen
  • Hüftgelenksarthrose: 60 anerkannte Behandlungsfehler resultierten aus über 160.000 Behandlungen
  • Unterarmfrakturen: 55 anerkannte Behandlungsfehler resultierten aus knapp 140.000 Behandlungen
  • Oberschenkelfrakturen: 50 anerkannte Behandlungsfehler resultierten aus über 160.000 Behandlungen

Ergänzt sei an dieser Stelle auch eine inhaltliche Wertung der Beschwerden: Vielfach basieren die anerkannten Behandlungsfehler auf der Basis, dass nicht exakt und gut genug gearbeitet wurde, also eine weitere oder durchschnittlich längere Nachbehandlung erfolgten musste. Insofern ist hier sogar in der Regel „nur“ von einem Behandlungsfehler mit einer vorübergehenden Auswirkung auszugehen.

Offenheit und Dokumentationen helfen, Behandlungsfehler zu senken

Die erste Offenheit beim Thema Behandlungsfehler wird landläufig noch immer in Frage gestellt: wie offen spricht der Arzt eigentlich nach einer nicht ganz dem Ziel entsprechenden Behandlung mit dem Patienten über dieses Thema. Menschlich ist, das Ergebnis der eigenen Arbeit nicht zu negativ zu kritisieren bis hin zu klaren Aussagen, es wären einem Fehleinschätzungen, Nachlässigkeiten oder gar klare Fehler während der Behandlung unterlaufen. Menschlich ist ebenfalls, obwohl es um eines der höchsten menschlichen Güter geht, die einer solchen Aussage nachfolgenden Verfahren möglichst zu vermeiden.

Innerhalb der Ärzteschaft, der Klinik- und Praxisbetriebe und des gesamten Gesundheitswesens gibt es zwei wirksame Maßnahmen, um die Anzahl der Behandlungsfehler zu senken. Obwohl auch in diesen Bereichen viel unternommen wurde und unternommen wird, sehen manche hier noch einen Nachholbedarf. Auch hier ist Offenheit (gegebenenfalls auch eine Offenheit durch Verordnung und Verpflichtung) die Basis: aus intensiveren Dokumentationen, einem intensiveren Austausch und Meldesystemen – trotz allem Personalmangel, Kostendruck und Umfang der bereits heutigen Verwaltungsaufgaben für Mediziner und medizinisches Personal – über Behandlungsfehler und Beinahe-Behandlungsfehler und ihren sich daraus ergebenden Statistiken können Erfahrungswerte und neues Wissen generiert werden. Diese Maßnahmen werden zwar durchaus und per Verordnung und Gesetzt durchgeführt, jedoch sind sie ebenso wie damit auch ihre Auswertungen nicht soweit standardisiert und vereinheitlicht, dass sie im Sinne der Medizin und der Patienten ein optimales Bild ergeben können.

Linktipps: Anlaufstellen bei einem Behandlungsfehler-Verdacht

Patienten und Betroffene, die einen Verdacht auf einen Behandlungsfehler hegen, können sich an folgende Stellen wenden:

* Bildquelle: Martin Büdenbender  / pixelio.de

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