Die Einsatzgebiete der manuellen Lymphdrainage und die Wirkungsweise der Behandlungsmethode


Manuelle Lymphdrainage - apotheken-wissen.de

Beispiel einer manuellen Lymphdrainage am Knie *

Die manuelle Lymphdrainage wird sehr oft bei Schwellungen von Armen oder Beinen nach Krebs-Operationen eingesetzt. Häufig werden im Rahmen dieser OPs die Lymphknoten in der Achselhöhle oder der Leiste mit entfernt, je nach Lage der Geschwulst. Die Lymphflüssigkeit kann nicht mehr richtig abfließen, demzufolge schwellen Arme oder Beine an. Hier schafft die manuelle Lymphdrainage, abgekürzt MLD, sehr oft Abhilfe. Aber es gibt weitaus mehr Einsatzgebiete der Therapieform. apotheken-wissen.de informiert in diesem Gesundheitsratgeber über weitere Einsatzgebiete der manuellen Lymphdrainage und die Wirkungsweise dieser physikalischen Behandlungsmethode.

Zungengrund-, Mundboden- oder Kehlkopf-Karzinome

Bei Zungengrund-, Mundboden- oder Kehlkopf-Karzinomen kann es notwendig werden, die Lymphknoten im Hals- und Ohrenbereich zu entfernen. Durch diesen Eingriff schwillt allerdings das Gesicht stark bis sehr stark an. Der Therapeut arbeitet in dem Fall auf der gesunden Seite (die Stelle, an der kein chirurgischer Eingriff erfolgte) und transportiert die Lymphflüssigkeit von einer Seite zur gegenüberliegenden. Dies geschieht mit bestimmten Griffen, leichtem Druck, Schiebe- und Kreisbewegungen. Die Geschwindigkeit richtet sich nach dem Atemtempo bzw. der Herzfrequenz.

Phlebödeme und Lipödeme

Weitere Einsatzgebiete der manuellen Lymphdrainage sind angeborene Lymphödeme, Venenödeme (Phlebödeme) sowie Lipödeme (falsche Fettbildung). Lipödeme sind an den typischen „Reiterhosen“ zu erkennen. Dabei ist der Oberkörper schmal bis normal ausgebildet, die Hüften und der Po sind ausladend, die Oberschenkel sehr dick und die Unterschenkel können mäßig dick ausfallen.

Betroffene können nicht einfach durch eine Ernährungsumstellung abnehmen. Fettabsaugen darf nur minimalinvasiv in speziellen Kliniken durchgeführt werden. Die Fettzellen vermehren sich und lagern sich im Bereich von Hüfte, Po und Oberschenkeln ein. Das bedeutet Mehrarbeit für Lymphbahnen und -knoten. Die MLD unterstützt hier den Abfluss der Lymphflüssigkeit und den Stoffwechsel.

Phlebödeme entstehen meist in Verbindung mit Krampfaderleiden und sind sehr schmerzhaft. Die Schwellungen treten an den betroffenen Beinen auf. Häufig kommt es nach Venenentzündungen oder Thrombosen zu Phlebödemen. Weil die Patienten sehr druckempfindlich sind, muss hier sehr vorsichtig gearbeitet werden. Das gilt insbesondere für das Bandagieren.

Angeborenes Lymphödem

Beim angeborenen Lymphödem fehlen Lymphknoten oder –gefäße. Meist tritt dieses auf einer Seite stärker auf. Es kann im Laufe der Jahre durch Wundrosen (Erysipele), fehlerhafte Be- und Überlastung, Hitzeeinwirkung (Sonne, Solarium, Sauna) schlimmer werden. Die manuelle Therapie ist beim angeborenen Lymphödem bisher die einzige wirksame Behandlungsmöglichkeit. Die anderen Ödemformen können unterstützend maschinell „gelympht“ werden. Doch die MLD ist in Kombination mit der Bandagierung und Bestrumpfung besonders effektiv gegen die Schwellung.

Behandlung – So läuft eine manuelle Lymphdrainage ab

Mit der manuellen Lymphdrainage (kurz: MLD) werden die gestauten Extremitäten entstaut. Dies geschieht mittels langsamer, streichender und kreisender Bewegungen. Bestimmte Atembewegungen unterstützen die Behandlung. Diese werden im Rahmen der Therapie durch die Patienten erlernt, z. B. die Bauchtiefatmung. Der Physiotherapeut richtet sich beim Behandlungstempo nach dem Atemrhythmus bzw. dem Herzschlag des Patienten.

Zu keiner Zeit wird bei der Lymphdrainage, wie oft befürchtet, eine Spritze gesetzt, ein Schlauch implantiert oder auf ähnliche Weise Lymphflüssigkeit abgeleitet. Die Entstauung geschieht lediglich durch die besondere Massagetechnik, die von Prof. Földi/Herrn Asdonk entwickelt und durch Dr. Vodder weiterentwickelt wurde. Prof. Földi legte auch die klinisch relevanten Studien zur Wirksamkeit der MLD vor.

Der Therapeut arbeitet bei der MLD immer von unten nach oben. Bei jeder Behandlung wird der Venenwinkel am Hals entstaut, um den natürlichen Lymphabfluss zu unterstützen. An den Armen wird in Richtung des Venenwinkels gearbeitet. Ist das Gesicht (mit) betroffen, führt der Therapeut auch entsprechende langsame Streichungen, kreisförmige Bewegung und Griffe mit leichtem Druck aus.

Nach der MLD, die zwischen 30 und 60 Minuten dauern kann, wird das Tragen von Kompressionsstrümpfen, -Strumpfhosen oder zumindest das Bandagieren mit Lang- und Kurzzugbinden in einer speziellen Technik von unten nach oben empfohlen.

* Bildquelle: gemeinfrei / Wikipedia

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