Hyaluron: Hintergrund, Einsatz, Wirkung, Risiken


Hyaluron, Hyaluronsäure: Hintergrund, Einsatz, Wirkung - apotheken-wissen.de

Wundermittel Hyaluron? *

Bei ästhetischen und orthopädischen Behandlungen fällt immer wieder der Name Hyaluron oder Hyaluronsäure, abgekürzt auch HA genannt. Gerne wird es – auch aus Kreisen der Schönheits- und Kosmetikindustrie – als ein „Wundermittel“ bezeichnet, denn das Zuckermolekül, das vor allem gegen Falten und bei Gelenkbeschwerden wie Arthrose eingesetzt wird, gilt vielen als sehr effizientes Heilmittel. Es soll die Haut glätten, es soll Falten auffüllen, Hyaluronsäure ist Bestandteil der Gelenkflüssigkeit und dient somit als Schmiermittel für die Gelenke – vor allem bei den Kniegelenken, kann künstlich hergestellt und durch Injektionen als Schmiermittel „aufgefüllt“ werden. Ebenso ist Hyaluronsäure Bestandteil etlicher Kosmetikprodukte und Cremes. Viele Befürworter rufen aber auch gerne kritische Stimmen auf den Plan, die den Hyaluron-Einsatz nicht immer als sinnvoll betrachten. apotheken-wissen.de gibt in diesem Gesundheitsbeitrag einen Überblick über das Stichwort Hyaluron, seinen Hintergrund, seine Einsatzmöglichkeiten und seine Wirkungen.

Was ist Hyaluron?

Hyaluron oder Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestandteil unseres Körpers: es ist ein Zuckermolekül, das sich vor allem durch eine bestimmte Eigenschaft auszeichnet, die der Körper sehr gut zu nutzen weiß. Es kann große Mengen an Wasser binden, man sagt bis zu 6.000 mal mehr, als sein eigenes Gewicht beträgt. Oder umgerechnet: ein Gramm Hyaluron kann bis zu sechs Liter Wasser binden. Demzufolge ist auch klar, wo und wozu es im Körper dient: große Mengen an Hyaluron sind in unserer Haut, um sie prall und geschmeidig zu halten. Seine Eigenschaften werden auch in unseren Gelenken zu großen Nutzen: als Schmiermittel und zur Dämpfung. Wasserspeicherung und Druckbeständigkeit sind also seine herausragenden Merkmale.

Auch wenn durch seine hautglättende und faltenreduzierende Wirkung Hyaluron oftmals mit der kosmetischen und ästhetischen Therapie in Verbindung gebracht wird: der weitaus größere Anteil an Hyaluron-Präparaten wird in der Orthopädie mit Blick auf Schmierung und Dämpfung der Gelenke eingesetzt.

Produktion des körpereigenen und künstlichen Hyalurons

Jede Zelle unseres Körpers produziert stetig reines Hyaluron, denn die Lebenszeit des Zuckermoleküls ist kurz und beträgt nur wenige Tage bis zu seinem vollständigen Abbau. Deshalb muss und wird es in hohem Maße vom Körper ständig neu produziert. Diese Neuerstellung nimmt mit zunehmendem Alter jedoch ständig ab, der Körper produziert somit immer weniger Hyaluron. Demzufolge, und diese beiden Effekte sind ja landläufig bekannt: die Haut verliert an Geschmeidigkeit und wird faltiger, die Gelenke sind immer weniger ausreichend geschmiert und gedämpft.

Wie entsteht künstliches Hyaluron? Die Basis für die biotechnologische Herstellung von Hyaluron sind Bakterienkulturen, die in chemischen Prozessen und in Verbindung mit weiteren Substanzen stabilisiert werden. Grundsätzlich gilt hier die Warnung vor Billiganbietern und zusätzlich sollte Wert darauf gelegt werden, den Einsatz und die Einbringung von künstlichem Hyaluron nur von einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker durchführen zu lassen.

Einsatz von Hyaluron in der ästhetischen Therapie

Hier ist der kontroversen Diskussion natürlich ein besonders breiter Raum gegeben: soll man, muss man, darf man und in oder ab welchem Alter Haut, Straffheit und Konturen künstlich auffrischen, verschönern und jung halten? Was ist der Preis (mit Blick sowohl auf die Gesundheit als auch auf den Geldbeutel) für eine wieder aufgefrischte Jugend oder Schönheit? Was sind die Risiken, was muss und sollte abgewägt werden?

Eines gilt als sicher: nahezu alle Kosmetikprodukte und Cremes, die künstliches Hyaluron enthalten, können einen kurzzeitigen Effekt haben. Aber das reine künstliche Hyaluron durchdringt ohnehin nicht die Haut und somit befinden sich auf diesem Wege nur Fragmente des Hyaluron, die beileibe nicht in die Tiefe vordringen und den körpereigenen Bestand an Hyaluron so nachfüllen können,  dass auf diesem Wege nachhaltig Faltenbildungen verhindert oder  Hautstraffungen stattfinden können. Insofern kommen im Bereich der Hautstraffung und Faltenreduzierung nur Injektionen (Faltenunterspritzung) infrage, die die großen Hyaluron-Moleküle in die entsprechenden Tiefen bringen können. Wichtig ist dabei, dass schrittweise und mit möglichst jeweils kleinen Mengen vorgegangen wird. Hauptanwendungsgebiete sind dabei Modellierung und Faltenunterspritzungen an der Stirn, zwischen Nase und Mund (Nasolabialfalten), bei den Augen- und Mundwinkeln und bei den Lippen. Die Haltbarkeit dieser Behandlungen liegt zwischen sechs und zwölf Monaten und muss dann aufgestockt oder komplett erneuert werden.

Da die injizierten Hyaluron-Moleküle grundsätzlich auch große Volumen füllen können, werden sie neben Falten und Haut auch für großflächigere und großvolumigere Modellierungen und Aufbauten eingesetzt: Po, Waden, Busen oder auch bei eingefallenen und sehr unebenen Hautpartien oder für eingesunkenes Narbengewebe. Dazu werden Präparate auf nicht-bakterieller, stabilisierter Hyaluronsäure-Basis (NASHA) eingesetzt, die nach ca. einem Jahr sukzessive aufgefrischt werden und bis zu drei Jahren halten können.

Einsatz von Hyaluron in der orthopädischen Therapie

Der Hauptbestandteil der Gelenkflüssigkeit (Fachbegriff Synovia) ist nicht von ungefähr die Hyaluronsäure: sie dient als Schmiermittel und zur Dämpfung. Dabei hat sie weitere besondere Eigenschaften: ihre Oberfläche haftet besonders gut an Knorpel und die Viskosität des Hyalurons, also wie zähflüssig oder dünnflüssig die Hyaluronsäure ist. Je nach den Kräften und Funktionen, die ein Gelenk zu nehmen und zu übernehmen hat, passt sich die Hyaluronsäure hierbei mit einer entsprechenden Viskosität an.

Demzufolge wird künstliches Hyaluron in Gelenke injiziert, die nicht mehr ausreichend geschmiert oder die nicht mehr ausreichend gedämpft sind. Schmerzen und zunehmende und immer schlechter oder langwierig abheilende Entzündungen sind hier die Symptome. Eine Hyaluron-Therapie, wobei auch durchaus größere Menge gespritzt werden oder Depots im Gelenk abgelegt werden können, erfolgt in der Regel in drei bis fünf Sitzungen innerhalb von fünf bis zehn Tagen. Bereits in einem sehr frühen Stadium einer Arthrose kann eine Hyaluronsäure-Behandlung beginnen. Was aber auch hier festzuhalten ist, wobei es bei einer orthopädischen Indikation sicher nicht um die Frage „Jung und schön“, sondern um Schmerzlinderung, verbesserte Mobilität und einer damit wieder höheren Lebensqualität geht: Hyaluron baut die natürliche Dämpfung in einem Gelenk, also den Knorpel, nicht wieder auf. Hyaluronsäure bekämpft also nicht die Ursache, sondern mildert die Folgen.

Risiken einer Hyaluron-Behandlung

Weiter oben und vor allem mit Blick auf den Einsatz von Hyaluronsäure in Sachen Ästhetik haben wir bereits formuliert: Grundsätzlich gilt hier die Warnung vor Billiganbietern und zusätzlich sollte Wert darauf gelegt werden, den Einsatz und die Einbringung von künstlichem Hyaluron nur von einem erfahrenen Arzt oder Heilpraktiker durchführen zu lassen. Ferner sollten sich alle sehr gut vorberaten lassen, die unter Wundheilungsstörungen oder Allergien leiden, die blutverdünnende Medikamente nehmen müssen, die eine Neigung zu überschießender Narbenbildung haben oder an einer Autoimmunerkrankung leiden.

Kosten einer Hyaluron-Behandlung

Eine Hyaluron-Behandlung, vor allem bei einer ästhetischen Indikation, muss in der Regel aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Privat Versicherte sollten im Vorwege mit ihrer Kasse sprechen. Die Kosten je Anwendungsbereich sind ebenfalls unterschiedlich – und es mag hier auch irgendwie auffällig sein, dass „kleine“ Behandlungen aus dem Bereich der Schönheit deutlich teurer sind als „große“ Behandlungen aus dem orthopädischen Bereich: eine Spritze ins Kniegelenk kostet ab 40 Euro, wenn sie mit einer Depotwirkung ausgestattet ist, liegt sie bei 200 bis 300 Euro. Für eine Unterspritzung der Nasolabialfalten (Falten zwischen Nase und Mund) bezahlt man ab 450 Euro. Bei diesem Vergleich wird man den Eindruck nur schwer los, dass Schönheit teurer ist als Schmerzlinderung.

* Bildquelle: © PhotoSG – Fotolia.com

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