Chronische Krankheiten behandeln


Müdigkeit bei Hypophosphatasie

Wo andere Krankheiten durch die richtige Behandlung heilbar sind, bleibt bei chronischen Erkrankungen nur behandeln und lindern *

Chronische Krankheiten sind eine Belastung für Körper und Seele, denn wo andere Krankheiten durch die richtige Behandlung heilbar sind, bleiben sie eben nur eins: behandelbar. Wir können gegen die Symptome angehen und es der Person ermöglichen, ihren Alltag besser zu bestehen. Aber den Ursprung der Krankheit werden wir nie oder erst durch neue medizinische Erkenntnisse therapieren können. Wovon sprechen wir, wenn es darum geht, eine chronische Krankheit zu behandeln?

Die Varianz von chronischen Krankheiten

Eins vorweg: Keine chronische Krankheit ist wie eine andere, und auch bei zwei Betroffenen unterscheiden sich Symptome und wirksame Therapien häufig. Für jede Erkrankung und jeden Patienten gibt es also eine spezifische Behandlung, die sich nicht universell auf andere anwenden lässt. Hier gibt es einen Überblick über allgemeine Behandlungsstrategien anhand des Beispiels von HPP (Hypophosphatasie).

Hypophosphatasie

Die Hypophosphatasie, kurz HPP, ist eine seltene Stoffwechselerkrankung. Sie kann Kinder und Erwachsene gleichermaßen betreffen. Ihr Ursprung ist ein Fehler in unserem Erbgut. In diesem Fall entwickelt sich die alkalische Phosphatase (AP) nicht korrekt. Sie ist ein Enzym, das wir für einen stabilen Knochenaufbau benötigen. Bei Patienten mit HPP kommt das Enzym zwar vor, aber es führt seine Ausgabe – die Spaltung von Pyrophosphat in zwei Phosphatmoleküle – nicht richtig aus.

  • Als Folge daraus kann sich Kalzium nicht an genügend Phosphat binden und mit diesem in den Knochenaufbau integriert werden. Die Knochen werden daraufhin weich und schwach.
  • Gleichzeitig können sich das nicht eingebaute Kalzium oder Phosphat aus diesen Abläufen in den Nieren, Muskeln, Gelenken und anderen Organen der Betroffenen ansammeln und dort Beschwerden hervorrufen.

Wie viel AP vorliegt und wie gut dieses seine Aufgabe macht, schwankt bei den Erkrankten im Laufe ihres Lebens. So kann es vorkommen, dass Personen erst im Erwachsenenalter Probleme entwickeln und diagnostiziert werden. Die Probleme kommen nicht nur in den Knochen und Zähnen vor, sondern machen sich auch in den betroffenen Organen bemerkbar. Diese vielfältigen Symptome an vielen verschiedenen Stellen machen es schwer, die Krankheit als zusammenhängendes Geschehen zu erkennen.

Symptome

Die häufigsten Symptome zeigen sich in Knochen, Zähnen, Muskeln, Gelenken, Lungen, Gehirn, Nieren und dem Magen-Darm-System. Dadurch können sie den Alltag auf unterschiedliche Arten und Weisen negativ beeinflussen. Eine Reihe dieser Symptome sind:

  • häufige Brüche & mangelhafte Knochenheilung
  • gekrümmte Beine
  • Knochenschmerzen
  • Zahnverlust, schlechte Zähne, Zahnfleischerkrankungen
  • Muskelschwäche & -schmerzen
  • Gelenkentzündungen, gichtähnliche Probleme
  • Beatmungsnotwendigkeit bei Kleinkindern durch unterentwickelte Lungen
  • Schädeldeformierungen
  • Kopfschmerzen, Krampfanfälle
  • Depressionen, Ängste
  • mangelnde Nierenfunktion, Nierenversagen, Verkalkungen und Nierensteine
  • Appetitlosigkeit, Übelkeit, Unverträglichkeiten
  • Verdauungsprobleme, Durchfall, Verstopfung
  • Schluckbeschwerden, Erbrechen und Gedeihstörungen bei Säuglingen

Auswirkungen auf den Alltag

All diese Symptome können eine starke Einschränkung im Alltag sein. Fast jeder dritte Patient mit HPP benötigt eine Gehhilfe, jeder fünfte einen Rollstuhl. Frühzeitig ausfallende Zähne benötigen oft kostspieligen Zahnersatz. Dauerhafte Schmerzen sind ein auslösender Faktor für chronische Erschöpfung und Depressionen. Auch ein dauerhaftes Anhalten von Appetitlosigkeit und Verdauungsstörungen ist eine hohe körperliche und psychische Belastung.

Das frühe Zurückgreifen auf Gehhilfen und Zahnersatz kann zusätzlich eine psychische Belastung sein, da unsere Gesellschaft hohen Wert auf gesunde Zähne und Mobilität legt. So hat die HPP eine Auswirkung auf körperliche Leistung, aber auch die Stimmung und Konzentrationsfähigkeit der Betroffenen. Tägliche Geschehen wie Schule, Arbeit, Einkäufe tragen und Treppen gehen können stark eingeschränkt sein. All diese Dinge sind wiederum eine Auswirkung auf die berufliche Karriere eines Menschen.

Therapieansätze

Bei HPP geht es in der Behandlung darum, die Schmerzen des Patienten zu mindern, die negativen Folgen der Krankheit abzufangen und psychischen Beistand zu leisten. Für die Therapie von chronischen Krankheiten allgemein sind zwei von diesen Behandlungsansätzen universell anwendbar. Während sich einzelne Symptome unterscheiden, sind die meisten chronischen Krankheiten mit Schmerzen und psychischen Beschwerden verbunden.

Schmerztherapie

Schmerzmittel sind zwar kein Werkzeug, um die Krankheit selbst zu bekämpfen, aber mit dem Eliminieren oder Mindern von Schmerzen helfen sie uns dabei, ein lebenswertes Leben zu führen. Eine gute Schmerztherapie ist selten nur die Gabe eines Schmerzmittels. Meistens wird sie durch Krankengymnastik, Ernährungspläne und alternative Ansätze ergänzt. So erhalten Betroffene zum Beispiel durch Meditation die Fähigkeit, sich weniger auf vorhandene Schmerzen zu fokussieren oder können sich entzündungshemmend ernähren.

Psychotherapie

Auch, wenn eine chronisch kranke Person nicht gezielt für ihre Krankheit angegriffen wird, bedeutet das nicht, dass sie kein Stigma erlebt. Unsere Welt ist in den meisten Fällen nicht auf die Bedürfnisse von eingeschränkten Personen ausgerichtet. Behindertengerechte Architektur ist hierfür nur ein erster Ansatz. Oft wird von chronisch Kranken, ob gewollt oder unterbewusst, verlangt, dass sie das Gleiche leisten, wie ihre gesunden Mitmenschen.

Je weniger man einer Person ihre Einschränkung ansieht, desto mehr wird von ihr verlangt, als sie geben kann. Dabei sind wir als Mensch darauf konditioniert, so funktionieren zu wollen, wie andere. Viele Menschen mit chronischen Krankheiten haben deshalb, durch sich selbst, ihr Umfeld und die Medien, Probleme damit, ihre Einschränkungen als gerechtfertigt zu erkennen.

Etliche erkrankte Menschen leben zusätzlich zu Schmerzen und Ängsten mit Schuldgefühlen, Druck und einem niedrigen Selbstwert. Das Ergebnis davon ist es oft, dass sie mehr leisten wollen als sie können, und daraufhin ihre negativen Symptome verstärken. Es ist ein wichtiges Werkzeug zu erkennen, wo Grenzen liegen, und wie man sich effektiv schont, ohne Schuldgefühle.

Das Entwickeln einer Depression ist durch die Beschwerden der Krankheit und ihre psychischen Belastungen, durch Ausgrenzung und Erwartungshaltungen, häufig vorprogrammiert. Es hilft in diesem Rahmen direkt bei Diagnose der Krankheit auch eine psychotherapeutische Behandlung einzugehen, um Akzeptanz und Resilienz zu steigern. Auch die offene Kommunikation mit seinem Umfeld über Einschränkungen und Bedürfnisse ist wichtig, damit diese die Symptome verstehen und einplanen können.

* Bildquelle: Sora Shimazaki / pexels.com

Pin It

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.