Alarm Zika–Virus, WHO ruft globalen Gesundheitsnotstand aus


Tigermücke - apotheken-wissen.de

Einer der Überträger des Zika-Virus: die Tigermücke *

In den letzten Tagen und Wochen kam man in den Nachrichten an immer neuen Schreckensmeldungen nicht vorbei. Das sogenannte Zika–Virus hat offenbar jetzt seinen Weg nach Deutschland gefunden. Doch was ist das Zika–Virus eigentlich, wo kommt es her und wie sehen die Auswirkungen aus? Fragen, auf die wir aktuell dringend die Antwort suchen, nachdem sich seit dem Frühjahr 2015 allein in Lateinamerika über eine Million Menschen mit diesem Virus infiziert haben und jetzt auch in Deutschland die ersten Fälle auftauchen. Erste Stimmen werden mit der Empfehlung für schwangere Frauen laut, die betroffenen Gebiete, speziell die Olympischen Sommerspiele in Rio zu meiden. Dies alles reichte nun der Weltgesundheitsorganisation WHO aus, um in Genf den globalen Gesundheitsnotstand auszurufen, nicht zuletzt deshalb, weil eine Infektion mit dem Zika–Virus vermehrt als Ursache für das Auftreten von Schädelfehlbildungen (Mikrozephalie) bei Neugeborenen angesehen wird.

Was genau ist das Zika–Virus?

Seinen Namen verdankt das Virus der Forschungsarbeit von Wissenschaftlern im Zika–Wald bei Entebbe in Uganda. Dort wurde das Virus erstmalig bei einem Affen diagnostiziert und festgestellt, dass die Mücke Aedes aegypti bei einem Stich einen entsprechenden Erreger auf Menschen überträgt. Die gute Nachricht ist, dass eine Infektion mit dem Zika–Virus normalerweise relativ komplikationslos verläuft, lediglich bei rund 20 Prozent der Patienten äußert sich das Krankheitsbild in Form von Hautausschlag, leichtem Fieber oder auch Gelenk- bzw. Kopfschmerzen. Anders verhält es sich bei Schwangeren, da sich das Virus auf das ungeborene Kind überträgt und schlimmstenfalls dort zu Fehlbildungen des Kopfes kommen kann. Dies wirkt sich speziell auf die Kopfgröße aus, die bei betroffenen Neugeborenen deutlich unter der Normalgröße liegt. Auch Menschen mit Immunstörungen oder anderen chronischen Erkrankungen wird derzeit zu erhöhter Vorsicht geraten. Im Zweifelsfall sollte man sich vor dem Antritt einer Reise mit dem Hausarzt beraten. Übertragen wird das Virus durch die Gelbfiebermücke, die asiatische Tigermücke oder auch durch Blut bzw. Körperflüssigkeiten von Mensch zu Mensch. Letzteres zeigt bspw. der erste Fall in Deutschland, bei dem das Virus durch Geschlechtsverkehr übertragen wurde. Einen Impfstoff oder Therapien gegen das Virus gibt es nicht, man hat lediglich die Möglichkeit, die Beschwerden durch fiebersenkende Medikamente sowie Schmerzmittel zu lindern.

Eine Infektion mit dem Zika-Virus verläuft in der Regel symptomlos, soll heißen, dass eine Zika-Infektion einen eher milden Verlauf nimmt. Nur ein Viertel der Betroffenen entwickelt überhaupt Symptome (z. B. erhöhte Körpertemperatur, Hautausschlag, Kopfschmerzen, Bindehautentzündung). Symptomlos muss aber nicht unbedingt förderlich sein, weil man eine dann doch nicht reibungslos verlaufende Viruserkrankung erst spät erkennen kann.

Was bedeutet der Begriff globaler Gesundheitsnotstand?

Dieser Begriff ist als formaler Akt zu betrachten und hat nichts mit Aufbruchsstimmung oder gar Massenpanik zu tun. Vielmehr bedeutet dies, dass der Haupteinfluss und die Verantwortung nun vollständig in die Hände der WHO gelegt werden. Dadurch erhält die Weltgesundheitsorganisation die globale Kompetenz, Vorschriften für den Umgang mit der Krankheit zu erlassen, Vorgänge zu koordinieren und damit eine weltweit einheitliche Vorgehensweise zu erstellen, was in welchen Fällen zu tun ist. Auch Staaten außerhalb der betroffenen Gebiete können dadurch angewiesen werden, Maßnahmen gegen die Verbreitung des Virus zu ergreifen. Dieses Modell trat letztmalig 2014 beim Ausbruch der Ebola–Epidemie in Kraft.

Nichtsdestotrotz stellt das Bundesministerium für Gesundheit in dieser Meldung über das Zika-Virus fest: In der Regel heilt die Infektion folgenlos ab. Schwere Verläufe sind selten. Todesfälle, die unmittelbar auf eine Zika-Virus-Infektion zurückgehen, sind nicht bekannt.

Wo ist das Zika–Virus bisher verbreitet?

Laut WHO trat das Virus seit 2015 bereits in 25 Ländern auf, in diesem Zeitraum gelten 270 Fälle von Kopffehlbildungen bei Neugeborenen als bestätigt. Hauptbetroffene sind nach wie vor die Einwohner Brasiliens und Kolumbiens. Ebenfalls wurden Gefährdungen aus vielen Regionen Lateinamerikas wie zum Beispiel Costa Rica, Bolivien, Ecuador, der Dominikanischen Republik, Guatemala, Mexico, Puerto Rico oder auch Venezuela registriert. Wer eine Reise plant, kann sich in den Medien informieren, welche Länder genau betroffen sind. Durch Reisende wurde das Virus auch in Großbritannien, Deutschland und in die USA eingeschleppt. Allerdings gibt es beruhigende Meldungen, dass keinerlei Anzeichen für eine Übertragung durch in Deutschland lebende Moskitos vorliegt. Die Gefahr, dass sich das Virus hier ansiedelt, ist also nicht gegeben. Reisenden, die aus betroffenen Ländern zurückkehren, wird empfohlen, anhand eines Bluttests feststellen zu lassen, ob eine Infektion mit dem Zika–Virus vorliegt. Ansonsten gelten im Zweifelsfall ganz normale Vorsichtsmaßnahmen wie Insektensprays, stichfeste Kleidung, um einer Übertragung durch Insekten vorzubeugen.

Im Allgemeinen gibt es keinen Grund, sich anders zu verhalten als sonst, da es vor längeren Reisen generell sinnvoll ist, sich bezüglich Impfungen und Vorsichtsmaßnahmen mit dem Hausarzt zu unterhalten. Im Falle einer geplanten Schwangerschaft ist es jedoch angeraten, diese Pläne auf den Zeitpunkt nach einer Reise in gefährdete Gebiete zu verschieben, um kein Risiko einzugehen. Da man die Auswirkungen der Infektionen in vielen Fällen nicht einmal registriert kann es durchaus vorkommen, dass jemand erkrankt war und es gar nicht wahrgenommen oder die Symptome mit anderen Krankheitsbildern verwechselt hat, da hier ohnehin nur eine Blutuntersuchung Aufschluss geben würde. Wichtig ist, die Ruhe zu bewahren und sich regelmäßig über die Entwicklungen zu informieren.

* Bildquelle: WikiImages / pixabay.com, CC0 Public Domain

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