Wochenbettdepressionen: Babyblues oder ernsthafte Erkrankung?


Über Wochenbettdepressionen, Babyblues, Heultage - apotheken-wissen.de

Wenn aus dem großen Glück Heultage, Babyblues oder gar Wochenbettdepressionen werden … *

Bei einer Geburt ändert sich schlagartig das ganze Leben. In vielen Fällen sind es heute Wunschkinder, in jedem Fall ist die Mutter vom ersten Tag an einem enormen Druck ausgesetzt. Sobald das Baby da ist, hat man zu funktionieren und glücklich zu sein, das ist seit jeher ein ungeschriebenes Gesetz. Nicht jede Frau wird mit diesem Druck fertig und je nach Veranlagung und Vorgeschichte kann es hier zu psychischen Problemen mit unterschiedlichem Schweregrad kommen. Angefangen bei den sogenannten Heultagen, auch Babyblues genannt, bis hin zu handfesten Depressionen, auch postpartale Depressionen bzw. Wochenbettdepressionen genannt. Leider erwartet die Gesellschaft heute immer noch, dass frischgebackene Mütter stark sind, den ganzen Tag strahlen und mit allem fertig werden. Dies hat zum Teil verheerende Auswirkungen, da sich die betroffenen Frauen für ihren Zustand schämen und es scheuen, sich die Hilfe zu holen, die hier dringend benötigt wird.

Babyblues und Wochenbettdepressionen – was sind die Unterschiede?

Der sogenannte Babyblues, auch Heultage genannt, tritt bei ca. 80% der frischgebackenen Mütter auf. Vor allem bei den Frauen, die stillen, da hier die hormonelle Umstellung nach der Geburt besonders ausgeprägt ist. Dazu kommen Schlafentzug, anfänglich das Gefühl der Überforderung und die ungewohnte Umgebung im Krankenhaus. Starke Stimmungsschwankungen, häufiges Weinen, Erschöpfung und eine erhöhte Empfindsamkeit können zu den Symptomen gehören. Dieser Zustand verschwindet jedoch normalerweise nach ca. 7 Tagen wieder, vor allem, wenn die Betroffene das Krankenhaus verlässt und in die gewohnte Umgebung nach Hause kommt. In der Regel ist hier keine Therapie von Nöten und die Mutter – Kind – Beziehung gerät nicht in Gefahr.

Anders verhält sich der Fall bei Wochenbettdepressionen. Sie können direkt nach der Geburt beginnen, treten aber im Normalfall erst 6 bis 12 Wochen später auf und können in einigen Fällen noch innerhalb der ersten zwei Jahre akut werden. Problem: Sie werden oft erst später bemerkt, da der Krankheitsverlauf meist schleichend voran schreitet und Symptome wie häufiges Weinen, Schuldgefühle, Antriebslosigkeit und die Schwierigkeit, Gefühle wie Liebe zu entwickeln, häufig als Begleiterscheinungen der neuen Lebenssituation abgetan werden. Problematisch ist, dass auch die Mutter-Kind-Beziehung leidet, was die Gefahr von langfristigen Entwicklungsschäden birgt. Daher bedarf nicht nur die Mutter einer Therapie, sondern auch die Verbindung von Mutter und Kind. Positiv ist: Durch professionelle Betreuung klingt die Depression bei nahezu allen betroffenen Frauen wieder ab.

Welche Warnsignale für eine Wochenbettdepression sollte man nicht ignorieren?

Aus einem „einfachen“ Babyblues oder mit dem oben genannten Zeitverzug kann eine nachhaltigere Wochenbettdepression erwachsen. Zu den typischen Symptomen der Wochenbettdepressionen können gehören: Interessenlosigkeit, Unfähigkeit, sich über etwas zu freuen, häufiges Weinen, unangemessen starke Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe, ein Gefühl der inneren Leere, zwiespältige Empfindungen gegenüber dem Kind, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Angstzustände oder Reizbarkeit, es kann sogar bis hin zu Suizidgedanken reichen. Ein wichtiges Symptom, das keinesfalls ignoriert werden sollte, sind Schlafstörungen. Entlastung und das frühzeitige Abfangen von Schlafstörungen kann den Ausbruch schwerer Depressionen vermeiden. Mütter, die in den ersten Tagen einen Babyblues / die Heultagen erlebt haben, sollten besonders aufmerksam sein mit Blick auf Warnsignale und Symptome einer Wochenbettdepression.

Welche Behandlungsmethoden gegen Wochenbettdepressionen gibt es?

Der erste Schritt in Richtung Genesung ist für viele Mütter, sich jemandem anzuvertrauen. Das kann der Partner sein, ein Familienmitglied oder auch die Hebamme bzw. der Frauenarzt. Dieser Schritt fällt den Betroffenen deshalb so schwer, weil sie damit zugeben müssen, schwach und der Situation nicht gewachsen zu sein. Erste Grundlage ist es daher, die betroffene Mutter zu beruhigen und ihr die Angst und die Scheu zu nehmen, sich zu öffnen. Sie muss das Vertrauen zurück gewinnen, dass es ihr auch wieder besser gehen wird, da viele Frauen in diesem Stadium das Gefühl haben, nie wieder gesund zu werden.

Die weiteren Therapiemöglichkeiten richten sich nach Ausprägung und Schwere der Depression. Wichtig ist vor allem, dass die Betroffene möglichst schnell professionelle Hilfe bekommt. Meist ist bei schweren Depressionen der Einsatz von sogenannten Antidepressiva unerlässlich. Da viele Arzneimittel in die Muttermilch übergehen ist hier unbedingt vorher abzuklären, ob die Mutter weiter stillen möchte. Ist das Kind gesund und nicht durch Frühgeburt zur Welt gekommen, ist die Gabe von bestimmten neuen Antidepressiva während der Stillphase unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle möglich. Dies ist aber genau mit dem behandelnden Gynäkologen abzusprechen. Eine Schwierigkeit besteht darin, dass die Medikamente 14 Tage brauchen, bis sich ihre Wirkung sichtbar macht.

Weitere Hilfen können betroffene Frauen mit psychotherapeutischen Maßnahmen in einer Gesprächs-, Psycho- oder Körpertherapie erhalten. Als Körpertherapie bezeichnet man Behandlungsmethoden zur Verbesserung von Körperhaltungs- und Bewegungsabläufen.

Wichtig ist besonders, dass auch Lebenspartner und Familienangehörige einbezogen werden.

Was kann man tun, um Wochenbettdepressionen vorzubeugen?

Grundsätzlich gilt, dass bei Frauen, die bereits eine Psychose oder Wochenbettdepressionen erlebt haben, ein erhöhtes Risiko besteht, wieder an einer Wochenbettdepression zu erkranken. In solchen Fällen sollte verstärkt auf Vorsorge geachtet werden. Dazu gehören: Die sorgfältige Auswahl des Geburtsortes (bei einer vorangegangenen Depression ist bereits ein Ortswechsel für die zweite Entbindung hilfreich) sowie die Wahl einer Hebamme, zu der ein besonderes Vertrauensverhältnis besteht und die, genauso wie die Gynäkologin für Hausbesuche und Gespräche nach der Geburt zur Verfügung steht. Idealerweise sollte man beide bereits vor der Entbindung über das bestehende Risiko von möglichen Wochenbettdepressionen informieren. Auch das frühzeitige Erlernen einer Entspannungsmethode wie z.B. Yoga ist sinnvoll. Für den Fall einer erneuten Erkrankung sollte man sich alle wichtigen Anlaufstellen notieren, wie den Arzt, Therapeut, die Mutter – Kind – Klinik, etc., zu denen man früher schon einmal Kontakt hatte.

Wichtig: Der Begriff Wochenbett kommt nicht von ungefähr. Hier ist nach der Geburt Ruhe und Erholung angesagt. Stress, Anstrengungen und einschneidende Veränderungen der Lebensumstände sind tabu, Körper und Seele brauchen dringend eine Auszeit. Sinnvoll sind etwas gesunde Bewegung und eine ausgewogene Ernährung.

* Bildquelle: Karin / pixelio.de

Pin It

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.