Was ist eigentlich ein Lesezirkel?


Lesezirkel im Wartezimmer - apotheken-wissen.de

Lesezirkel im Wartezimmer: nur durch digitale Lesezirkel wegzudenken? *

Während Sie auf Ihren Arzttermin warteten, haben Sie sicher schon einmal die eine oder andere Zeitschrift in die Hand genommen, die im Wartezimmer auslag. Meist sind diese Zeitschriften mit einem kleinen Einband versehen, auf dem „Lesezirkel“ steht.

Wenn Sie sich schon immer gefragt haben, was das eigentlich ist und wie das funktioniert, dann klären wir Sie in folgendem Beitrag gern kurz auf.

Kleine Geschichte des Lesezirkels

Ursprünglich war ein Lesezirkel eine Gemeinschaft von Bewohnern eines Ortes oder Stadtteils, die sich eine bestimmte Schrift teilten. Die Anfänge dieses Prinzips reichen bis in das 17. Jahrhundert zurück, in eine Zeit also, als Schriften noch wertvoll und selten waren und es von vielen Ausgaben nur ein einziges Exemplar gab. Jedes Lesezirkel-Mitglied durfte sich damals das jeweilige Schriftstück für ein paar Stunden mit nach Hause nehmen und studieren, ehe der Nächste dran war. Ab etwa 1800 waren Lesezirkel dann ein Nebenerwerb von Buchhändlern. Immer mehr Menschen konnten lesen, sich aber nicht die teuren Bücher leisten. Dank Lesezirkeln wurde die Bildung aller Schichten in Deutschland deutlich vorangetrieben. Bis heute sind die Zirkel trotz Fernsehen und Internet sehr beliebt und halten sich konstant.

So funktioniert ein moderner Lesezirkel

Moderne Lesezirkel werden heute von privatwirtschaftlichen Unternehmen organisiert, von denen es etwa 160 gibt, die mehr als 12 Millionen Leser erreichen. Am zugrundeliegenden Prinzip hat sich wenig geändert. Eine Reihe von Kunden bekommt eine Mappe mit ausgewählten Zeitschriften, behält diese etwa eine Woche und gibt sie dann wieder ab, damit der Nächste sie lesen kann.

Im Schnitt erreicht jede Zeitschrift so circa drei Leser statt nur einen, was die Reichweite der Titel stark erhöht. Dies wiederum ist für die Anzeigenkunden der herausgebenden Verlage wichtig. Deshalb erhalten die Lesezirkel die Zeitschriften auch direkt vom Verlag und nicht etwa von einem Großhändler. Das hat zur Folge, dass die Zeitschriften für den Leser insgesamt viel günstiger sind. Es existiert auch eine Reihe von spezialisierten Anbietern, etwa ein Lesezirkel für Arztpraxen, für Friseure, Cafés oder öffentliche Behörden.

40% der Zeitschriften werden privat gelesen

Obwohl die meisten von Ihnen Lesezirkel sicher nur aus Warteräumen kennen, ist das Prinzip des Ausleihens von Zeitschriften auch im privaten Bereich äußerst beliebt. Überraschenderweise liefern die Lesezirkel in Deutschland sogar etwa 40% ihrer Mappen an private Abnehmer. Die übrigen 60% werden in der Tat von Gewerbetreibenden gebucht. Wer also privat gern Zeitschriften liest, dabei Geld sparen möchte und wen es nicht stört, dass die Zeitschriften ein wenig älter sind, der sollte sich einmal mit dem Angebot der Lesezirkel-Unternehmen befassen. Wer eine Arztpraxis, eine gastronomische Einrichtung oder einen Friseursalon betreibt, der kann durch Lesezirkel Kosten sparen und seinen Kunden helfen, Wartezeiten zu überbrücken. Das Liefern und Abholen der Zeitschriften übernimmt dabei der Anbieter des Lesezirkels.

Ganz neu: Digitale Lesezirkel

Noch relativ neu sind digitale Lesezirkel. Diese funktionieren im Grunde nach demselben Prinzip, haben aber noch ein paar Vor- und Nachteile gegenüber den konventionellen Lesezirkeln. Bei digitalen Lesezirkeln schließt man ein Abonnement ab und hat je nach Anbieter Zugriff auf tausende Magazine und Zeitschriften, die man online lesen oder herunterladen kann. Man benötigt dazu aber einen PC oder ein mobiles Endgerät. Anders als bei den Magazinen aus Papier entfällt hier der Produktionsaufwand und der Papiermüll und die Kunden können zudem fast unbegrenzt auf neue und alte Ausgaben zugreifen.

Allerdings lassen sich die digitalen Ausgaben der Zeitschriften natürlich nicht in Wartezimmern auslegen, weswegen sich diese Form des Lesezirkels vornehmlich an Privatkunden richtet. Außerdem setzt die Lektüre immer ein elektronisches Gerät sowie genügend Strom und in der Regel eine Internetverbindung voraus. Es muss also jeder Interessierte abwägen, ob er lieber auf Smartphone und Tablet liest oder doch zur guten alten Papierzeitschrift greift.

* Bildquelle: Tegula / pixabay.com

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