Schluckstörung (Dysphagie) – Ursachen und Behandlung


Schluckstörung / Dysphagie - apotheken-wissen.de

Eine Schluckstörung / Dysphagie kann lange unentdeckt bleiben *

Oft machen Sie sich anfangs harmlos bemerkbar: Schluckstörungen, auch Dysphagie genannt. Nicht immer sind sie sofort als solche zu erkennen, können zuerst schleichend, als häufiges Räuspern, Husten, spontaner Gewichtsverlust oder auch plötzlicher Fieberschub getarnt auftauchen. In anderen Fällen treten sie plötzlich und direkt in Form von Verschlucken bis hin zu Erstickungsanfällen auf. Die Betroffenen haben das Gefühl, als bliebe ihnen die Nahrung im Halse stecken oder empfinden starke Schmerzen beim Schlucken. Bei einer Dysphagie ist der Betroffene nicht mehr in der Lage, Flüssigkeit, Nahrung oder Speichel reibungslos vom Mund in den Magen zu befördern.

Ursachen und Auswirkung einer Schluckstörung

Häufig gehen neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Gehirntumore, Multiple Sklerose, Parkinson oder auch Schädel–Hirn–Traumata voraus. Auch Demenz, medikamentös bedingte Beschwerden oder anatomische Veränderungen des Schluckweges können ursächlich für eine Schluckstörung sein. Bei Kindern oder Jugendlichen kann es sich hierbei zum Beispiel um eine Gaumenspalte handeln. Im Falle einer Dysphagie wird duch eine solche Vorerkrankung der komplexe Vorgang des Schluckens, an dem über 100 Muskeln sowie Wangen, Kiefer, Zunge, Lippen, Rachen, Kehlkopf, Zungenbein, Speiseröhre und auch Gaumensegel, sowie Teile des Gehirns für die Steuerung, beteiligt sind, gestört. Das führt zu Einschränkungen des Schluckvorgangs, die in den Schweregraden von leicht bis lebensbedrohlich reichen können. Lebensgefahr besteht, wenn zum Beispiel der Hustenreflex fehlt oder der Schluckreflex gestört ist. Gerade bei älteren Menschen kann eine Dysphagie schnell zu Lungenentzündungen oder ähnlichen Infektionen führen. Auch Dehydrierung, sowie Mangelernährung, können die Lebensqualität deutlich mindern und sorgen zusätzlich noch zu einer Verschlimmerung des Gesundheitszustandes, da das Immunsystem stark geschwächt wird.

Der Ablauf eines gesunden Schluckvorgangs

Der äußerst komplexe Vorgang des Kauens und Schluckens erfolgt am Tag ca. 600 – 2000 Mal und besteht aus mehreren Phasen.

Noch vor dem ersten Bissen beginnt bereits die Präorale Phase mit dem Riechen und Sehen der Speise. In dieser Phase wird der Appetit angeregt und die Organe auf die Nahrungsaufnahme vorbereitet. Erste Verdauungsenzyme werden ausgeschüttet, die Speicheldrüsen beginnen mit der Speichelproduktion und die Mundstellung bereitet sich auf die Konsistenz der Nahrung vor.

Mit dem Abbeißen bzw. der Aufnahme des ersten Löffels beginnt die Orale Phase. Das Essen wird gekaut und mit dem Speichel vermischt, wobei die Wangen- und Lippenmuskeln dafür sorgen, dass der Bissen im Mund verbleibt. Als nächstes wird der zerkleinerte Brei mit der Zunge nach hinten befördert, wobei das aufgespannte Gaumensegel verhindert, dass die Speise in den Nasenraum gerät.

Berührt der Speisebrei das Ende des Rachenraumes beginnt die  Pharyngeale Phase und der Schluckreflex wird ausgelöst. Hier beginnt ein Automatismus, bei dem sich der Kehlkopf hebt, der Eingang zur Luftröhre verschlossen wird, die Atmung aussetzt und sich das obere Ende der Speiseröhre öffnet.

Die Rachenmuskulatur transportiert den Brei daraufhin zur Speiseröhre, die die Nahrung durch wellenartige Bewegung in den Magen gelangen lässt. Diese Phase wird Ösophageale Phase genannt.

Bei einer Schluckstörung ist mindestens einer dieser Vorgänge gestört und beeinflusst damit den gesamten Ablauf.

Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten

Eine gute Übersicht über die Symptome einer Dysphagie enthält die Seite praxiszungenbrecher.de. Bei dem Verdacht auf Dysphagie bietet es sich an, als erste Anlaufstelle mit dem Hausarzt zu sprechen, dieser wird dann an die entsprechenden Stellen weiter verweisen. Da es sich beim Schlucken um einen derart komplexen Ablauf handelt, ist es für eine sichere Diagnose notwendig, in verschiedensten Fachbereichen Tests durchführen zu lassen. Die Betroffenen müssen vor allem Untersuchungen im Bereich HNO, Stimm-, Sprach-, Sprech-, und Schluckerkrankungen (Phoniatrie), Gastroenterologie, Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, Röntgendiagnostik und Psychosomatik über sich ergehen lassen. Den Untersuchungen geht noch ein genaues Vorgespräch voraus, in dem zunächst die Vorgeschichte des Patienten durchleuchtet wird. Dieses beinhaltet zudem eine ausführliche Aufstellung der Symptome sowie die aktuelle Ernährungsweise. Bei Bedarf wird durch einen Arzt und die Assistenz eines Logopäden noch eine endoskopische Videoaufnahme (FEES) durchgeführt. Im Anschluss an die Diagnose wird von Logopäden und Sprachtherapeuten eine Dysphagie Behandlung oder auch sogenannte Schlucktherapie durchgeführt. Hierbei wird unter anderem entschieden, ob die Nahrungszufuhr zukünftig oral oder durch Sonde erfolgen soll. Die Schlucktherapie hat das Ziel, die Schluckfähigkeit des Patienten wieder herzustellen bzw. zu verbessern, indem die betroffene Muskulatur gestärkt sowie die Nahrung den Bedürfnissen angepasst wird. Auch Haltungsänderungen und Beratung über ggf. notwendige Hilfsmittel gehören zur Therapie. Gemeinsam mit dem behandelnden Arzt entscheidet der Schlucktherapeut außerdem über evtl. erforderliche weitere diagnostische Maßnahmen. Leider kann eine diagnostizierte Schluckstörung nicht immer vollständig geheilt werden. In diesen besonders schweren Fällen beschränkt sich die Therapie darauf, die verbliebenen Möglichkeiten des Patienten zu nutzen und so weit wie möglich eine selbständige Nahrungsaufnahme zu ermöglichen.

Hilfreiche Verhaltens- und Ernährungstipps

Generell ist es bei Schluckbeschwerden wichtig, die Nahrung im Sitzen zu sich zu nehmen. Gerade im Alter sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass die natürliche Ernährung so lange wie möglich erhalten bleibt. Sinnvolle Hilfsmittel hierbei sind zum Beispiel die Schnabeltasse oder der Schiebelöffel. Sollte das gar nicht mehr möglich sein, hilft das Legen einer Magensonde. Mit Hilfe kalorienreicher Ernährung kann Mangelerscheinungen wirkungsvoll vorgebeugt werden. Beim Zubereiten der Nahrung sollte dringend darauf geachtet werden, möglichst nicht verschiedene Konsistenzen (wie zum Beispiel bei einer Nudelsuppe) zu verwenden, da diese es dem Patienten schwer machen, den Schluckvorgang zu kontrollieren. In diesem Falle sind beispielsweise Cremesuppen sinnvoller. Durch das Andicken oder Pürieren der Speisen und Getränke wird den Betroffenen der Schluckvorgang deutlich erleichtert.

* Bildquelle: Beßler/Havlena  / pixelio.de

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