Periduralanästhesie (PDA): Hintergrund, Vorteile, Nachteile


Informationen über die Periduralanästhesie (PDA) - apotheken-wissen.de

Die Periduralanästhesie (PDA): eher wohl als wehe? *

Die Periduralanästhesie, auch kurz PDA genannt, verdanken wir Herrn Fidel Pagés Miravé, der diese besondere Form der Anästhesie bereits 1921 veröffentlichte. Sie gilt in Fachkreisen als eine elegante und komfortable Lebenshilfe durch ihre spezielle Wirkungsweise. Die Periduralanästhesie wird bei urologischen und orthopädischen Eingriffen eingesetzt, besonders und weitläufig bekannt aber ist sie im Bereich der Gynäkologie und hier vor allem als Helfer und Betäubung des Geburtsschmerzes. In diesem Fall wird schon sehr lange diskutiert, ob sie neben und durch ihre Schmerzstillung nicht auch negative Auswirkungen hat, zum Beispiel durch eine deutliche Verlängerung des Geburtsvorgangs. apotheken-wissen.de informiert in diesem Beitrag über die Periduralanästhesie sowie ihre Vorteile und Nachteile.

Was ist eine Periduralanästhesie (PDA)?

Für einen erfahrenen Anästhesisten ist eine Periduralanästhesie (PDA) ein täglich geübter Routineeingriff. Dabei wird in der Nähe des Rückenmarks eine lokale Betäubung gesetzt, die bestimmte Nerven, Nervenbereiche oder Nervensegmente für den gewünschten Zeitraum ausschaltet und somit zu Empfindungslosigkeit, Schmerzfreiheit und Hemmung der aktiven Beweglichkeit im zugehörigen Körperabschnitt führt, um medizinische Eingriffe und Prozeduren durchzuführen, die für den Patientin / den Patienten ohne Periduralanästhesie sehr viel schmerzhafter wären. Die Periduralanästhesie wird bei urologischen und orthopädischen Eingriffen eingesetzt, besonders und weitläufig bekannt aber ist sie im Bereich der Gynäkologie und hier vor allem als Helfer bei der Betäubung des Geburtsschmerzes. Nicht nur natürliche Geburten können mittels eine Periduralanästhesie schmerzbefreit werden, sondern mit einer Periduralanästhesie können selbst Kaiserschnitte erfolgen.

Wie funktioniert eine Periduralanästhesie (PDA)?

Bei der Periduralanästhesie als Geburtshilfe spritzt der Anästhesist das Betäubungsmedikament durch einen in einer  Hohlnadel liegenden Katheder in den Periduralraum. Dieser Periduralraum enthält die Wurzeln der schmerzleitenden Nervenfasern und liegt über der harten Rückenmarkshaut, im Fachbegriff Dura Mater genannt. Das Rückenmark selber bleibt also bei der Periduralanästhesie unangetastet. Die Applikation erfolgt zumeist unterhalb des Dornfortsatzes des ersten Lendenwirbels, kann aber auch an anderen Stellen der Lendenwirbelsäule eingesetzt werden. Um eine Periduralanästhesie zu legen sitzt die Schwangere leicht vornüber gebeugt oder zusammengerollt auf der Seite. Das Anlegen einer Periduralanästhesie ist normalerweise nur wenig schmerzhaft.

Skizze einer Periduralanästhesie (PDA) - apotheken-wissen.de

Skizze einer Periduralanästhesie (PDA) **

Der Schwangeren wird normalerweise ein örtliches Betäubungsmittel in Kombination mit einem Schmerzmittel verabreicht. Die Dosierungen sind zunächst gering angesetzt und können, dem weiteren Verlauf der Geburt folgend, über den Katheder erhöht bzw. die Wirkung verlängert werden. Der Wirkungseintritt der Periduralanästhesie beginnt nach etwa 15 Minuten. Die Schmerzen werden dabei komplett ausgeschaltet, während sowohl das Empfindungsvermögen wie auch die Beweglichkeit von der Hüfte abwärts nahezu erhalten bleiben. Da es sich um eine lokale Anästhesie handelt bleibt das Bewusstsein während einer PDA komplett erhalten. Auch Geburten, die sich zu einem notwendigen Kaiserschnitt entwickeln oder bereits von Anfang an als Kaiserschnitt geplant sind, sind mittels einer Periduralanästhesie möglich, die dann entsprechend höher dosiert wird.

Vorteile, Nachteile einer Periduralanästhesie (PDA)?

Eine Studie der Univerity of California in San Francisco, USA, veröffentlicht im medizinischen Journal „Obstetrics & Gynecology“, bestätigt zum einen nach der Auswertung von über 42.000 Geburten, was die Geburtshelfer schon seit langem wissen: eine Geburt, die mit einer Periduralanästhesie erfolgt, dauert länger als eine Geburt ohne diese lokale Betäubung. Zum anderen aber zeigt die Studie dann doch überraschend, wie deutlich sich der gesamte Geburtsvorgang verlängert bzw. verlängern kann: eine durchschnittliche Austreibungsphase dauert laut dieser Studie mit einer Periduralanästhesie etwa 5,5 Stunden und ist damit über 2 Stunden länger als ohne eine Periduralanästhesie (knapp 3,5 Stunden). Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Schwangeren, die bereits eine Geburt hatten: Bekanntermaßen geht hier der Geburtsvorgang generell schneller (im Schnitt weniger als 1,5 Stunden ohne eine Periduralanästhesie), mit einer Periduralanästhesie hingegen mit 4 1/4 Stunden fast dreimal so lang. Gemäß den (US-amerikanischen) Richtlinien, wie lange eine Austreibungsphase dauern sollte, damit Mutter und Kind ungefährdet sind und bleiben, zeigt die neue Studie, dass ein Drittel aller Erstgebärenden und fast 20% der Nochmals-Gebärenden über diesem Wert liegen.

In Deutschland wird das Ergebnis dieser Studie weniger negativ bewertet. Zum einen sei bekannt, dass Geburten mit Periduralanästhesie länger dauern, wenn auch nicht in diesem zeitlichen Umfang. Ebenfalls vermutet man, dass der Anteil der Geburten, die einen schwierigen und damit ohnehin einen längeren Verlauf nahmen und deshalb eine Periduralanästhesie eingesetzt wurde, überdurchschnittlich hoch ist. Darüberhinaus gilt, dass nicht nur die Schmerzfreiheit für deutlich weniger Stress für Mutter und damit auch das Kind bedeutet, sondern es auch therapeutische Wirkungen hat: zum Beispiel bei einem verzögerten Geburtsverlauf oder bei einem sich nicht öffnenden Muttermund hilft eine Periduralanästhesie.

* Bildquelle: © Tyler Olson – Fotolia.com
** Bildquelle: Ausschnitt aus Unterschied Spinalanästhesie-Periduralanästhesie; Wikipedia / PhilippN, Lizenz:
Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported

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