Online-Sucht: warum, ab wann, was tun?


Online-Sucht - apotheken-wissen.de

Überall und jederzeit online: Suchtgefahr und Abhängigkeit? *

Soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube, Twitter und Co., ständige Erreichbarkeit und ständiger Austausch per SMS, WhatsApp, Skype, Chats und E-Mail, Computer- und Handybildschirme im allgemeinen bei Arbeit und in der Freizeit, Herausforderungen und Rollenspiele mit der Wii, Xbox und Playstation: vieles davon ist längst ein fester Bestandteil unseres Alltags. Die durchschnittliche Nutzungsdauer des Internets und der Computerspiele nimmt seit Jahren zu, und das auch bereits bei Kindern und Jugendlichen. Wie die Pflege unserer Kontakte hat sich auch unser Freizeitverhalten durch das Internet und durch die Spielkonsolen verändert. Wir geben in diesem Gesundheitsratgeber Antworten auf die folgenden Fragen: Wann spricht man bei der Nutzung von sozialen Netzwerken oder Computerspielen von Sucht? Was sind erste Anzeichen eines abhängigen Verhaltens? Was bedeutet die ständige Internetpräsenz für Alltag und Umwelt? Wie kann das Nutzungsverhalten wieder reduziert werden?

Warum aus Online-Rollenspielen und sozialen Netzwerken Online-Sucht werden kann

Statt sich abends mit Freunden zu verabreden, verbringen immer mehr Menschen ihre Zeit auf Facebook, mit dem Checken von E-Mails oder mit Online-, Computer oder Konsolen-Rollenspielen. Das belegen auch die Zahlen: Fast 50 Prozent der unter 30-Jährigen nutzen soziale Netzwerke täglich. Davon sind immerhin etwa 20 Prozent täglich über 3 Stunden in sozialen Netzwerken unterwegs. Das ergab einerepräsentative Umfrage von Ipsos**. Und etwa jeder fünfte Bundesbürger unter 30 Jahren spielt täglich Online-Spiele. Die Teilnehmer schlüpfen dabei in virtuelle Rollen und messen sich via Internet mit anderen Spielern aus aller Welt. Beides bedient das Bedürfnis der Nutzer nach Unterhaltung und Austausch mit anderen.

Wann wird das Spielen und Posten zur Online-Sucht?

Immer mehr User empfinden es jedoch geradezu als Zwang, ständig bei Facebook vorbeizuschauen oder einem laufenden Spiel andere Dinge unterzuordnen. Trägt dieses Verhalten bereits Züge einer Sucht? Anders als beispielsweise die Sucht nach Zigaretten oder Alkohol, ist der Begriff „Sucht“ im Zusammenhang mit sozialen Netzwerken oder Computerspielen kein anerkannter medizinischer Begriff und gilt deshalb bislang auch nicht als Krankheit. Experten schlagen vor, den pathologischen PC- und Internetgebrauch als „Störung des Selbststeuerungs- und Beziehungsverhaltens“ in die Diagnoseklasse der „Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen“ einzuordnen. Unabhängig von dem Begriff „Sucht“ ist aber unbestreitbar, dass soziale Netzwerke und Computerspiele ein gewisses Abhängigkeitspotential bergen können.

Erste Anzeichen einer Abhängigkeit und Online-Sucht

Zum Beispiel aus dem Bedürfnis, ständig Nachrichten auf Facebook zu posten und zu lesen, kann man durchaus Züge einer psychischen Abhängigkeit annehmen. Dies gilt insbesondere dann, wenn User einen großen Teil ihres Tages damit verbringen oder deshalb wichtige Aufgaben, wie Beruf oder Schule, vernachlässigen. Onlinespiele werden häufig als Belohnung eingesetzt, um negative Gefühle oder Alltagsprobleme zu verdrängen. Belohnung und Verdrängung sind die besonderen Merkmale, die auch eine Sucht kennzeichnen und hier eben eine Online-Sucht. Wenn diese nach der Spielzeit wieder ins Bewusstsein zurückkehren, bieten häufigere oder immer länger werdende Spielzeiten oft die einzige Abhilfe. Wie viel Zeit ein Internetuser tatsächlich vor dem Bildschirm oder Smartphone verbringt, ist ihm in vielen Fällen selbst gar nicht bewusst. Deshalb ist es wichtig, erste Anzeichen eines abhängigen Verhaltens zu erkennen. Wer mit körperlichen oder sozialen Folgen zu kämpfen hat oder einen steigenden Kontrollverlust über seine Nutzungszeit am Computer wahrnimmt, weist in jedem Fall Merkmale eines Suchtverhaltens und hier eine Online-Sucht auf. Wenn man merkt, dass man den kompletten Tagesablauf nach den virtuellen Aktivitäten ausrichtet, die Gedanken ständig darum kreisen und man völlig in die virtuelle Welt eintaucht, besteht dringender Handlungsbedarf.

Online-Sucht: Entzugserscheinungen und soziale Isolation

Die Abhängigkeit von der virtuellen Welt kann, wie bei anderen Süchten auch, zu Entzugserscheinungen führen. Viele Betroffene zeigen dann ein gereiztes, aggressives oder nervöses Verhalten, sobald zum Beispiel vorübergehend kein Internetzugang zur Verfügung steht. Die virtuellen Aktivitäten und die Online-Sucht können bei Betroffenen schließlich sogar die Oberhand über das reale Leben gewinnen. Wer den Rechner realen Kontakten vorzieht, gerät allmählich in die soziale Isolation. Auch die Leistungen in Schule oder Beruf können massiv betroffen sein. Neben der Vernachlässigung von beruflichen und privaten Verpflichtungen stellen Betroffene auch oft ihre körperlichen Bedürfnisse – etwa nach Schlaf oder Essen – hintenan. Problematisch ist, dass Menschen in dieser Situation meist nicht mehr in der Lage sind, ihr eigenes Verhalten kritisch zu hinterfragen und sich einer Online-Sucht bewusst zu werden.

Zeitbegrenzungen und Selbst-Kontrolle gegen Online-Sucht

Ist es einmal so weit gekommen, ist eine strikte Auszeit vom Internet für Betroffene unbedingt anzuraten – auch wenn diese Selbstbeschränkung sicherlich zunächst schwer fällt. Ein erster Schritt kann sein, die tägliche Nutzungszeit zu kontrollieren und dann bewusst zu reduzieren. Beides sind die ersten, wichtigsten und nachhaltigen Schritte, einer Online-Sucht – selbst wenn sie sich noch im Anfangsstadium befindet – entgegen zu wirken und sie einzugrenzen oder zumindest, um sie nicht auszuweiten. Dazu können Betroffene auf technische Unterstützung zurückgreifen: Spezielle Programme helfen dabei, die Nutzungsdauer besser im Blick zu behalten – zum Beispiel technische Laufzeitbegrenzungen. Die Software steuert mithilfe von Zeitkontingenten oder an bestimmte Tageszeiten gebundenen Sperren die Dauer der erlaubten Aktivität am PC. Außerhalb der vorher festgelegten Zeitfenster ist der Zugang automatisch gesperrt. So können Betroffene ihren Tagesablauf wieder besser organisieren und die Kontrolle über ihr Nutzungsverhalten und über ihre Online-Sucht zurückgewinnen.

Online-Sucht: ab wann ist eine ärztliche Beratung angeraten?

Auch wenn es zunächst schwerfällt, die gewohnten Verhaltensmuster zu durchbrechen: wichtig ist, dem realen Leben und Ihren nicht-virtuellen Freunden wieder mehr Zeit zu widmen und das sehr bewusst. Gelingt das trotz ehrlichem Vorsatz nicht, empfiehlt es sich dringend, ärztliche Beratung und Hilfe gegen die Online-Sucht zu suchen. Informationen zu Beratungs- und Hilfsangeboten gibt es zum Beispiel unter www.fv-medienabhaengigkeit.de oder unter www.aktiv-gegen-mediensucht.de.

Literaturempfehlungen zum Thema Internet-Sucht und Online-Sucht

* Bild- und Textquelle: DKV Deutsche Krankenversicherung – www.dkv.com
Weitere Verbraucherthemen – www.ergo.com/verbraucher
**: Ipsos i:Omnibus™

Pin It

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte lösen Sie die Rechenaufgabe: * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.