Neuer Multiple Sklerose Test


apotheken-wissen.de: Synapsen / Erste Anzeichen Multiple Sklerose

apotheken-wissen.de: Synapsen / Ein neuer Multiple Sklerose Test? *

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronische Entzündung des Zentralen Nervensystems. Sie ist in dem Zusammenhang die häufigste chronische Erkrankung: deutlich über 100.000 Menschen leiden in Deutschland darunter.

Es sind nun erste Informationen veröffentlicht, dass sich ein neuer Test zur Abklärung und Diagnose einer Multiplen Sklerose etablieren könnte. Sind die bisherigen Verfahren sehr aufwändig, scheinen mit diesem neuen Test auf eine Multiple Sklerose einfachere, schnellere und sogar präzisere Diagnosen möglich zu werden. Und nicht nur eine Basisdiagnose eines MS-Verdachts erscheint damit realisierbar, sondern auch eine Feststellung, welche Verlaufsform der Multiplen Sklerose vorliegt.

Die Entwicklung dieses neuen Tests betreiben die Ruhr-Uni Bochum und die Medizinische Hochschule Hannover. In der Praxis einsetzbar ist dieser Test derzeit noch nicht, es steht eine zweite Untersuchungsphase an, an der mehr als 1.000 Patienten teilnehmen sollen.

Basisinformationen Multiple Sklerose

Jedes Jahr werden in Deutschland 2.500 neu an Multipler Sklerose Erkrankte gezählt. Die Neuerkrankten sind zumeist älter als 20 und jünger als 40 Jahre. Die Multiple Sklerose ist eine chronische Entzündung des Zentralen Nervensystems, also des Gehirns und Rückenmarks. Während der Körper richtigerweise das Immunsystem aktiviert, wenn bspw. Viren oder Bakterien von außen eingedrungen sind, richtet sich das Immunsystem bei einem Krankheitsbild Multiple Sklerose gegen den eigenen Körper. Antikörper greifen dabei die Schutzzellen der Nerven an und sorgen somit für nicht mehr reibungslose Impulse. Neurologische Defizite und Ausfälle sind daraufhin die Folge, und sie können dementsprechend höchst unterschiedlich ausfallen: sowohl in der Art oder dem Ort der Beeinträchtigung wie auch in ihrer Intensität, Dauer oder Entwicklung. Die Multiple Sklerose tritt in Schüben auf, die in unterschiedlichen Intervallen und Intensitäten erscheinen. Therapeutisch kann heute gegen die Häufigkeit der Schübe gearbeitet werden, vornehmlich aber gegen die Intensität und die Folgen eines Multiple Sklerose Schubs – weshalb auch die Früherkennung eines MS-Schubs so wichtig ist. Heilbar ist Multiple Sklerose bis dato nicht.

Heutiger Diagnoseweg und heutige Multiple Sklerose Tests

Die bisherige, belastbare Erkennung einer Multiplen Sklerose ist vielschichtig, eben weil sie von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich auftreten kann. Siehe dazu auch unseren Bericht Erste Anzeichen Mulitple Sklerose. Die Diagnose ist sehr umfassend: sie enthält basislegend die komplette Aufnahme der Anamnese (Krankengeschichte), umfassende neurologische Untersuchungen und Recherchen von Störungen und Anomalien (Augenbewegungen, Gliedmaßenkoordination, Körperkraft, Gleichgewicht, Empfindungen, Sprechen, Reflexe) bei Ausschluss anderer möglichen Ursachen, Messen der Leitungsgeschwindigkeiten der Nerven (evozierte Potentiale), Kernspinthomographien und mittels von Lumbalpunktionen die Untersuchung der Flüssigkeit in den Hohlräumen von Gehirn und Rückenmark.

Neuer Multiple Sklerose Test / neue Multiple Sklerose Diagnose?


Der neue Test startet auch mit einer Lumbalpunktion und der Untersuchung der dadurch entnommenen Rückenmarksflüssigkeit. Die Ruhr-Uni Bochum und die Medizinische Hochschule Hannover haben in einer gemeinschaftlichen Forschung den möglichen Ansatzpunkt eines Beweises für eine vorliegende Multiple Sklerose entdeckt. Sie untersuchten die Ribonekleinsäuren, also kurze Eiweißketten, die die Steuerung von Zellentwicklung, Zellvermehrung und Zellfunktionen innehaben. Die Forscher haben dabei erkannt, dass bei Menschen, die an Multiple Sklerose erkrankt sind, die Eiweißketten spezielle, veränderte Profile aufweisen. Und mehr noch: anhand dieser veränderten Muster ließe sich auch ableiten, welche Verlaufsform der Multiplen Sklerose vorliegt.

In der Praxis können die Tests heute noch nicht eingesetzt werden, bis dahin ist es noch ein weiter und langer Weg mit vielen Zwischenstationen, Beweisführungen und Untersuchungsphasen mit einer Vielzahl von Patienten. Man schätzt, dass das Gesamtprüfverfahren durchaus noch 5-10 Jahre in Anspruch nehmen könnte.

Ebenfalls neu: Bluttest zur Früherkennung von Multiple Sklerose Schüben?

Auch hier ist die Medizinische Hochschule Hannover in einem Forschungsprojekt. Heute sind das Herauszögern und das Abschwächen eines Multiple Sklerose Schubs Kernpunkte der möglichen Therapien. Dabei ist es wichtig, einen Schub und seine Symptome möglichst frühzeitig zu erkennen, um ebenso früh gegenwirken zu können. Die Erfolgsquote der bisherigen Früherkennung liegt jedoch nur bei einem Viertel aller Multiple Sklerose Schübe.

Die Medizinische Universität Hannover hat nun herausgefunden, dass es einen spezifischen Autoantikörper, also einen Antikörper, der sich gegen die eigenen Körperzellen richtet, gegen das Protein alpha-Fodrin im Blut gibt, der vermehrt bei Patienten mit aktuellen MS-Schüben vorhanden ist. Nach einem MS-Schub sind diese Autoantikörper vollständig wieder aus dem Blut verschwunden. Demzufolge hofft man, dass man einen direkten Zusammenhang zwischen diesen Autoantikörpern und einem MS-Schub hat herstellen können. Der daraufhin entwickelte alpha-Fodrin-Bluttest lässt also einen MS-Schub bereits erkennen, bevor die eigentlichen Symptome auftreten. Man spricht bei dem alpha-Fodrin-Bluttest von einer Früherkennungsquote bei 80% statt der heutigen 25%.

Weitere Links zum Thema Multiple Sklerose

Literatur zum Thema Multiple Sklerose

* Bildquelle: Gerd Altmann / pixelio.de

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