Kaspar-Hauser-Syndrom: Schäden durch fehlende Zuneigung und Misshandlung


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Wenn fehlende Zuneigung Qualen, Schmerzen und Schäden verursacht *

Über das Kaspar-Hauser-Syndrom: Jeder Mensch braucht Zuwendung, sie ist die Grundlage für das Dasein, die Entwicklung, das soziale Verhalten, grundsätzlich für die gesunde und zufriedene Lebensführung, rein theoretisch ist dies wohl jedem klar. Welch desaströse Auswirkungen es jedoch haben kann, wenn Gefühlsbindungen und menschliche Emotionen komplett fehlen, haben sich dagegen bisher wohl die wenigsten überlegt. Ein Kind, dem die elterliche Liebe versagt bleibt, wird eines Grundbedürfnisses beraubt, das einen wichtigen Baustein für das körperliche und geistige Heranreifen unerlässlich ist, dementsprechend können die langfristigen Schäden verheerend sein und sich nicht auf die Psyche sondern auch auf die körperliche Entwicklung auswirken.

Hintergründe und Krankheitsbild

Das Kaspar-Hauser-Syndrom, auch Deprivation genannt, bildet die schlimmste Form einer Krankheit, die Hospitalismus genannt wird und die Formen der körperlichen, geistigen und auch seelischen Schäden beschreibt, die auftreten, wenn Kinder ohne Eltern bzw. andere Bezugspersonen aufwachsen, schlimme Misshandlungen erdulden müssen. Auch Betroffene, die eine längere Zeit in Heimen oder Isolationshaft zu verbringen haben, können eine ähnliche Symptomatik aufweisen. Der Name Hospitalismus stammt daher, dass er zuerst bei Kindern, die sich über einen längeren Zeitraum hinweg in Heimen und Krankenhäusern aufgehalten hatten, erkannt und beschrieben wurde.

Namensgeber für das Kaspar-Hauser-Syndrom war ein Junge mit diesem Namen, der Anfang des 19. Jahrhunderts völlig verwahrlost und offenbar geistig zurück geblieben aufgefunden wurde. Er war ca. 16 Jahre alt und konnte weder lesen noch schreiben, auch das Sprechen bereitete ihm Mühe. Von diesem Jungen wurde erzählt, dass er sein ganzes Leben lang im Dunkeln bei Wasser und Brot im Keller eingesperrt gelebt hatte. Dieses Bild beschreibt die Auswirkung, die Isolation, Gefühlskälte und auch weitere körperliche und seelische Misshandlung fast zwangsläufig auf die Betroffenen haben. Neben Kindern kann dies beispielsweise auf Menschen zutreffen, die in Einzelhaft verwahrt wurden oder auch solche,  die verlassen in Alten- bzw. Pflegeheimen leben, dort misshandelt oder schlicht isoliert wurden und keine sozialen Kontakte pflegen.

Im schlimmsten Fall ging dem Krankheitsverlauf ein völliger Reizentzug sowie eventuelles Eingesperrtsein voraus. Mögliche psychische Auswirkungen können beispielsweise in Form von starker Reizbarkeit, Apathie oder Depressionen auftreten, auch erhebliche Entwicklungsstörungen können die Folge sein. Aufgrund des Fehlens sogenannten Urvertrauens bei Kindern, die nie die Nestwärme und Geborgenheit eines intakten Elternhauses erlebt haben, kommen bei diesen Betroffenen häufig noch extreme Angstzustände dazu. Weitere typische Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern mit Kaspar-Hauser-Syndrom können permanentes Daumenlutschen, ein gestörtes Sozial- bzw. Essverhalten oder auch sich wiederholende monotone Bewegungen wie das Vor- und Zurückwiegen des Oberkörpers darstellen, nicht zuletzt neigen Betroffene auch dazu, sich selbst zu verletzen.

Kaspar-Hauser-Syndrom: Diagnose und Möglichkeiten der Therapie

Diagnostiziert wird sowohl der Hospitalismus als auch das Kaspar-Hauser-Syndrom üblicherweise durch einen Psychiater. Wurde eine Form des Krankheitsbildes festgestellt ist es zuallererst wichtig, den Patienten in eine neue, möglichst angenehme, helle und positive Atmosphäre zu bringen um die Symptome zu verbessern. Wichtig ist es, vorab festzustellen dass es sich wirklich um eine der angegebenen Krankheiten handelt und nicht etwa um eine Depression, da sich diese in Verlauf und Defiziten grundlegend voneinander unterscheiden.

Um bleibende psychische Schäden zu vermeiden, die langfristig behandelt werden müssen, ist es wichtig, die Krankheit möglichst früh zu erkennen und den Patienten aus der schädlichen Umgebung zu befreien. In vielen Fällen gestaltet sich die Therapie sehr langwierig, da das geschädigte Kind bzw. der Patient erst langsam lernen muss, neue Beziehungen aufzubauen. Es ist daher elementar wichtig, dass ein positiver Bezug zum Therapeuten aufgebaut werden kann und hier die Chemie auch wirklich stimmt, erst dann kann damit begonnen werden, neue Brücken zu realistischen Beziehungen zu bauen und Bande zwischen den Personen zu knüpfen. In Form von Familien- und auch Psychotherapien wird langsam daran gearbeitet, lange nicht vorhandene Reize zurück zu bringen.

Prognose für die Zukunft: ist noch eine normale Entwicklung möglich?

Vor allem gilt: je eher die Krankheit diagnostiziert und behandelt werden kann desto besser sind die Heilungschancen, im günstigsten Fall kann der Betroffene durch liebevolle Betreuung und eine positive, helle Umgebung sich soweit erholen, dass ein relativ normales Leben möglich ist. Je schwerer die Störung ist desto intensiver muss die Behandlung erfolgen, oft ist eine jahrelange psychologische Betreuung vonnöten.

Es ist wünschenswert, dass die Menschen aufmerksam durch das Leben gehen und aufhorchen, wenn ein Kind oder ein hilfloser Mensch einen unnormalen Eindruck vermitteln. Hier lohnt es sich, nachzufragen und im Zweifelsfall einer Aufsichtsperson in Heim oder Schule Bescheid zu sagen, um zu verhindern, dass ein solch schwerer Schaden entstehen kann.

* Bildquelle: thisguyhere / pixabay.com

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