Boreout – wenn Langeweile krank macht


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Wenn Unterforderung krank macht … *

Mit Boreout ist eher eine stetige Unterforderung gemeint als die klassische, temporäre Langeweile. Was tun, wenn Unterforderung – neudeutsch: Boreout – zum Problem wird? Was nach Muße und süßem Nichtstun klingt, kann einen engagierten Menschen mindestens ebenso krank machen wie ständige Überforderung: Boreout ist das Gegenteil von Burnout, einem Zustand totaler Erschöpfung, der durch Dauerstress und Überlastung entsteht. Was viele nicht wissen: Auch zu wenige oder zu anspruchslose Aufgaben, das Gefühl, überflüssig zu sein und nicht gebraucht zu werden, kann bei Betroffenen erheblichen Stress auslösen – und schließlich sogar seelisch und körperlich krank machen. Dieser Gesundheitsratgeber informiert darüber, wie man bei einem drohenden Boreout Abhilfe schaffen kann.

Definition Boreout

Der Begriff des Boreout ist noch relativ jung und unter Fachleuten nicht unumstritten, denn wirklich belastbare Studien zu dem Phänomen fehlen bislang. Fest steht jedoch, dass sich Hunderttausende Menschen in Deutschland im Job mit zu wenigen oder zu anspruchslosen Aufgaben herumschlagen: Umfragen zufolge fühlen sich beispielsweise 60 Prozent der jungen Arbeitnehmer bis 29 Jahre unterfordert. Was nach einem allzu ruhigen Job klingt, schadet aber nicht nur den Unternehmen, sondern auf Dauer auch der Gesundheit der nicht ausgelasteten Mitarbeiter: Ständige Unterforderung und das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, frustrieren und setzen die Betroffenen unter Druck. Sie tippen wahllos auf ihrer Computertastatur herum, surfen stundenlang im Internet oder lösen Sudoku-Rätsel – alles, um möglichst ausgelastet zu wirken und die eigene Untätigkeit vor der Umwelt zu verbergen. Hinter der vorgetäuschten Betriebsamkeit verbirgt sich dabei meist eine quälende Langeweile und ein Mangel an Erfolgserlebnissen. Abends fühlen sich solche Mitarbeiter dann oft erschöpft, ausgelaugt und unzufrieden – obwohl, oder gerade weil sie tagsüber wenig bis kaum etwas geschafft haben.

Leistungsgesellschaft: Tabuthema Boreout. Burnout dagegen eher ein „Lob“?

Nichts zu tun haben ist definitiv ein Tabuthema in Leistungsgesellschaften wie der unsrigen. Die Symptome von Burnout und Boreout gleichen sich: Egal, ob Unter- oder Überforderung die Ursache für den krank machenden Stress ist – im Extremfall kann er bei beiden Gruppen zu Antriebslosigkeit, einem Gefühl innerer Leere, Schlafstörungen und Depressionen führen. Oft kommen nach einer Weile auch körperliche Beschwerden wie Magenschmerzen, Rückenprobleme, Tinnitus und Kopfschmerzen dazu. Zwar scheuen sich die meisten Boreout-Kandidaten, das Problem zur Sprache zu bringen, weiß der DKV-Experte Dr. Wolfgang Reuter: „Der Burnout, das Leiden der Manager und Erfolgreichen, ist inzwischen allgemein akzeptiert. Der Boreout dagegen gilt in unserer Leistungsgesellschaft als Tabu. Wer gibt schon gern zu, im Job zu wenig zu tun zu haben?“ Doch Scham ist nach Ansicht des Experten fehl am Platze. Stattdessen sollten Betroffene das Problem möglichst schnell angehen, um nicht in einen Teufelskreis zu geraten. „Zunächst ist es eine gute Idee, den Vorgesetzten anzusprechen“, meint der DKV Experte. „Vielleicht hilft es schon, wenn der Arbeitnehmer anregt, seinen Aufgabenbereich auszuweiten.“

Boreout-Betroffene: Lernen, nicht nur Opfer zu sein

Wichtig zu wissen ist vor allem eines: Die Betroffenen sind nicht faul oder träge. Erst die Langeweile macht sie mit der Zeit immer weniger handlungsfähig. „Vorübergehend können anspruchsvolle Hobbys wie das Erlernen einer Fremdsprache oder eine herausfordernde Sportart Ausgleich schaffen“, empfiehlt der Gesundheitsexperte. „Außerdem sollten Betroffene über eine Weiterbildung oder Umschulung nachdenken.“ Wenn sich auf Dauer nichts ändert, empfiehlt es sich, die Stellenanzeigen und interne Ausschreibungen anzuschauen. Denn manchmal ist eine berufliche Neuorientierung die einzige Lösung. „Viele an Boreout leidende Arbeitnehmer müssen erst wieder lernen, dass sie selbst Verantwortung für sich übernehmen können“, erklärt Dr. Wolfgang Reuter. Sofern sich bereits seelische oder körperliche Leiden eingestellt haben, ist der Hausarzt ein guter erster Ansprechpartner. Der wird den Patienten wahrscheinlich an einen Psychologen oder einen Facharzt für psychosomatische Medizin überweisen. In aller Regel sind die Heilungschancen gut – sofern der Betroffene frühzeitig Hilfe sucht.

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* Bild- und Text-Quelle: DKV Deutsche Krankenversicherung – www.dkv.com, Weitere Verbraucherthemen – www.ergo.com/verbraucher

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